Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- 40 (30.9.1926)
- Date
- 1926-09-30
- Page
- Seite 638 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103077-9156537--07551-9080287- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
638 Das Jüdische Echo Nr. 40 die Bezeichnungen der Würden, wie traut, wie herrlich und doch so anheimelnd! „Bräutigam der Thora“ (Chassan Thora), „Bräutigam des Thoraanfanges“ (Chassan bereschit)! Sind wir nicht alle Prinzen des Thorareiches? Fast alle Mitglieder der Gemeinde dürfen zur Alijah der Thora nahen, und alle, die etwas bedeuten, beteiligen sich an den Rundgängen mit den wunderbar geschmückten heiligen Rollen. Und die Kinder mit ihren in allen Farben schimmernden Fahnen schließen sich an und fühlen sich erhaben. Und alles küßt die Thora mit heiliger Inbrunst wie etwas Liebes und Teures. Und in der Familie, welche Einigkeit! Welche Harmonie! Verscheucht ist alles Häßliche und Niederdrückende, kein Mißton soll des Festes Jubel stören. Eine geheimnisvolle Kraft nimmt dem Menschen alles Erdenschwere und zieht ihn aufwärts, verklärt ihn, macht ihn mild und gut. Jeder Mann ist heute Patriarch, jede Frau Matrone. Mann und Frau nennen einander mit Kosenamen, zwischen Eltern und Kindern ist die Schranke gefallen, — alles ist eins. Gewichen sind heute alle Unterschiede, alle trennenden Grenzen, es gibt keine Parteien, Schichten, Stände und Unterschiede, — Kinder Gottes, Diener der Thora sind alle. Das Ideal der Verbrüderung war an diesem Tage zur Wirklichkeit geworden. Nicht nur Verwandte und Freunde, sondern auch sonst Fremde begegneten einander mit besonderer Herzlichkeit. Lit. Echo Unter dem Titel „Das Jahr des jüdischen Frauen bundes“ ist vom J.F.B. für das Jahr 5687 ein sehr ansprechender großer Abreißkalender erschienen, der einen wirklichen Schmuck für jedes Haus darstellt. Durch mannigfache Bilderbeigaben, die z. T. Werke jüdischer Künstler wieder geben, z„ T. die vielen sozialen Schöpfungen des Jüdischen Frauenbundes in ganz Deutschland lebendig vor Augen führen, wie auch durch verständnisvoll ausgewählte Stellen des jüdischen Schrifttums alter und neuerer Tage gibt der im Stile etwa des „Kunstwart-Kalenders“ aufgemachte Block über die Zeiten des Jahres hinaus starke Anregungen. Besonders hervorzuheben ist die drucktechnische Anordnung unter Verwendung guter Schriften; leider sind die Reproduktionen nicht gleicherweise gelungen zu nennen. Wir wünschen, daß viele zu dieser Zimmerzierde greifen. Z’bi. * Der Jüdische Pfadfinder. Der Bund Jüdischer Pfadfinder „Kadimah“ versendet soeben seinen Prospekt über eine von ihm ins Leben gerufene neue Zeitschrift für die jüdische Jugend, zugleich ist auch das erste Heft erschienen, welches beweist, daß die Herausgeber auch imstande sind, die von ihnen gemachten Versprechungen im vollsten Maße durchzuführen. Der Mangel einer guten jüdischen Jugendzeitschrift ist allgemein bekannt. Was davon existierte waren meistens Zeitschriften, die allzusehr auf die Bedürfnisse der herausgebenden Organisationen zugeschnitten waren. Darum ist es sehr zu begrüßen, daß die „Kadimah“ sich bemüht, in ihrer Zeitschrift allgemeinen Bedürfnissen zu dienen und den Inhalt so zu gestalten, daß er auch Nichtmitglieder dieses Bundes sehr interessieren dürfte. Wir können daher allen jüdischen Eltern, die ihren Kindern guten jüdischen und zugleich auch interessanten Lesestoff bieten wollen, aufs Man besuchte einander in inniger Freundschaft, beschenkte einander mit köstlichen Speisen und Getränken, und der ganze Reichtum des jüdischen Gemüts zeigte sich im Verkehr, im engeren und weiteren Kreise, — es war ein Volk von Brüdern. So verlief der letzte Tag des romantischen Laubhüttenfestes in Hoheit und Schönheit, und er klang aus in dem Gedanken der Ewigkeit Israels Draußen höhnen sie voller Haß und machen dem Juden das Leben zur Hölle, aber wir haben die Familie, die Gemeinde, die Thora, — die höchsten idealen Güter. Wenn wir innig mit Gott verbunden sind, was kann uns anfechten? Wenn wir ein einig, heilig Volk sind, wer kann uns vernichten? Es gibt nur ein jüdisches Volk, eine Thora, und ein Simchas Thora! Ein harter, kalter Winter steht bevor, — wer fragt danach? Heute ist es weich und warm im Herzen. Schwere Sorgen drohen aus der Ferne, — wer denkt daran? Heute ist es fröhlich und hell im jüdischen Lager, heute ist der goldige, wonnige Simchas Thora!... Seht, das war Simchas Thora! Kein hohler Name, kein leerer Klang, sondern ein befreiendes, beseligendes Erlebnis, kein verblaßtes Symbol, sondern wahre Wirklichkeit, keine schöne Zeremonie, sondern ein Jubelieren der jüdischen Volkesseele, ein Erguß des heiligen Feuers. wärmste empfehlen den „Jüdischen Pfadfinder“ für ihre Söhne und Töchter zu bestellen. Aus dem Inhalt des vorliegenden Heftes Nr. 2 sei genannt; Schofaroth (nach dem spanischen Machsor v. B. Bamberger). Eine hebräische Schule im Weltkrieg (v. Chai Isacharow), schildert die Fährnisse des Herzl-Gymnasiums von Tel-Awiw während des Krieges. „Bei den englischen Boy Scouts“ berichtet die Erfahrungen eines Führers, der einige Zeit in England weilte, über das Leben der dortigen Pfadfinder, vom jüdischen Standpunkt aus gesehen. „Begegnungen“ bringt die abenteuerliche Geschichte eines jüdischen Jungen, dessen Eltern beim Brande von Saloniki den Tod fanden. Außerdem enthält das Heft interessante Fahrtenschilderungen und schöne Illustrationen über Fahrten aus Deutschland, der Schweiz und England. Alles in allem eine wohlgelungene und interessante Auswahl. Man abonniert am besten beim; Versand des „Jüdischen Pfadfindes“, Berlin, Steglitzer Straße 81/1. Abonnement; 2.50 M. pro Halbjahr; erscheint am 1. jeden Monats. Dr. J. B. Das Hamburger „Israelitische Familie n b 1 a 11“ erscheint seit Anfang September in drei Ausgaben, eine für Hamburg, einer für das Re ich und einer für Groß-Berlin. In dem der Nummer vom 2. September beigegebenen Beiblatt wird die Veranstaltung der Berliner Ausgabe u. a. mit folgenden Worten begründet; „Die gewaltige Umschichtung, die das deutsche Judentum in der Nachkriegszeit erfahren hat, die Abtrennung besonders der Gebiete im Osten unseres Landes, haben eine wesentliche Verschiebung der jüdischen Bevölkerung herbeigeführt. In Berlin wohnt fast die Hälfte der deutschen Juden, und diese Ansammlung einer überwiegenden Zahl von Juden in der Reichshauptstadt schafft aus sich selbst heraus besondere Bedingungen.“ *