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Das jüdische Echo · 1926-08-20 · 34 (20.8.1926) · p. Seite 544

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
13 (1926)
Issue
34 (20.8.1926)
Date
1926-08-20
Page
Seite 544 (sequence 12)
Language
German
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544 Das Jüdische Echo Nr. 34 reden wollte — er weiß alles; aber soviel ich hörte und aus eigener Erfahrung weiß: bei ihm geht nichts kaputt. In ein bis zwei Stunden steht alles im neuen Haus. Das will bei den hiesigen Wegen etwas heißen. Davon hat man, selbst wenn man in den Alpen zum Landaufenthalt war, bei euch wenig Ahnung. — Das Straßenbild an den beiden Muharramtagen war besonders interessant hier. Kein Verkehrsmittel dessen man sich nicht bedient hätte.. Moderne Lastautos fuhren neben langsam trottelnden Kamelen auf deren Rücken ein ganzer Hausrat verpackt war, und die sich mit ihrem eintönigen Geläut Platz verschafften, auf Esel, Karren und Leiterwagen wurde Mobiliar verladen und die kleineren Umzüge wurden von den Sabbalim direkt erledigt: zwei, drei Gänge und ein Zimmer ist transportiert. Was ein Esel kann, kann einer von den jüdischen Sabbalim aus Ninive auch noch... Jetzt ist Muharram vorbei und schließlich ist doch jeder für ein Jahr irgendwo untergekommen. Wie mans getroffen hat, das zeigt sich gewöhnlich in der ersten Woche, wenn man mit allen vorhandenen kleinen und kleinsten Hausbewohnern bekannt sit. Aber da ist der Vertrag schon auf ein Jahr gemacht! Jetzt ist man gerade dabei, seine verschiedenen Bekannten in den verschiedensten Gegenden wieder zu finden, was bei den hiesigen Wohnverhältnissen, ohne Straßen, ohne Hausnummern etc. nicht so sehr leicht ist — und sich neue Sorgen zu suchen, da die Wohnungssorge doch für ein ganzes Jahr wieder behoben ist. Der Vater der jüdischen Turnbewegung Von Leo Schindel. Die Geschichte lehrt, daß jede nationale Bewegung mit einer Neubelebung der körperlichen Erziehung verbunden ist: Belege dafür sind so zahlreich, daß es ganz überflüssig ist, diese Erscheinung zu beweisen. Doch die Turnväter hatten ihre Kinder, ihr Volk. Jahn die Deutschen, Ling die Schweden, Herzl-Nordau — die Juden? Pinsker sagt: „Verächtlich seid ihr, weil ihr keine wahre Eigenliebe und kein nationales Selbstgefühl habt. Nationales Selbstgefühl! Wo dieses hernehmen? Das ist ja das große Unglück unseres Stammes, daß wir keine Nation ausmachen, daß wir bloß Juden sind. Eine über den ganzen Erdboden verstreute Herde sind wir.“ „Herde,“ schreibt Ach ad H a a m, „in diesem einen Wort scheint Pinsker alle jene bitteren Wahrheiten zusammenzufassen, die er über die Seelenverfassung der Juden ausspricht. Eine Herde denkt weder an ihre Würde, noch an ihre Zukunft, denkt überhaupt an nichts, außer an die unmittelbare Gefahr, der sie irgendwie zu entrinnen sucht, gleichviel auf welche Weise, ob der ganze Haufen zusammen, oder jedes für sich.