Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 2 (14.1.1927)
- Date
- 1927-01-14
- Page
- Seite 23 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Das Jüdische Echo 23 sten Vertreter des geistigen jüdischen Berlin. Das Podium war mit Palmen geschmückt. Gollanin eröffnete in seiner eindrucksvollen Art und mit seiner schönen Stimme die Feier durch Absingen des Psalms „Herr, was ist der Mensch“ in der schönen Vertonung von Kapellmeister Kellermann, der den Sänger selbst auf dem Harmonium begleitete. Damit war die weihevolle Stimmung für die Trauerfeier um den großen Toten geschaffen. Die Redner der Veranstaltung waren Martin Buber, Prof. Jul. Gutmann (Hochschule für die Wissenschaft des Judentums), Prof. Dubnow und Dr. Jakob Klazkin. Die beiden Erstgenannten sprachen deutsch, die Letztgenannten hebräisch. Herr Gollanin brachte zum Abschluß der Feier das „El mole Rachamin“ zum Vortrag. Sein machtvolles Organ und die Weihe seines Gesanges schlugen alle Zuhörer in Bann. Damit war die würdige Gedenkfeier zu Ende. Trauerfeiern wurden außerdem von zahlreichen anderen zionistischen Orts- und Landesverbänden veranstaltet. Eine ähnliche Feier in München wird geplant. Die Beschlüsse des zweiten Kongresses der Zionisten - Revisionisten Paris, 3. Januar. (JTA.) Der zweite Kongreß der Partei der Zionisten-Revisionisten ging Sonnabend, den 1. Januar, nach viertägiger Dauer zu Ende. Es wurden folgende Resolutionen angenommen: A. Politische Resolutionen (Antrag Jabotinsky): 1. Die Grundursache für die gegenwärtig in Palästina herrschende Wirtschaftskrisis kann weder im „Jischuw“ gesucht werden, dessen soziale Schichten alle eine beachtenswerte Aufbauenergie an den Tag gelegt haben, noch im jüdischen Volk im allgemeinen, das sehr beträchtliche Geldsummen für Palästina geopfert hat; die Ursache ist zum Teil in der Unfähigkeit der Zionistischen Exekutive, meist aber in dem anti-organisatorischen Charakter des staatlichen Regimes in Palästina zu suchen. 2. Die Konferenz erhebt die Forderung nach radikalen Reformen, die geeignet wären, dias gegenwärtige Regierungssystem in ein staatskolonisatorisches Regime umzuwandeln; insbesondere Reformen auf agrarischem Gebiet mit dem Ziele, aus dem gesamten unbebauten Boden Palästinas einen Reservelandbesitz zu schaffen; Reformen auf dem Gebiete des Zoll- und Steuerwesens zwecks Schutzes der lokalen Industrien; mit dem „Reserve-Land“ als Sicherheit soll eine nationale jüdische Anleihe für die Bedürfnisse der Kolonisation unter offizieller Garantie aufgelegt werden; das jüdische Element soll im Staatsdienste entsprechend vertreten sein; die jüdische Legion soll wieder aufgestellt werden. 3. Die Bestreitung der Kosten des öffentlichen Unterrichts in der nationalen Sprache der Bevölkekerung ist Staatspflicht; die gegenwärtige Situation, wo die Zionistische Organisation däs gesamte Schulbudget des „Jischuw“ tragen muß, ist unerträglich. Das jüdische Schulnetz muß als eine staatliche Institution anerkannt werden. Im Regierungsdepartement für Unterricht muß eine autonome jüdische Abteilung geschaffen, die Kosten des Unterhalts der hebräischen Schulen müssen als ein Posten im Staatsbudget erscheinen. — Ebenso müsse das jüdische Gesundheitswesen verstaatlicht werden bei gleichzeitiger Schaffung eines autonomen Büros. B. Jewish-Agency-Resolution. 4. Die Konferenz lehnt das Projekt der Erweiterung der Jewish Agency definitiv ab; unter den gegenwärtigen Bedingungen ist eine organisatorische Zusammenarbeit mit den Nichtzionisten nur in rein wirtschaftlichen Fragen möglich, wogegen das politische Vorrecht der Agency dem Zionistischen Kongreß gewahrt bleiben müsse. C. Wirtschaftsresolution. 5. Die Konferenz billigt die Entschlüsse der letzten Konferenz der Revisionisten Palästinas: das „Soskin-System“ der Intensivwirtschaft soll die Basis der landwirtschaftlichen Kolonisation sein. Die finanzielle Energie des Zionismus, die sich bisher in Sammlungen karitativen Charakters erschöpfte, soll von jetzt ab der Schaffung eines Banknetzes zugewendet werden in der Weise, daß die Ersparnisse der Juden von den Ländern der Diaspora nach Palästina geleitet werden, auch vermittelst Versicherungsgesellschaften, die ihre Reserven in Palästina investieren. In den Märkten der Diaspora-Länder soll Absatzmöglichkeit für die jüdische landwirtschaftliche und industrielle Produktion in Palästina geschaffen werden. D. Hebräische Sprache und Kultur., 6. Die Konferenz sieht in der Hebraisierung des geistigen Lebens des jüdischen Volkes ein Hauptelement des politischen Zionismus. Die leitenden Organe der Partei werden aufgefordert, Institutionen zu schaffen, wie a) allweltliche Gesellschaft der „Freunde des hebräischen Buches“ auf der Basis jährlicher Pflichtabonnements und eines alle hebräischen Verlage in Palästina zusammenfassenden Zentralverlags; b) eine allweltliche Gesellschaft der hebräisch Sprechenden (Dowre iwrith); c) eine Sachverständigen-Kommission für Revision der Orthographie und des „Nikud“ (Interpunktion) in der Volksliteratur; d) eine Kommission für Revision des Lehrprogramms in den palästinischen Schulen. * E. Außenpolitik. 7. Gemäß der Resolution der Konferenz von 1925, laut der die Partei der Revisionisten das Recht für sich in Anspruch nimmt, die öffentliche Meinung und die maßgebenden Faktoren der verschiedenen Länder im Sinne der revisionistischen Forderungen aufzuklären, ermächtigt die zweite Konferenz der Revisionisten die Parteiorgane, diesen Beschluß zur Durchführung zu bringen, dabei aber die Vorrechte der zionistischen Exekutive zu respektieren. 8. In einer besonderen Resolution wird gegen die Verfolgung der Zionisten in der Sowjet-Union protestiert. Die Organisation der Zionisten-Revisionisten Paris, 4. Januar. (JTA.) Gemäß den Beschlüssen der zweiten Konferenz der Zionisten- Revisionisten wird die Organisation ähnlich derjenigen der Zionistischen Organisation vor dem Kriege aufgebaut. Es wird ein dreißiggliedriger Zentralrat gebildet, der dem Herzischen „Großen Aktions-Comitee“ entspricht, und ein Präsidium, welches sich aus Wladimir Jabotinsky als Präsidenten des Zentralrates und den Herren Meer Großmann, Richard Lichtheim, und Wladimir