Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 2 (14.1.1927)
- Date
- 1927-01-14
- Page
- Seite 24 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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24 Das Jüdische Echo Nr. 2 Temkin als den Vizepräsidenten zusammensetzt. Dieses Präsidium entspricht dem einstmaligen „Kleinen Aktions-Comitee“. Der Sitz des Zentralbüros wird Berlin sein; das Büro wird unter der Leitung des Herrn Lichtheim stehen, der seine Aufmerksamkeit insbesondere auf die drei Hauptprobleme zu richten haben wird: Organisation, Finanzen, Wahlen zum XV. Zionisten-Kongreß, Dieses Arrangement dauert bis zum kommenden Zionisten-Kongreß. Aus der Jüdischen Welt Keine völlige Verschmelzung des Pfälzer mit dem Bayerischen Gemeindeverband München, 9. Januar. (JTA.) Der Verband der Israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz veröffentlicht die folgende Erklärung: „Nach Mitteilungen der Presse sind Bestrebungen im Gange, den Verband der Israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz mit dem Bayerischen Landesverband zu vereinigen. Hierzu erklären wir folgendes: Der Verband der Israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz wurde am 18. März 1917 gegründet. Drei Jahre später, am 21. April 1920, erfolgte die Gründung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Noch im gleichen Jahre, nämlich am 19. September 1920, beschloß der Pfälzer Verband den Beitritt zum Bayerischen Verband und gehört ihm seit dieser Zeit als Mitglied an. Beide Verbände sind Körperschaften des öffentlichen Rechts. Ihre Zuständigkeiten sind in der Verfassung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden vom 22. Februar 1926 abgegrenzt. Unter diesen Umständen ist es unverständlich, wie die Vereinigung der beiden Verbände als erst bevorstehend bezeichnet werden kann. Eine völlige Verschmelzung der Verbände mit der Folge der Auflösung des Pfälzer Verbandes ist in keiner Weise beabsichtigt.“ Ergänzungswahlen in Chemnitz Chemnitz, 3. Januar. (JTA.) Vor kurzem fanden in Chemnitz die Wahlen für die aus der Gemeindevertretung turnusmäßig ausscheidenden Vertreter statt. Es waren für die Liste A (deutsche Reichsangehörige) 6 Abgeordnete und 5 Ersatzleute, für die Liste B (Nicht-Reichsangehörige) 1 Abgeordneter und 2 Ersatzleute zu wählen. Um die Liste A fand kein wesentlicher Wahlkampf statt, die von der Jüdischen Volkspartei gegenüber den vereinigten Liberalen aufgestellte eigene Liste war nur als Zählliste gedacht. Weit ernster spielte sich der Kampf in der Kurie B ab. Die Jüdische Volkspartei hatte hier als Kandidaten Herrn Dr. Sichel, der vor kurzem freiwillig sein Amt als Gemeindevertreter niedergelegt hatte, wieder aufgestellt. Von einem orthodoxen Wahlkomitee wurde ein Gegenkandidat aufgestellt. Das Resultat des sehr heftig geführten Wahlkampfes ist folgendes: Von etwa 270 abgegebenen Stimmen erhielt Dr. Sichel 190 und wurde somit gewählt. Aus dem Abstimmungsergebnis folgt, daß eine beträchtliche Zahl Orthodoxer für Dr. Sichel stimmte. MODELLHAUS SOPHIE OELDENBERGER HAUS FÜR FEINSTE DAMENMODEN MÜNCHEN THEATINERSTRASSE 40 TELEPHON 27168 Nichtzionisten und Palästinaaufbau Äußerungen des Präsidenten der Frankfurter Gemeinde Beim diesjährigen Ordenstag der drei Frankfurter Bnei-Brith-Logen entwickelte Justizrat Dr. Blau bemerkenswerte Gedanken zur Frage der Mitarbeit der Nichtzionisten am Palästinaaufbau. Anknüpfend an die Bemerkungen Karl Lamprechts über die für jedes Übergangszeitalter charakteristischen Kontrastbewegungen kam Dr. Blau auf die Idee der Wiederaufrichtung eines jüdischen Staates in Palästina zu sprechen und hob den tiefgehenden Einfluß hervor, den dieser Plan gerade auf Kreise ausgeübt hat, die sonst dem Judentum fernstehen. Es habe sich aber auch gezeigt, daß die Gegensätze zwischen Anhängern und Gegnern des Zionismus sich im Laufe der Zeit verschärft hätten, was wiederum auf die Einheit und den Frieden innerhalb des Judentums eine verhängnisvolle Wirkung ausübe. Wenn es gelingen könne, den wirtschaftlichen Aufbau Palästinas zu einem gemeinsamen Arbeitsfeld für die gesamte Judenheit zu machen, dann wäre sowohl für die innere Befriedung viel gewonnen, als auch eine eminent jüdische Aufgabe gefördert und zugleich eine Zusammenfassung der Kräfte für Gemeinschaftsarbeit auf anderen Gebieten vorbereitet. Bisher seien solche Bestrebungen an der politischen Aufmachung des Aufbauwerks gescheitert, da der Mehrheit der deutschen Juden der politische Zionismus als eine Gefahr und ein Unglück erscheine. Wenn aber das Werk entpolitisiert und seine Leitung einer Körperschaft von Juden der verschiedensten Länder übertragen werde, dann seien alle Befürchtungen beseitigt, denn dann könne dem Außenstehenden klar gemacht werden, daß das Wiederaufbauwerk eine wichtige jüdisch-religiöse und soziale Aufgabe sei, die ihn mit seinem deutschen Gewissen nicht in Konflikt setze, und für deren Erfüllung die Welt dankbar sein werde. In einer solchen Umgestaltung liege für den politischen Zionisten kein allzu schwerer Verzicht, weil diese Gruppe als die am meisten interessierte auch am meisten mitarbeiten und darum immer den größten Einfluß haben werde. Um das in Aussicht genommene Ziel zu erreichen, bedürfe es einer gemeinsamen Plattform und eines gemeinsamen Resonanzbodens. Hierfür sei der Orden U.O.B.B. in erster Linie . geeignet, und er rufe die Führer der Frankfurter Logen auf, die von ihm gegebene Anregung zunächst unter sich und dann mit zionistischen Brüdern zu erörtern, worauf zusammenfassende Schritte unternommen werden könnten, die bei gutem Willen den Erfolg gewährleisten müßten. Der völkische Überfall in Breslau Breslau, 7. Januar. (JTA.) Über den völkischen Überfall in Breslau schreibt die Breslauer „Jüdische Zeitung“: Am Spätabend des letzten Montags wurden an zwei Stellen der Kaiser-Wilhelm-Straße eine Anzahl jüdischer Bürger von völkischen Rowdies überfallen. Daß es sich um einen planmäßigen und beabsichtigten Überfall handelte, geht daraus hervor, daß die totenkopfgeschmückten Helden, gleichsam felddienstmäßig durch Radfahrer Sicherungen gegen etwa herannahende Polizisten aufstellen ließen. Dem haben sie es auch wohl zu verdanken, daß die herbeigerufene Polizei nur drei von ihnen feststellen konnte, während die meisten entkamen. Die Tatsachen selbst sind unseren Lesern aus der Tagespresse bekannt, an„gemerkt soll nur noch werden, daß dem einen der Überfallenen zugerufen wurde: „Gib her, was Du hast!“... Nichtsf i