“ Erst eine allmähliche Entwicklung des nationalen Gedankens brachte der Herde ihre Schäfer und diese bildeten sie um, gestalteten sie — allerdings einen kleinen Teil nur — zu bewußten und verantwortungsfreudigen Juden. Als Förderer der körperlichen Erstarkung des Judentums steht allen voran Max N o r d a u. Immer wieder gibt die Würde seiner Person, die Würde seines Volkes Max Nordau den Antrieb zu neuem Schaffen. Aber was macht der Jude, ein kleines Männchen, krumm und buckelig, angsterfüllt und lichtscheu, für einen Eindruck, besonders dann, wenn er von Selbstwürde, von Selbstbewußtsein spricht?! (Nordau selbst gehörte freilich nicht zu jener gezeichneten Gruppe von Juden, denn seine Gestalt und seine Erscheinung brachten in trefflicher Weise dem aufrechten und stolzen Juden zum Ausdruck.) Zwar wurden die Juden jahrhundertelang von den Elementen aristotelischer Physik, von Licht, Luft, Wasser, Erde nur spärlich bedacht. Nordau sagte einmal: „In der Enge der Judenstraße verlernten unsere armen Glieder sich fröhlich zu regen; im Dämmer ihrer sonnenlosen Häuser gewöhnten unsere Augen sich ein scheues Blinzeln an; in der Angst der beständigen Verfolgung erlosch die Kraft unserer Stimme zu einem langen Flüstern, das nur dann zu einem mächtigen Jauchzen anzuschwellen pflegte, wenn unsere Blutzeugen auf dem Scheiterhaufen das Sterbegebet ihren Henkern ins Gesicht schrieen ..“ Doch jetzt gönnt man uns wenigstens den Raum, um uns körperlich auszuleben. Und was könnte uns hindern, wieder kühnblickende, stramme und kampfesfähige Männer zu werden? Wieder? O ja, einstmals hat es jüdische Helden gegeben .... Simson, David, die Makkabäer, Bar Kochba .... und dazu gab es ein heldenhaftes Volk! Ist nicht mit dem Namen Bar Kochba sogar die letzte weltgeschichtliche Verkörperung des kriegsharten, waffenfrohen Judentums verbunden? Jedenfalls spricht Nordau davon. Und seine Folgerungen, die er für das heutige Judentum daraus zieht: wir müssen trachten, wieder ein Muskeljudentum zu schaffen; denn bei keinem Volksstamme hat das Turnen eine so wichtige erzieherische Aufgabe, wie bei uns Juden. Es soll uns körperlich und im Charakter aufrichten; es soll uns Selbstbewußtsein geben. Unsere Feinde behaupten, wir hätten dessen ohnehin schon viel zu viel. Wir aber wissen am besten, wie falsch diese Unterstellung ist. An ruhigem Vertrauen zu eigener Kraft fehlt es uns vollständig ... Noch oft finden wir Dokumente für das große Interesse, das Nordau der Körpererziehung und der Pflege der körperlichen Entwicklung zugewendet hat. In der jüdischen Turnzeitung vom Juli 1902 führt er in einem Aufsatz „Was bedeutet das Turnen für uns Juden“, eine Reihe seiner Gedanken aus.. Um einen kurzen Einblick zu erhalten, seien einige Stellen wiedergegeben: „Es gibt bei der Betrachtung des Turnens der Juden einen Gesichtspunkt, bei deim man meines Erachtens nicht genug verweilt hat, und das ist unsere ungewöhnliche Eignung zu Leibesübungen aller Art. — Mancher Leser wird hier vielleicht verwundert blicken und den Kopf schütteln. Er wird mir möglicherweise mißbilligend Neigung zu Paradoxen vorwerfen. Das macht: wir haben nur allzusehr die Gewohnheit uns selbst unbewußt mit den Augen der Antisemiten anzusehen und mit sträflicher Blindgläubiigkeit zu wiederholen, was sie uns vorsagen. So ist es auch für viele, selbst stolze Juden eine keines Beweises bedürfende Tatsache, daß der Jude körperlich unbeholfen, kläglich ungeschickt, bejammernswert schwächlich ist, daß er zwei linke Hände hat, fortwährend über die eigenen Beine stolpert, lieber schief und krumm als gerade steht usw. Das behaupten die Antisemiten und das sagen wir ihnen nach.“ Einer, hier folgenden weiteren Ausführung Sinn ist, daß die Juden dafür eine Reihe von mildern-

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