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Das jüdische Echo · 1927-01-14 · 2 (14.1.1927) · p. Seite 21

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
2 (14.1.1927)
Date
1927-01-14
Page
Seite 21 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2 Das Jüdische Echo 21 . flchad Haam Eine Erinnerung aus seinem letzten Lebensjahr Ich habe Achad Haam zuletzt vor knapp einem Jahr gesehen und gesprochen. Es war im hebräischen Gymnasium in Tel-Awiw. Wir hatten die ersten Morgenstunden des Unterrichts in mehreren Klassen angehört und uns an der für uns erstaunlichen, außerordentlich lebhaften Teilnahme der Schüler an den Lehrgegenständen erfreut. Wie bei uns gab es nach der zweiten Stunde eine längere Pause. Die Schüler, Knaben und Mädchen, strömten ins Freie, wo sich ein buntes Bild munter tummelnder Jugend entwickelte. Die Lehrerschaft sammelte sich im geräumigen Konferenzzimmer und es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion unter den mehr als vierzig Lehrkräften, die sich in verschiedenen Gruppen zusammenfanden. Es sind die alten Pioniere des hebräischen höheren Schulwesens darunter, die uns seit vielen Jahren bekannt sind: neben dem Leiter der Schule, Dr. Mossinsohn, der Gründer der ersten Gymnasialkurse, Dr. Metman-Cohen, Dr. Bogratschoff, dann unser alter Freund Dr. Calvary, der den Lateinunterricht seit einiger Zeit am Gymnasium in Tel-Awiw übernommen hatte, Professor Levy, der Professor für Italienisch, der, von der italienischen Regierung für diesen Zweck vom Staatsdienst beurlaubt, für dieses Unterrichtsfach erst neu engagiert war und von Triest aus mit uns zusammen die Überfahrt gemacht hatte. — Plötzlich kommt Bewegung in die Gruppen der sich Unterhaltenden. Ein älterer Herr betritt den Raum, ein kleiner Mann von unscheinbarem Äußeren, ein schmales Gesicht, mit kleinem Spitzbart. Wir erkennen sofort die charakteristischen Züge Achad Haams. Man merkt ihm in Gang und Gehaben die Beschwerden des Alters deutlich an. Alles begrüßt ihn lebhaft und er nimmt im Kreise der Lehrer am Konferenztisch Platz. Man bringt ihm ein Glas Tee. Einer nach dem andern setzt sich zu ihm, spricht ein wenig mit ihm, macht dann einem .andern Platz. Er selbst redet nicht viel — das Sprechen fällt ihm offenbar schwer — aber er hört gerne zu, und man sieht seinen klugen Augen an, daß er inneren Anteil nimmt an dem, was man mit ihm spricht, an dem Kreise der Menschen, in dem er sich befindet. Man erzählt uns: Seit Jahren schon kommt Achad Haam Tag für Tag in der Unterrichtspause ins hebräische Gymnasium. Er liebt diese Anstalt, die ihm ein Symbol ist für die Erneuerung der hebräischen Sprache und Kultur. Er liebt die Jugend, die die Zukunft bedeutet. Er liebt die Lehrer, die dieser Jugend die Wege weisen. So verbunden fühlt sich der Meister mit Schule und Jugend, daß er trotz der großen Beschwerden des Alters keinen Tag vergehen läßt, ohne wenigstens ein halbes Stündchen in ihrer Mitte zu verbringen. Die Pause ist zu Ende; Lehrer und Schüler kehren zu ihren Klassen zurück. Auch Achad Haam verläßt, auf den Arm seines Begleiters gestützt, langsamen Schrittes das Schulgebäude, um anderen Tags wieder zu kommen. — Jetzt hat er, der Meister der hebräischen Literatur, der geistige Führer einer ganzen Generation, dem Alter und Leiden schon in den letzten Jahren die alte Schöpferkraft geschwächt hatten, für immer die Augen geschlossen. Lehrer und Schüler des hebräischen Gymnasiums, denen er seine zärtliche Liebe bis zuletzt bewahrt hatte, haben ihn hinaus geleitet zur ewigen Ruhe. Seine Gestalt aber — uns allen durch seine unvergänglichen Werke vertraut — wird sicherlich an der Lieblingsstätte seiner letzten Lebensjahre mit besonderer Verehrung und Dankbarkeit lebendig bleiben. Dr. Elias Straus. Ächad-Haam-Worte Warum wir Juden sind: Törichte Frage! Frage das Feuer, warum es brennt! Frage die Sonne, warum sie scheint! Frage den Baum, warum er wächst! So frage den Juden, warum er Jude ist. Wir können nicht anders! Es ist in uns ohne unser Zutun! Es ist da, urlebendig und gottesgewaltig. Es ist ein Gesetz unserer Natur! Es ist da, wie die Liebe der Mutter zu ihrem Kinde, wie die Liebe des Menschen zu seiner Heimat, es sprudelt aus den dunklen Tiefen unseres Herzens. Es ist ein Bestandteil unseres Herzens! Es ist unzerstörbar, unbesiegbar, unwiderlegbar, weil das Herz unzerstörbar, unbesiegbar, unwiderlegbar ist. __„Drei Stufen“. Und in der Erkenntnis, daß der Stab und die Stütze, die der Selbsterhaltungstrieb beim Verlassen der Heimat dem Judentum geschenkt und deren Verlust seine Existenz in Frage stellen würde, seinen Händen entgleiten, strebt das Judentum danach, nach seinem historischen Mittelpunkte zurückzukehren, dort naturgemäß sich auszuleben und zu entwickeln, auf allen Gebieten der menschlichen Kultur die in ihm lebenden Kräfte zu betätigen, seine eigenen nationalen Güter, die es sich bisher erworben, zu mehren und auszugestalten und so auch künftig wie einst in vergangenen Tagen die Schatzkammer der Menschheit durch eine große nationale Kultur zu bereichern, die Frucht freier Arbeit eines im eigenen Geiste schaffenden Volkes. BUICK die Weltmarke in 127 Ländern vertreten Der moderne, populärste 6-Zylinder Meues Modell 1927 bereits lieferbar Vertriftung: BAYERN-AUTO GLmAH., Paul-Heyse-Str. 9,'Tel 58422/fttf Werkst.: Laods- J2a/T«l.60256

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