Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 2 (14.1.1927)
- Date
- 1927-01-14
- Page
- Seite 27 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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N r. 2 Das Jüdische Echo 27 der Ostwind den Hügel getrocknet, warfen wir einen zweiten auf und bargen Da’ud in ihm, den zweiten Sohn des Chachams. Und ehe drei Tage vergangen waren, ergriff Fieber den dritten seiner Söhne und er rang mit dem Tode, bis er ihm verfiel, am Abend des fünften Tages. Sechs Söhne hatte dieser Mann und sechs begruben wir im Monat Elul ... Ja, o Herr, sechs Hügel warfen wir auf und wir waren bereit, den siebenten zu graben, für Ja’ub el wahdani. Aber- Ja’ub erfuhr nicht die Gnade des Sterbens. Schweigend saß er in der Stille seiner Stube und blickte vor sich hin, dunkel war seine Stirne und seine Augen schlossen sich dem Pfeil der Sonne. Eines Nachts aber brach ein Schrei aus seiner Brust, der uns auf sehr eckte von unserem Lager, und wir sahen den Chacham voll wirrer Gebärden die Straße hinabrennen, bis die farblose Dunkelheit sein rotes Kleid verschlang. Sechs Monde sah keiner den verstummten Sänger, bis er eines Morgens wieder vor dem Bethause saß, stumm und starr. Nie erfuhr einer, wo er die Zeit seiner Abwesenheit verbracht hatte. Selten spricht er ein Wort, aber was er spricht, tritt ein, denn auf seiner Zunge liegt ein Befehl Gottes. So erzählen die Yemeniten. Meine ehrfürchtige Liebe zu dem alten Manne aber wuchs von diesem Tage ins Unermeßliche. Oft ging ich hin, ihm meine Ehrfurcht zu bezeugen, doch er sprach nicht, nur segnend hob er die Hände über meinen Eingang und über meinen Ausgang. Um diese Zeit aber schoß die Not hoch auf in Jerusalem. Mann und Weib vergingen an Hunger und die Nächte waren erfüllt vom Schreien der Sterbenden und von den Schritten der Männer, die hinter der Bahre gingen. Vor dem Bethaus der Sephardim aber, da der Thron Elijahu des Propheten steht, weinten die Weiber, weil die Lampe in der Kammer des Thrones zu verlöschen drohte. Bringt keiner Öl für das heilige Licht?. Und sie schrien und rasten die Mauern entlang in toller Ohnmacht der Verzweiflung, bis um die Mittagszeit eines Tages ein Mann aus der Kammer trat und in die siebenfach ineinandergeschachtelte Synagoge rief: Das Licht ist verlöscht! Da schwiegen die Weinenden, und es war, als würde ein Engel den Raum verlassen, der nun angefüllt war bis an die Decke mit der Sünde der Beter und mit ihrem Aberglauben. Zu dieser Stunde aber, da das Licht in der Kammer Elijahu des Propheten verlöschte, verlosch das Licht Ja’ubs des Sängers, und er ging ein in die Barmherzigkeit Gottes, gelobt sei sein Name! ln dieser Nacht noch ward er begraben auf dem Ölberg bei den Vätern. Und in dieser Nacht, so berichten die Yemeniten’, habe seine Stimme in ihrem Bethaus gesungen, so rein und so gewaltig, wie nie in der Zeit seines Lebens, wie nie eine Stimme vor ihr. Dies ist die Geschichte des Sängers Ja’ub el wahdani, von dem gesagt wird, daß er der größte Sänger aller Zeiten des Yemen war. Personal ia Auszeichnung des Herrn Kapellmeisters Jos. Ziegler, München Ein in weiten Kreisen der jüdischen Gemeinde sehr geschätztes Mitglied, Herr Felix Feuchtwanger, begeht in diesen Tagen seinen 60.. Geburtstag. Der Jubilar, welcher sich in sozialer Beziehung auf den verschiedensten Gebieten erfolgreich betätigte, hat sich auch für die Errichtung der Münchener jüdischen Volksschule größte Verdienste erworben. Mit dem großen Freundeskreis entbieten auch wir dem verehrten Manne die besten Glückwünsche. Am 9. Januar verstarb dahier ein Mitglied der jüdischen Gemeinde, das sich allseits größter Wertschätzung erfreute.. Bei Schemata Rothschild, der ein Alter von 77 Jahren erreichte, war das Judentum der Mittelpunkt seines Lebens. Die wahre Frömmigkeit war der Grundzug seines Daseins und in diesem Sinne wirkte er auch in und außerhalb seines Familienkreises. Das Gotteshaus, in dem er heimisch war, sah ihn tägllich als eifrigsten Besucher; bis vor ganz kurzer Zeit konnte man sich keine Beerdigung ohne seine Anwesenheit denken. So ist mit ihm ein Mann dahingegangen, dessen Andenken sich in dem Satze zusammenfassen läßt rD"D? p’T* TD*- Die Beerdigung Rothschilds s. A. fand unter zahlreicher Beteiligung statt. Rabbiner Dr.. Ernst Ehrentreu widmete dem Dahingeschiedenen herzliche Worte des Gedenkens; Justizrat Leo Oppenheimer gedachte des Ehrenmitgliedes der Chevra Kadischah, das mehr als ein halbes Jahrhundert wahre Gemilus Chesed ausübte. Der Deutsche Kantorenverband erließ unlängst ein Preisausschreiben. Für seine synagogale Komposition erhielt Herr Kapellmeister Jos. Ziegler, München, die I. Auszeichnung. Mit dem zweiten Preis wurde Herr Arnold Nadel, Berlin, bedacht. Gemeinden-u. Vereins-Echo München. Die Synagoge „Ohel Jakob“ hatte lange nicht so viele Besuche aufzuweisen als am Abend des 10.. Januar, wo ihrem verstorbenen Rabbiner Dr. Heinrich Ehrentreu s. A. eine Trauerfeier gewidmet war. Neben den Gemeindemitgliedern hatten sich Mitglieder des Vorstandes und der Vertretung der Kultusgemeinde eingefunden, um dem Verblichenen an der Stätte seines langjährigen Wirkens den letzten Tribut der Dankbarkeit zu zollen. Nach einem Gesang des Synagogenchors besprach zunächst Herr Rabbiner Dr.. S. Klein aus Nürnberg die Entwicklung des Verlebten, seine Gelehrsamkeit und tiefe Religiosität, Eigenschaften, denen er seinen Weltruf verdankte. Nach ihm widmeten Herr Justizrat Dr. Emil Fraenkel, als einer der ältesten Schüler, dem trefflichen Lehrer und Freunde Worte des Dankes und der Verehrung sowie Herr Justizrat Dr. Elias Straus, der Namens der Kultusverwaltung das ersprießliche Wirken in der Gesamtgemeinde hervorhob.. Schließlich dankte der Sohn, Dr. Ernst Ehrentreu, für alle dem Vater erwiesenen Ehren. ^ofRutfcftitfer {|>cgr. 15Z4 '"'VD f C fr fl 1 Ä 11 ^aifou-^nwoerficmf in preisroericn ^el$en vom 8. bi$ 22. Januar 192 C cÄc|xocrr3|xrapc 14/ID