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Das jüdische Echo · 1926-10-08 · 41 (8.10.1926) · p. Seite 652

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
13 (1926)
Issue
41 (8.10.1926)
Date
1926-10-08
Page
Seite 652 (sequence 8)
Language
German
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652 Das Jüdische Echo Nr. 41 Sekretär Meyer, der in der Vertretung der Stadt Charlottenburg erschienen war, den Einwand, man müsse bedenken, daß die jüdische Religion einen Meineid gestatte. Er wurde darauf von dem Amtsrichter sofort auf das schärfste zurückgewiesen und ihm eröffnet, daß derartig widersinnige Märchen längst widerlegt seien. Die interpellierende Fraktion fragte nun an, was das Bezirksamt in diesem Falle getan habe, wo ein von der Allgemeinheit besoldeter Beamter in Vertretung der Stadt einen Teil der Bevölkerung des Meineides bezichtigt habe. Bürgermeister Au gu. st in, der die Interpellation sofort beantwortete, erklärte, es habe sich um einen bis dahin unbescholtenen Beamten gehandelt, der bereits acht Jahre Charlottenburg vor dem Jugendgericht vertrete. Das Bezirksamt bedauere die ganze Angelegenheit unendlich. Es habe bereits den Schuldigen von seiner Stellung enthoben und die Disziplinarvoruntersuchung gegen ihn eingeleitet. Es folgte eine Erklärung der Rechten, die durchaus den Ausführungen beistimmte. Am 7. Oktober Prozeß gegen Frau Schnabel, geb. Gräfin Leiningen. — Professor Schnabel war nicht katholisch getauft B e r 1 i n , 5. Oktober (J.T.A.) Am 7. Oktober findet vor dem Potsdamer Schöffengericht der Prozeß gegen die Witwe des jüdischen Professors Dr. Schnabel, geb. Gräfin Leiningen, die wegen Testamentsfälschung angeklagt ist, statt. Frau Schnabel hat die Testamentsfälschung eingestanden, es heißt aber, daß sie dieses Geständnis jetzt widerruft. In Potsdam wird erzählt, daß Frau Schnabel ihre Flucht ins Ausland vorbereitet hat. Sie soll sich ein polnisches Einreise-Visum, einen Männeranzug besorgt haben und ihrem Diener gesagt haben, daß sie in ein polnisches katholisches Kloster eintreten wolle. Es steht jetzt fest, daß Professor Schnabel nicht getauft war, sondern als Jude gestorben ist. Trotzdem wurde er auf die .Versicherung seiner Gattin, er sei zum protestantischen Glauben übergetreten, auf dem Evangelischen Friedhof in Potsdam begraben. Seine Leiche wurde einbalsamiert. Das Grab hat weder einen Grabstein noch sonst eine Inschrift und wird auf ausdrücklichen Wunsch der Witwe niemand gezeigt. Lit. Echo Die hebräische Tageszeitung „Hazef ira h“, die vor einigen Jahren ihr Erscheinen eingestellt hatte, hat wieder als eine Tageszeitung in Warschau zu erscheinen begonnen. ❖ Die zweite Nummer der Z e d a k a h , Zeitschrift der jüdischen Wohlfahrtspflege, herau.sgegeben von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, ist nunmehr erschienen. Die Nummer enthält folgende Aufsätze: Eugen Caspary: Unsere Tagung am 6. Juni 1926 in Düsseldorf. (Worte der Begrüßung.) — Dr. Leo Baeck : Der geistige Gehalt der jüdischen Wohlfahrtspflege. — Dr. Wittelshöfer und Dr. Georg Baum : Die Fürsorge für wirtschaftlich Notleidende. — Dr. Felix A. T h e i 1 h ab e r : Jüdische Bevölkerungsfragen. — Dr. Friedr. Ollen dorff und Hilde Ottenheimer Jüdische Jugendnot und Jugendhilfe. — Georg Lubinski: Das soziale Programm der jüdischen Jugend. — Georg Sawady: Die Fürsorge für jugendliche Psychopathen. — Paula 0 11 e n - dorff: Die Fürsorge für Gefangene und Strafentlassene. — Dr. J. W. Sams o n : Neuzeitliche Maßnahmen der Tuberkulose-Bekämpfung und -Fürsorge. — Frieda W e i n r e i c h : Stand der Maßnahmen zur Bekämpfung der Tuberkulose unter den Juden in Deutschland. — Bettina Brenner : Zukunftsaufgaben der jüdischen Tuberkulose-Fürsorge. —■ Frieda Weinreich : Grundsätzliches zur Ausstellung „Hygiene der Juden.“ — Paul Frank : Unser Wohlfahrtsfilm. Eine grundsätzliche Betrachtung über Wohlfahrtspropaganda. — Die vorliegende Nummer umfaßt 52 Seiten. Der Preis beträgt M.. 1.50. Die Bezugsbedingungen sind dieselben, wie bei der ersten Nummer; bei Bestellung von mindestens 25 Exemplaren ermäßigt sich der Preis auf M. 1.20, bei 50 Exemplaren auf M. 1.10, bei 100 Exemplaren auf M. 1.—. Bestellungen sind an die Geschäftsstelle der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin C 2, Rosenstraße 2—4, zu richten. Das Augustheft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums enthält neben wichtigen fachwissenschaftlichen Aufsätzen wieder eine Reihe gemeinverständlicher Beiträge. Ein bedeutender Aufsatz von Rabbiner Dr. Baeck ist der wichtigen Frage gewidmet, ob das Judentum Dogmen hat, welche von Professor Scheftelowitz im Aprilheft wesentlich vom geschichtlichen Standpunkt aus behandelt worden war. Baeck zeigt zunächst daß keineswegs, wie meist angenommen wird, der jüdische Liberalismus in der Leugnung von Dogmen einig gewesen ist: gerade manche Führer der Reformbewegung haben dem Judentum Dogmen zugesprochen, um es als eine dem Christentum analoge Konfession erscheinen zu lassen; wenn Abraham Geiger widersprach, so lag das daran, daß er den Begriff des Dogmas genauer faßte als seine Vorgänger. Auch Baeck versucht zu zeigen, daß den religiösen Grundwahrheiten, die das Judentum selbstverständlich anerkennt, die kennzeichnenden Merkmale des kirchlichen Dogmas fehlen; und er weiß in tiefgehenden Ausführungen diesen Unterschied 'ans dem Wesensunterschied des Judentums und des Christentums abzuleiten. — Die Sammelbesprechung, die auch diesem Hefte nicht fehlt, unterrichtet über neuere, geradezu umwälzende Forschungen über die Septuaginta, die griechische Übersetzung der Bibel, der auch für die Auffassung des hebräischen Textes hoher Wert zukommt. Im gleichen Hefte bringt Professor Eduard Baneth seine von Fachmännern und Laien gleich stark beachteten Bemerkungen zur Erklärung des biblischen und nachbiblischen Schrifttums zum Abschluß. Von den übrigen Aufsätzen ist der eines Arztes über die österreichischen Juden des 18. Jahrhunderts von besonderem Interesse, da er zeigt, wie viel günstiger damals trotz der Bedrückungen die Gesundheitsstatistik der Juden war. Unter den Besprechungen interessiert besonders die eingehende Würdigung des ausgezeichneten Werkes von Selma Stern über die Stellung der brandenburgischen Kurfürsten zu den Juden aus der Feder ckgs Königsberger Professors Otto Krauske. Kauft bei den Inserenten des „Jüdischen Echos“

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