Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 2 (14.1.1927)
- Date
- 1927-01-14
- Page
- Seite 26 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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26 Das Jüdische Echo Nr. 2 der Renaissance des jüdischen Volkes eine der schönsten Bestrebungen der Jetztzeit sieht. Die Beziehungen zwischen der Regierung und der jüdischen Bevölkerung werden auf die beste Weise geregelt werden, da auf beiden Seiten der gute Wille zur Verständigung besteht. Später besuchte General Deedes den Außenminister, Grafen Z a 1 e s k i, mit dem er ein einstündiges Gespräch hatte. Sir Wyndham Deedes empfing auch die Vertreter der jüdischen, der polnischen und der ausländischen Presse in seinem Hotel. Am Montag wurde eine Pressekonferenz abgehalten. Nach einer kurzen Einleitungsrede des Abg. Grünbaum erklärte Deedes den Zweck seiner Anwesenheit in Warschau und seine Stellung zum Zionismus. Gerade als Christ, sagte Deedes, interessiere ich mich dafür, daß das Los der Juden verbessert werde und daß das ungeheure Unrecht, das den Juden im Verlauf der Jahrhunderte zugefügt wurde, dadurch gut gemacht werde, daß man die halb zugrunde gerichteten Juden vor dem Untergange rettet. Alle großen englischen Parteien, von der konservativen bis zur Labour Party, unterstützen die zionistischen Bestrebungen. Der Erfolg der zionistischen Sache ist sicher. Wenn England etwas unternimmt, sich zu etwas verpflichtet, so führt England dies auch durch, ungeachtet aller Hindernisse. Die englischen Juden, die eine Zeitlang gefürchtet hatten, daß der Zionismus ihrer Loyalität zum englischen Staat Abbruch tun könnte, sind nun zu der Überzeugung gelangt, daß die Liebe und Loyalität zu England mit der Liebe zu Palästina Hand in Hand gehen könne. Ein guter Zionist kann gleichzeitig ein treuer englischer Bürger sein. Das gleiche ist in allen Ländern der Fall. Der jüdische Nationalismus ist nicht ein agressiver, sondern ein geistiger, kultureller, ethischer. Bis jetzt konnten die Juden ihre hohen kulturellen Leistungen nur als Individuen zeigen; in Palästina haben sie nun Gelegenheit, zu beweisen, was sie als Gemeinschaft zu vollbringen vermögen. Ernennung einer neuen beratenden Körperschaft in Palästina Jerusalem, 4. Januar. (JTA.) Die Regierung Palästinas hat eine neue beratende Körperschaft (Advisory Council) für Palästina eingesetzt. Die Körperschaft setzt sich nur aus Regierungsvertretern zusammen. Fiihrertagung des J.J.W.B. in Lehnitz. In der Woche von Weihnachten bis Neujahr fand in Lehnitz bei Oranienburg in der Mark ein gut gelungener Führerkurs des Jung-Jüdischen Wanderbunds statt. Die Tagung war durch Vorträge und Aussprachen ausgefüllt, die der Richtung und dem Inhalt des Bundes zur Festigung dienten. Der Ausgangspunkt war die Geschichte der jüd.. Vergangenheit, über deren Grundzüge die Herren Dr. Soloweitschik (Bibel), Rabb. Dr. Nobel (Talmud), Dr. Fritz Baer (Mittelalter) und Kurt Blumenfeld (Westjudentum seit der Emanzipation), referierten. Auf diesen Vorausstezungen leitete man die Entwicklung von Gegenwart und Zukunft des jüd. Volkes ab.. Die Referenten Alfred Berger (Pülästinische Arbeiterschaft), Dr. Max Mayer (Neuhebräische Literatur), Dr. Robert Weltsch (Politik im nahen Osten), Dr. Alb. Baer (Bodenprobleme in Palästina) und Berl Locker (Soziologie des Ostjudentums), zeigten den heutigen Stand der Judenfrage auf. Palästinische Redner wie Aschbel, Perlmutter und Braslawsky stellten den unmittelbaren Kontakt mit Erez Israel her. Die Fragen der Erziehungsarbeit wurden in einer Diskussion mit Dr.. Siegfried Bernfeld über „Tendenz und Autonomie in der Jugendbewegung“ erörtert. Nicht nur die Reihe der ausgezeichneten Referate, auch das glänzende Zusammenleben der 60 Chawerin und Chaweroth aus dem ganzen Reich lassen die Tagung als vollen Erfolg erscheinen. Sch.S.-L. lim I! Ti Illll 1 III Feuilleton || 1II | iiii III III iii iiiiiiii 111 Der Sänger Eine Yemenitengeschichte von Eugen Hoeflich (M. j. ben gawriel.) Nahe bei Esrat Jisrael in Jerusalem ist ein Yemenitenquartier, dessen Bewohner mir freundlich waren, wenn ich zu ihnen kam und stets mit guten Worten meiner gedachten, weil sie meiner Liebe sicher waren. Meine ganze Ehrfurcht aber galt ihrem Chacham, einem uralten, weißen Manne. Nie war die Feierlichkeit der Lichter größer, als wenn ich sie vor ihm brennen sah in der Stunde des Sabbataufganges. Von diesem Chacham, der stets schwieg, von dessen Lippen kein Wort kam, weder in der Frühe des Aufganges noch in der Stunde des Abends, in aller Zeit, da ich ihn kannte, es sei denn, daß in manchen stillen Stunden, da die sanfte Umnachtung, die ihn umgab, sich löste und er aus den Namen der Mütter die Zahlen suchte als Zeichen der Zukunft, von diesem alten Manne, der der beste Sänger in allen Quartieren der Yemeniten von Saana bis Jerusalem gewesen war, wurde erzählt, und ich hörte die Erzählung von den Häusern der Yemeniten, die leise und ehrfürchtig mir berichteten: Dieser Chacham, Ja’ub el wahdani, kam vor vielen Jahren hierher und die Stimme seines Gesanges drang aus dem Bethause in die Stadt, daß die Beter in allen Bethäusern aufhorchten auf den Sänger der Yemeniten. Und die Gewalt seines Gesanges drang vor die Stufen des Thrones, gelobt sei Der* dessen Namen er trägt, daß die Dienstengel eilfertig herabeilten, die Sünden der Kinder dieser Gemeinde von ihren Häuptern zu nehmen. Bis eines Abends, der Tag der Versöhnung war angebrochen, dieser große Sänger vor die Lade des Gesetzes trat und er nicht gesammelt war zum Dienste des Gebetes. Da verging die Gnade über seinem Haupte, und sein Gesang, der mächtig anhub wie immer, ging in falsche Bahnen und die Gemeinde wand sich in den Schmerzen ihrer Versündigung. Da verhüllte Ja’ub el wahdani sein Antlitz und er floh in die blaue Finsternis seiner Stube, die ihn umfing und allmählich in Träume hinüberleitete, aus denen plötzlich Elijahu, der Prophet,, erwuchs und gewaltig vor Dem stand, der falsch gesungen hatte im Dienste des Königs; Weil du ungesammelt vortratst aus der Gemeinde der Sünder, wandten die Töne deiner Kehle ihre Biahn! Und als Ja’ub sich des Morgens erhob, siehe, da lag der Alteste seines Samens, Jossef, tot auf seinem Lager. Wir trugen ihn zu Grabe, doch kaum hatte