Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- 53 (31.12.1926)
- Date
- 1926-12-31
- Page
- Seite 845 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 53 Das Jüdische Echo 845 ror an, ohne daß ernste Mittel gegen die Studenten ergriffen worden sind. Am 19. Dezember abends wiederholten sich die Ausschreitungen in den Straßen von Bukarest. Eine Gruppe von etwa 30 Studenten zog auch zum Bahnhof und mißhandelte alle in den Wartesälen und im Restaurant sich aufhaltenden Juden. Sie visitierten auch die auf dem Bahnsteig haltenden Züge und schlugen auf die jüdischen Reisenden los. Dabei ging auch eine Anzahl Coupefenster in Trümmer. Mehrere nicht unbedenklich verletzte jüdische Passagiere mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Erst als vier mit Gendarmen besetzte Automobile herannahten, zogen die Studenten ab. Jassy, 19. Dezember. (JTA.) In den letzten Tagen kamen mehrfach Überfälle cuzistischer Studenten auf jüdische Studenten und Passanten vor. Der Polizeipräfekt Korsescu ordnete an, daß mehrere Gendarmen-Patrouillen ständig die Straßen durchziehen. Budapest, 22. Dezember. (JTA.) Aus mehreren Städten Siebenbürgens langen hier Nachrichten über schwerste Ausschreitungen der antisemitischen Studentenschaft gegen die jüdische Einwohnerschaft ein. In Klausenburg (Cluj) und in Großwardein (Oradea Mare) wütete die Studentenschaft gegen die jüdische Bevölkerung dieser Städte in der brutalsten Weise. Der Klausenburger jüdische Wohltätigkeitsverein veranstaltete eine Wohltätigkeitsfeier. Während der Festlichkeit drangen etwa 120 Studenten in den Saal ein und schlugen auf die anwesenden Festgäste los. Ein Teil der Gäste setzte sich zur Wehr. Es kam zu blutigsten Schlägereien. Die Polizei erwies sich als machtlos. Nach geraumer Zeit kam Militär herbei und drängte die Studenten aus dem Saal hinaus. 20 Gäste erlitten mehr oder weniger schwere Verletzungen. Von den studentischen Exzedenten wurden 25 verhaftet, aber nach Abnahme der Legitimation wieder auf freien Fuß gesetzt. Kundgebung palästinischer Juden vor dem rumänischen Konsulat in Jerusalem Jerusalem, 19. Dezember. (JTA.) Gestern fand in Jerusalem eine große Kundgebung gegen die Judenverfolgungen in Rumänien statt. Nach Schluß der Kundgebung begaben sich die Teilnehmer in geschlossenem Zuge zum rumänischen Konsulat. Auf dem Wege stellte sich ihnen Polizei entgegen, die versuchte, den Zug aufzulösen. Dabei wurden sechs Personen verhaftet. Einer Gruppe von 300 Demonstranten gelang es aber, zum Konsulat vorzudringen. Es wurde aus der Mitte der Demonstranten eine Abordnung gewählt, die sich zum Konsul begab und diesen aufforderte, der rumänischen Regierung über den Protest der palästinischen Judenschaft gegen die Judenverfolgungen in Rumänien Mitteilung zu machen. Der Konsul sprach der Abordnung gegenüber sein Bedauern über die Ausschreitungen gegen die Judenschaft seines Landes aus und sagte, die Ju- MODELLHAUS SOPHIE OELDENBERQER HAUS FÜR FEINSTE DAMENMODEN MÜNCHEN THEATINERSTRASSE 40 TELEPHON 27168 den hätten Schulter an Schulter mit allen Bürgern Rumäniens für Rumänien gekämpft und geblutet, sie hätten darum Anspruch, die gleichen Rechte zu genießen, wie alle anderen Bürger Rumäniens. Er sei sicher, daß die Regierung der Unruhen Herr werden würde. Henry Ford lehnt Nathan Straus’ Aufforderung, seine Anwürfe durch eine unparteiische Kommission prüfen zu lassen, ab Neuyork, 15. Dezember. (JTA.) Der hervorragende jüdische Philantrop Nathan Straus hat am 22. November in der Versammlung der Funktionäre der Unjted Palestine Campaign zu Boston, von der öffentlichen Tribüne herab an Henry Ford die Aufforderung gerichtet, zuzustimmen, daß Fords Anschuldigungen gegen das Judentum von einem eigens zu diesem Zwecke eingesetzten unparteiischen Zehnerkomitee prominenter Amerikaner geprüft werden sollen. Hierbei führte Nathan Straus noch aus: Die Rockefellers, Vater und Sohn, widmen ihre Millionen dem Wohle der Menschheit, der Förderung von Wissenschaft und Zivilisation, wogegen ein Mann wie Henry Ford, einer der reichsten unter den Goldkönigen der Welt, sein Geld dazu verwendet, um einen Verleumdungsfeldzug gegen das jüdische Volk zu stützen und selbst bösartige Lügen über die Juden verbreitet, wodurch Haß, Verwirrung und Unheil besonders in Europa erregt werden. Er gibt vor, ein guter Christ zu sein, aber er hat die Lehren Christi verletzt. Der Reichtum der Rockefellers ist ein Segen für Amerika und die übrige Welt, während von dem Gelde Henry Fords ein Fluch ausgeht; es wirkt destruktiv in Amerika und in der übrigen Welt, weil es Haß verbreitet und überall den Frieden stört. Mögen 10 Männer von tadelloser Gesinnung, Geistliche wie Laien, die Anwürfe von Ford untersuchen, wobei Ford überlassen bleiben soll, acht dieser Männer selbst auszuwählen, während ich nur zwei hervorragende Christen, erprobte Männer, namhaft machen werde. Henry Ford hat nun erklären lassen, daß er Nathan Straus’ Aufforderung nicht annehme; er wolle sein Material nicht einem unparteiischen Komitee zur Prüfung überlassen. Henry Fords antisemitische Hetztätigkeit vor dem amerikanischen Kongreß Washington, 16. Dezember. (JTA.) In der heutigen Sitzung des Kongresses der Vereinigten Staaten brachte das jüdische Kongreßmitglied Bloom eine Resolution ein, in welcher die Einsetzung eines unparteiischen Komitees seitens des Kongresses zwecks Untersuchung der vom Automobilkönig Henry Ford erhobenen Beschuldigungen gegen die Judenschaft und jüdische Persönlichkeiten Amerikas vorgesehen ist. In der Resolution wird insbesondere auf Fords Beschuldigungen bezüglich der neuen Methoden im Geld- und Banksystem der Vereinigten Staaten hingewiesen, das laut Ford von Juden erdacht worden ist, um die amerikanische Wirtschaft in jüdische Abhängigkeit zu bringen. Die Resolution Bloom wurde einer Kommission des Kongresses überwiesen, die demnächst darüber Bericht erstatten wird. Der Umsturz in Litauen und die Juden Kowno, 19. Dezember. (JTA.) Der vom Militär herbeigeführte Umsturz in Litauen hat anfänglich unter der jüdischen Bevölkerung schwere Besorgnis hervorgerufen. Es trat aber allmählich eine gewisse ruhigere Beurteilung der Lage ein,