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Das jüdische Echo · 1926-10-08 · 41 (8.10.1926) · p. Seite 649

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
13 (1926)
Issue
41 (8.10.1926)
Date
1926-10-08
Page
Seite 649 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 41 Das Jüdische Echo 649 nichts einzuwenden, weil der deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens gar keine andere Gesinnung haben darf. Es muß auf die Dauer befremden, daß eine solche Selbstverständlichkeit erst einer besonderen Unterstreichung bedarf, und es muß bedenklich erscheinen, wenn dies immer wieder auf Kosten derer geschieht, die in der Assimilation die Beglükkung der Judenheit nicht erblicken können. Wir möchten in diesem Zusammenhänge nicht vergessen, einen Satz in Erinnerung zu rufen, der in der „Jüdisch-liberalen Zeitung“ eine Betrachtung über die Londoner Weltkonferenz abschloß: „Die starke Kluft, die den politischen Zionisten vom Gentralvereinler trennt, ist für die religiöse Grundstimmung ohne Belang; sie kann bei Zionisten und religiös-liberalen Juden die gleiche sein, wenn wir sie nur herauszuarbeiten und für uns fruchtbar zu machen versuchen. Die Pietätswerte des Zionismus, rein koloniale, also soziale Bestrebungen und gar philantropische, können aber beiden Gruppen zur Annäherung und gegenseitigen Bereicherung dienen.“ Wären diese Worte auf der Londoner Weltkonferenz selbst (anstatt einer Mißdeutung der Tatsachen) ausgesprochen worden, und nicht in einem nachträglichen Kommentar — so hätte manche Polemik unterbleiben können und die Juden der Welt wären keinem so bedenklichen Mißverständnis ausgesetzt gewesen. Manfred Stur mann. „Habimah“in Berlin* Berlin, 3. Oktober (J.T.A.). Am 1. Oktober gab das Moskauer Hebräische Theater „H a - b i m a“ im „Theater am Nollendorfplatz“ seinen ersten Gastspielabend in Berlin. Zur Aufführung gelangte „H a d y b u k“ von A n s k i. Der Abend war für die Berliner Hebräische Gemeinde ein festliches Ereignis, aber auch ein künstlerisches Erlebnis für das geistige Berlin. Die Berliner Presse widmet dem ersten Abend des Gastspiels Feuilletonbesprechungen. Einmütig wird betont, daß das Gastspiel der jüdischen Künstler ein Ereignis für das Berliner Theaterleben bedeutet. In der „Vossischen Zeitung“ schreibt Max Krell : „Wir haben vom Theater herab einen tiefen Eindruck empfangen, der mehr als Theater war. Aus Moskau ist das künstlerische Theater „Habimah“ gekommen. Genauer: Ein Volk ist zu uns gekommen, und aus seiner kultischen Haltung, die mit dem Spieksich auf geradezu magische Weise mischt, sind wir fast wieder an die Anfänge des Theaters gedrängt, dorthin, wo Theater und religiöser Kult eins waren. Wir hatten das wohl längst vergessen unter den Zuckungen von Jazz und kläglichem Witz. Junge Juden haben sich zusammengefunden, wie ihre Väter sich im Betzimmer versammeln. Stanislawski hat sie gestützt, der Regisseur Wachtangoff, ein Genie, geht kometisch vorüber. Seine Wirkung zittert noch in der Ekstase des heutigen Spiels.“ Leo Hirsch schreibt im „Berliner Tageblatt“: „Die für uns geltenden Stilgesetze gibt es bei der Habimah nicht. Hier gelten andere, anderem Leben entsprechende. Bei uns singt und tanzt nur, wer das große Los gewonnen, drüben ist Singen und Tanzen Leben. Wir erklären den Ausgelassenen für verrückt, drüben summen sie noch die Sterbenden hinüber. Und: wir besetzen mit Prominenten; die Habimah hat keinen falschen Ton, die stumme Gharge noch spielt prominent. Die Qual des Mädchens (A. Rowina), des Jünglings (Friedland) Kampf um Gott, des Rabbi (Zemach) weise und schmerzende Überlegenheit haften so mächtig wie der gespenstische Bettlertanz um die Braut, wie die Szenen im Beth hamidrasch. Die Sprache des Alten Testaments und der mittelalterliche Singsang als Bühnensprache bleibt ein unvergeßlicher Eindruck. Der getragene Rhythmus ihrer natürlichen Cäsuren und das Gutturale ihrer Konsonanten und Halbvokale weiten das Spiel zur sakralen Handlung. Unten in Palästina sprechen sie dieses Sephardisch, das für das Altneuland wieder aufersteht; hier geistern sie ihr ewiges Leben von -der ,Tribüne4 hinein in unser Schauen und Erschauern,“ Franz Leppmann in „B.Z. am Mittag“: „.Es fällt schwer, sich eine Aufführung vorzustellen, die wesentlicher gewesen wäre als die gestrige, die aus der alten Sakralsprache letzte Urtümlichkeit, Eigenart und Fülle empfing. Außergewöhnlich war dieser Abend, den ein ,Ereignis4 zu nennen ruhigen Herzens verantwortet werden darf. Außergewöhnlich die restlose Hingabe sachlich entflammter Schauspieler. Es gab keine Haupt- und Nebenrollen, es gab keinem .Helden4. oder vielleicht doch einen; den Gott des alten Bundes.“ Max H o c h d o r f im „Vorwärts“: „Was wir jetzt sehen, ist wirklich die vollendetste Erziehung. Die Natur wird geknickt, unterbrochen. Selbst der kleinste Statist ist äußerlich prachtvoll gedrillt. Das Ensemble wird als Heiligtum gehalten. Die Truppe duldet keine außerordentliche Persönlichkeit. Aber die Schauspieler, die so erzogen wurden, wirkten heute wie geölte Menschenmaschinen auf der Bühne. Der Regisseur hat seinen ganzen POBZELLAN-NIEDEBLAGE MÜNCHEN THEA TINERSTRASSE 23 gegenüber der Feldherrnhalle 6BÖ88TE AUSWAHL IN OEBRAIICHSFORZELLAN TÄGLICHE LAGERERGÄAZIIAG

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