Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- 53 (31.12.1926)
- Date
- 1926-12-31
- Page
- Seite 844 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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844 Das Jüdische Echo Nr. 53 geringe Zahl, aber alle sind mustergültige Landwirte, die sich der Verantwortung voll bewußt sind, die sie mit dem von ihnen bebauten Boden für das deutsche Judentum übernommen haben. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, dessen Mitglieder einst den deutschen Boden im Weltkrieg verteidigen geholfen haben, betont sein Recht auf diesen Boden gegenüber allen Versuchen, ihn vom Boden zu entfernen. Er glaubt sich wie kein anderer Bund geeignet, dieses Recht auf Grund der Blutsteuer, die er einst gezahlt hat, in Anspruch nehmen zu sollen. Die Siedlungsaktion geht unter der Parole: „Zurück zur Scholle“ vor sich. — In den ersten großen vier Versammlungen, die in Köln a. Rh., Düsseldorf, Barmen-Elberfeld und Essen stattfinden werden, wird sowohl Domänendirektor Dyk (Berlin) als auch Rittergutsbesitzer Sandelowsky (Norgehnen) das Wort ergreifen. Alle jüdischen Organisationen und Institutionen sind zu einer Diskussion über diese Frage, die eine Frage der Erhaltung des Judentums ist, eingeladen. Minister Becker an die deutsche Studentenschaft — Gegen jede Koalition auf der Grundlage des Rassenprinzips Berlin, 24. Dezember. (JTA.) Der preußische Kultusminister Dr. Becker hat an die Studentenschaften der preußischen Hochschulen einen Brief gerichtet, der zwar in freundschaftlich-versöhnlichem Tone gehalten ist, aber sonst keinen Zweifel darüber läßt, daß die Regierung eine Koalition mit den auf arisch-völkischer Grundlage organisierten deutschen Studentengruppen in Österreich und der Tschechoslowakei nicht anerkennen werde. Die entscheidende Stelle in dem Schreiben lautet: „Die Staatsministerialverordnung vom 18. September 1920 läßt, wie auch der angeführte Landtagsbeschluß, sinngemäß eine doppelte Lösung der Koalitionsfrage zu, die großdeutsche und die reichsdeutsche. Mit der Studentenschaft halte ich die großdeutsche Lösung für die erwünschtere, aber es muß wirklich eine großdeutsche sein. Die zur Zeit bestehende ist nicht großdeutsch, sondern reichsdeutsch unter Hinzuziehung arischer Sondergruppen auslandsdeutscher Hochschulen, und bedeutet deshalb nicht eine Förderung, sondern geradezu eine Gefährdung des großdeutschen Gedankens. Entweder findet also die Koalition der preußischen Studentenschaften mit auslandsdeutschen Studentenschaften so statt, daß alle auslandsdeutschen Studentengruppen und nicht nur wie bisher die arischen in die Koalition eintreten, oder aber die preußischen Studentenschaften koalieren nur mit reichsdeutschen Studentenschaften. Zwischen beiden Lösungen wird die Studentenschaft zu wählen haben.“ Der Minister setzt auseinander, daß die Verleihung des Studentenrechtes, des Rechtes der Autonomie, der Zwangsbesteuerung usw. als selbstverständliche Pflicht die Anerkennung und die Achtung der Grundprinzipien des Staates voraussetzt, von dem das Recht der Autonomie herrührt. Er ruft die preußischen Studentenschaften auf, die Staatsregierung nicht in die Zwangslage zu bringen, die der Studentenschaft vom Staate selbst freiwillig und gern gewährten Sonderrechte wieder aufzuheben und weist auf den Ernst der Entscheidung hin. Der Minister sieht einer endgültigen Stellungnahme jeder einzelnen Studentenschaft durch die Hand des Rektors bis zum 1. März entgegen. Die Bonner Studentenschaft gegen die völkische Verfassung Berlin, 22. Dezember. (JTA.) „Berliner Tageblatt“ meldet aus Köln, 21. Dezember: Die Bonner Studentenschaft hatte sich vor drei Jahren der Deutschen Studentenschaft unter der ausdrücklichen Bedingung angeschlossen, daß die Verfassungsfrage im Sinne des Staatsbürgertumsprinzips gelöst und antisemitische Tendenzen aus der Verfassung ausgeschaltet werden sollten. Obgleich der damalige Vorsitzende der Deutschen Studentenschaft, Fritsch, die Erfüllung dieser Bedingung ausdrücklich zugesagt hatte, hat die Deutsche Studentenschaft bis heute keine Anstalten gemacht, das Versprechen ihres Vorsitzenden zu erfüllen. Die Bonner Studentenschaft hat darauf in ihrer letzten Sitzung mit 15 gegen 7 Stimmen beschlossen, dem § 1 der Verfassung der Bonner Studentenschaft eine eindeutige Formulierung zu geben, die eine endgültige Absage an die völkischen Rassenfanatiker bedeutet. Die neue Fassung lautet: § 1. Mitglied der Bonner Studentenschaft ist jeder immatrikulierte Studierende deutscher Staatsangehörigkeit. Die Studentenkammer richtete hierauf ein Telegramm an die Deutsche Studentenschaft in Berlin mit der Anfrage, warum das vom damaligen Vorsitzenden der Deutschen Studentenschaft am 17. Dezember 1923 gegebene Versprechen, die Verfassungsfrage betreffend, noch immer nicht eingelöst ist. Der Vorstand der Deutschen Studentenschaft wird ersucht, bis Sonnabend, den 18. Dezember, mittags 12 Uhr, Antwort zu geben. Der Vorstand der Deutschen Studentenschaft hat hierauf der Bonner Studentenkammer mitgeteilt, daß er ein solches ultimatives Telegramm überhaupt nicht beantworten werde. — Hierzu bemerkt das „Berliner Tageblatt“: Die neue Verfassung der Bonner Studentenschaft ähnelt der, die auch in Heidelberg gültig ist. Sie entspricht auch den Wünschen des Preußischen Landtags. So geschlossen steht also die Mehrheit der Studenten nicht hinter der völkischen Führung, wie diese glauben machen möchte. Das sollten diese einsehen und nachgeben, solange es Zeit ist. Die Judenverfolgungen in Rumänien Bukarest, 20. Dezember. (JTA.) Am Abend des 18. Dezember postierten sich einige Studentengruppen an verschiedenen Hauptverkehrsstellen von Bukarest, forderten die Passanten zur Ausweisleistung auf und mißhandelten die als Juden erkannten Passanten schwer. Mehrere jüdische Passanten wurden wie Wild durch die Straßen gehetzt. Bis spät in die Nacht hinein dauerte der Ter- Renault Audi die führenden Weltmarken Mototechnische Ges., K.-G. München / Odeonsplatz 12 Telephon 26 397 und 20654