Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 2 (14.1.1927)
- Date
- 1927-01-14
- Page
- Seite 25 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Das Jüdische Echo 25 destoweniger hat die „Schlesische Zeitung“ deren Ritualmordhetze ja noch in aller Gedächtnis ist, es nicht unterlassen können, wieder einmal ein Musterbeispiel von Journalistik zu bringen, das, wie wir hoffen, von einer so großen Partei, wie es die Deutschnationale doch schließlich ist, nicht als ein Beispiel für ihre staatsbürgerliche Reife und die sittlichen Grundlagen ihrer Politik angesehen werden wird. Die „Schlesische Zeitung“ veröffentlicht nämlich einen Artikel, der auf jeden Unbefangenen den Eindruck macht, als hätten die jüdischen Straßenpassanten die Hakenkreuzler angerempelt. ... Mit Recht haben die „Volkswacht“ und die „Breslauer Zeitung“ hervorgehoben, daß der Montag in der Breslauer Polizeichronik eine ganz besondere Rolle spielt. Zufällig gerade der Montag, an dem Verbände wie der „Totenkopf“ ihre Zusammenkünfte abhaltcn. Es besteht wohl für niemand in ganz Breslau ein Zweifel darüber, daß jener doppelte Exzeß in der Kaiser-Wilhelm-Straße eine Ausschreitung war, deren Grund in antisemitischer Verhetzung liegt, und für die letzten Endes jene verantwortlich sind, die diese Verhetzung täglich in Wort und Schrift weiter treiben, um dadurch ihre ganz anders gearteten politischen Ziele zu fördern. Wir Juden haben es herrlich weit gebracht in der guten Residenzstadt Breslau. Ritualmordhetze, Friedhofsschändung und offener Überfall auf der Straße werden auch dem Sensationsbedürftigsten von uns für lange Zeit genug sein. Der Breslauer Polizeipräsident widerlegt die völkische Legende von Jüdischen Angriffen Breslau, 7. Januar. (JTA.) Der Polizeipräsident gibt folgendes bekannt: „Die bisherigen polizeilichen Ermittlungen über den Vorfall in der. Nacht vom 3. zum 4. Januar in der Kaiser-Wilhelm- Straße haben ergeben, daß es sich nicht um gegenseitige Rempeleien gehandelt hat, sondern um einen durch nichts begründeten einseitigen Überfall von Mitgliedern des Bundes „Totenkopf“ auf friedliche Bürger. Die Angelegenheit wird in Kürze der Staatsanwaltschaft übergeben. — Um derartige bedauerliche Vorfälle möglichst zu vermeiden, geschieht seitens der Polizei alles, was in ihren Kräften steht. Die vorbeugende und helfende Tätigkeit der Polizei findet aber ihre Grenzen in der Zahl der zur Verfügung stehenden Beamten. Das Kommando wird für die Folgezeit einen verstärkten Schutz durch Radfahrerpatrouillen anordnen. Die Beamten sind erneut angewiesen, bei ähnlichen Anlässen mit aller Schärfe gegen die Friedensbrecher vorzugehen.“ Houston Stewart Chamberlain gestorben Berlin, 10. Januar. (JTA.) Aus Bayreuth wird telegraphiert, daß dort gestern nachmittags der Schriftsteller Houston Stewart Chamberlain, der Schwiegersohn Richard Wagners, im Alter von 72 Jahren nach langem Leiden gestorben ist. Chamberlain war Engländer von Geburt und Erziehung, kam als junger Mensch nach Deutschland und schloß sich hier dem Kreise Richard Wagners an. Er wurde deutscher Patriot und ließ sich im Kriege naturalisieren. Trotzdem nahm er die Beschlagnahme seines Vermögens in England nicht ruhig hin, sondern strebte gerichtlich deren Aufhebung mit der Begründung an, er sei ungeachtet des nationalen Glaubenswechsels ein Brite. Das Werk, das Chamberlain in weiten Kreisen berühmt gemacht hat, sind die zweibändigen „Grundlagen des 19. Jahrhunderts; eine rassenpolitische Abhandlung mit dem Ziel, den Rassenantisemitismus wissenschaftlich zu verteidigen. Eine glänzende Diktion vermochte aber nicht über die innere Brüchigkeit seiner Theorien hinwegzutäuschen. Das Werk wird lange schon in wissenschaftlichen Kreisen nicht ernst genommen. Chamberlain ist es gewesen, der in den „Grundlagen“ zuerst die These aufstellte, daß Christus ein „A r i e r“ gewesen sei. Dieses Werk hat später den Leuten um Hitler als „wissenschaftliche“ Basis ihrer Ideen gedient. An einem Nervenleiden ist er jetzt einsam und verbittert gestorben. Protest gegen den Bannfluch in Munkacz P r a g , 9. Januar. (JTA.) Dr. Ludwig Singer, als Vorsitzender der „Jüdischen Partei“, richtete an den Justizminister Mayr-Harting und den Minister des Innern Cerny ein Telegramm, in dem er im Namen der „Jüdischen Partei“ und des „Jüdischen Nationalrates“ gegen den Bannfluch des Munkaczer Rabbiners protestiert. Deedes in Warschau Warschau, 5. Januar. (JTA.) Sir Wyndham Deedes besuchte, wie bereits kurz gemeldet, in Begleitung des Abgeordneten J. Grünbaum den Innenminister, General Slawoi- Skladkowski, der dem englischen Gast versicherte, daß die polnische Regierung der zionistischen Idee große Sympathie entgegenbringe und in &)ltkajrn} (iarrstrcrsse i- Gjftüryehen 42 Viendett üßet 50 Ct'flcinv^ettwtunu auded ■Jcondon UZXtli Spmtan' itstcx 9v(c mm