Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 4 (28.1.1927)
- Date
- 1927-01-28
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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54 Das Jüdische Echo Nr. 4 die schweren Blutbeschuldigungen zu Damaskus zu entkräften und die Befreiung der Verhafteten zu erwirken. Ein einziges Wort in dem in arabischer Sprache abgefaßten Ferman, das Wort Begnadigung erregte seine Aufmerksamkeit und dies Wort wurde in Unschuldig (auf Einschreiten Cremieux) umgewandelt. Die Wissenschaft verdankt Munk wichtige Funde, und es würde zu weit führen, wollte man sie alle hier aufführen; sie waren auch alle nur Vorbereitung zur Herausgabe des „More Nebuchim“ im arabischen Originale mit einer französischen Übersetzung und erläuternden Noten. Jellinek sagt über dies Werk: „Das Werk Maimunis war schon übersetzt und kommentiert; sollte es aber in der europäischen Literatur unserer Zeit einen Platz finden und ihre Denker auch beeinflussen, so mußte es von einem gründlichen Kenner des Judentums und der arabischen Philosophie in einer weit verbreiteten Sprache denselben näher gerückt werden —< und das hat Munk durch seine elegante französische Übersetzung des „M o r e“ geleistet.“ Das tragische Geschick Munks war, daß er, als er sein Werk vollendet sah, das Augenlicht verlor. Nun feierte seine wissenschaftliche Begeisterung den höchsten Triumph. „Beraubt des Augenlichtes, aber mit einem riesenhaften Gedächtnis ausgestattet, die glühende Liebe zu seinem Geisteskind im Herzen (sagt Jellinek). schritt er gefaßt und ergeben an die Arbeit, an eine zehnjährige Arbeit, und wie ergreifend ist es, den Mann in seiner Arbeitsstube zu betrachten! Da sitzt er mit lichtlosen Augen, die Ruhe der Weisen, die Ergebung des Frommen und den Ernst des Gelehrten in den Mienen und lauscht verschiedenen Vorlesern, welche ihm 365 Oktavseiten arabischen Text fast vorbuchstabieren, fragt, ob hier das Vokal, dort das Verschärfungszeichen, hier der Punkt, dort der Strich am rechten Ort stehe, erinnert sich im allgemeinen ^einer Stelle aus Aristoteles, eines Ausspruchs im Talmud oder Midrasch usw.“ So entstand das höchste Lebenswerk Munks. Im Jahre 1865 wurde der vollends erblindete Munk an Stelle Renans zum Professor am College de France ernannt. Die Inauguralrede des Erblindeten lockt Gelehrte, Geistliche usw. in zahlreicher Menge herbei, die höchste Aristokratie der französischen Hauptstadt zählte zu den Hörern. Und wer steht vor dem Publikum? Das klerikale Blatt „Union“ schreibt: „Ein schwacher, blinder Mann, der mit seinem Tastgefühle allein die Welt seiner Gedanken erbaut, durchschreitet die Jahrhunderte der Völker, der Städte, der Idiome. Welch eine geistige Kraft! Er ist eine Zierde der Wissenschaft, denn er lehrt den Gelehrten lieben. Frankreich besitzt in ihm seinen größten Philologen, und wenn er auch seines Lichtes beraubt ist, so wird doch der gegründete Ruf, den er sich erworben und der noch vergrößert wird, für alle Zeiten strahlen und das Licht, das er getragen hat in das Dunkel der phönizischen Weisheit, es wird nie verlöschen.^ Munk war von einer seltenen Bescheidenheit; der französische Unterrichtsminister erfuhr erst durch Zufall, daß Munk der Hauptautor des Katalogs der orientalischen Manuskripte war, worauf er ihm den Orden der Ehrenlegion erwirkte. Ein Gehirnschlag machte diesem arbeitsreichen Leben am 5. Februar 1867 ein Ende. Hervorragende Männer der Wissenschaft und seines Glaubens gaben am Grabe der allgemeinen Teilnahme beredten Ausdruck, ehrten viele Gedenkreden an den verschiedensten Plätzen sein Andenken. Vom Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde München erhalten wir folgende Mitteilung: „An die Redaktion des „J üdischen Ech o“, München. Sie besprechen in Ihrer Nummer 3 unter der Aufschrift „Münchener Studentenpolitik“ eine Meldung der Jüdischen Telegraphen-Agentur, die eine von uns eingesandte Mitteilung zum Gegenstand hat. Der am Schlüsse enthaltene Satz: „Damit ist die Gleichberechtigung aller Studenten auf dem akademischen Boden der Universität hergestellt“ ist die wörtliche Wiedergabe aus einem an uns gerichteten Schreiben des Rektors. Die Stelle besagt, daß „auf dem akademischen Boden der Universität“, also soweit die Universitätsbehörde in Frage kommt, die Gleichberechtigung aller Studenten hergestellt ist. Die Stelle konnte u. E. nach ihrem Inhalt auch ohne die Kenntlichmachung als Zitat nicht anders verstanden werden. Daß das Verhalten der Korporationsstudentenschaft mit den Grundsätzen der Gleichberechtigung nach wie vor in vollem Widerspruch steht, ergibt sich aus der Mitteilung deutlich und wollte von uns auch nicht „verheimlicht“ werden.. Die von Ihnen in Verkennung des Ursprungs des beanstandeten Satzes gemachten Ausführungen sind daher nicht begründet. Wir bitten von dieser Mitteilung in Ihrem geschätzten Blatte Kenntnis zu geben.“ Wenn wir uns auch freuen, daß der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde mit uns sachlich einer Meinung über die Vorgänge an der Universität ist, so können wir doch nicht umhin zu bemerken, daß diese Auffassung aus der zitierten Meldung selbst mit dem besten Willen nicht herausgelesen werden konnte; fast alle andern Zeitungen, die sie überhaupt brachten, haben sie, ebenso wie wir, als eine Meinungsäußerung des Vorstands der Israelitischen Kultusgemeinde verstanden. Es wäre u. E. die Pflicht des Vorstands gewesen, den betr. Satz als Zitat zu kennzeichnen und sofort deutlich gegen eine solche „Gleichberechtigung“ zu protestieren. D. R. Renault Audi die führenden Weltmarken Mototechnische Ges., K.-G. München / Odeonsplatz 12 Telephon 26397 und 20654