Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- 34 (20.8.1926)
- Date
- 1926-08-20
- Page
- Seite 541 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34 Das Jüdische Echo 541 trugen. Kanada überwies im Juli £ 3704.— und macht alle Anstrengungen, um im Laufe der letzten Monate des Jahres noch die ausstehenden Zeichnungen im Betrage von £ 100.000.— einzukassieren und zu überweisen. Deutschland führte im Juli £ 2233.— an das Hauptbüro ab, Argentinien £ 2000.— und Palästina £ 1661..—, worin der Betrag von £ 1025.— enthalten ist, den der Keren Hajessod aus der Hinterlassenschaft des verstorbenen M. E. Lange für die Universitätsbibliothek empfing. Gesamtpolen überwies im Juli £ 1661. , Gesamt-Rumänien £ 869.—, Jugoslavien £ 769.— und die I schechoslowakei £ 676.—. Die anderen Länder erreichten mit ihren Überweisungen nicht die Grenze von £ 500..—. Das K. H.-Hauptbüro gibt zu den Ziffern den fol- Sppden Kommentar: „Die im Juli erzielte Rekordziffer darf nicht darüber täuschen, daß die Lage in Palästina keineswegs ohne schwere Sorge betrachtet werden darf. Bevor das neue Arbeitsjahr mit seinem neuen Budget beginnt, sind noch sehr große Verpflichtungen aus der laufenden Arbeit zu erfüllen. Es muß mit allen Mitteln darauf hingearbeitet werden, eine Erhöhung der Defizite zu vermeiden, zumal die Arbeitslosenziffer in Palästina nicht gefallen ist und sich daraus die Notwendigkeit neuer Notstandsarbeiten ergibt. Das Direktorium des Keren Hajessod fordert alle K. H.-Komitees auf und alle Mitglieder des Keren Hajessod auf, die allergrößten Anstrengungen zu machen, um die Überweisungen an das Hauptbüro zu vergrößern. Die Übersiedlung des Hauptbüros von London nach Jerusalem darf nicht mit einem Rückgang der Überweisungen zusammenfallen, durch den der Keren Hajessod bei seinem Einzug in Jerusalem von vornherein in eine Zwangslage versetzt würde.“ Beratungen über die jüdische Nationalanleihe. Jerusalem, 1. August (J.T.A.). „Palestine Bulletin“ erfährt, im Zusammenhang mit dem Plan einer Nationalanleihe für Palästina, daß in der letzten Zeit zwischen Wirtschaftssachverständigen, prominenten Finanzleuten und Mitgliedern der vom 14. Zionistenkongreß ernannten Anleihekommission, die unter der Leitung von Dr. Arthur Rupp i n steht, Beratungen abgehalten worden sind. Auch fanden inoffizielle Besprechungen mit Vertretern des Völkerbundes statt, um festzustellen, ob der Völkerbund der Anleiheaktion seine moralische Unterstützung leihen wird. Man erhielt den Eindruck, daß der Völkerbund wohl die Anleihe stützen werde, wenn die Haltung der britischen Vertreter dem Plane günstig ist. — Es wurde ein detailliertes Verzeichnis des jüdischen Eigentums in Palästina angelegt und die Frage erörtert, wie weit dieses Eigentum als Unterlage für die Anleihe dienen könne. Die Höhe der Anleihe soll 12Millionenägypt. Pfund betragen. Demnächst wird eine Gruppe Bankiers Palästina besuchen, um im Zusammenhang mit dem Anleiheplan die ökonomische Möglichkeit Palästinas zu studieren. Schwere Mißhandlung von Juden durch Cuzisten. Czernowitz, 12. August (J.T.A.). In den letzten Tagen weilten in Radautz, der zweitgrößten Stadt der Bukowina, mehrere Hakenkreuzler aus Altrumänien. Sie übten einen Terror gegen die jüdische Bevölkerung aus, belästigten und beleidigten jüdische Passanten. Eine Schar dieser Cuza-Jünger, sieben an der Zahl, begab sich zum jüdischen Tempel mit schweren Knüppeln bewaffnet. Unter dem Vorwand, daß die anläßlich des Marascheschti-Gedenktages aus einer Dachlucke des Tempels herausragende Trikolore nicht genügend frische Farben aufweise, stürzten sich die Cuzisten auf die im Korridor des Tempels weilenden zwei greisen Juden, den 75jährigen Leib Niederhoffer und den 73jährigen Abraham Gutmann, schlugen mit den Stöcken auf sie ein und versetzten ihnen heftige Fußtritte in die Bauchgegend. Beide blieben schwerverletzt liegen. Hierauf stürzten sie sich auf den 20jährigen Handelsangestellten Siegmund Schüler und richteten ihn mit ihren Schlagwerkzeugen und mit Fußtritten fürchterlich zu. Obwohl dieser rohe Überfall am hellichten Tage und im Zentrum der Stadt geschah, schritt die Polizei nicht ein. Der jüdischen Bevölkerung bemächtigte sich große Erregung. Ein Eisenbahnprogrom in Rumänien. Bukarest, 12. August (J.T.A.). Die Zeitung „Ade verul“ veröffentlicht das folgende Telegramm: Die Juden Albert Abramovici aus Piatra Neamtza, Sami Heller aus Braila, Lupu Paltic aus Baceu, Simon Scharf aus Faltitscheni und andere jüdische Reisende wurden gestern 5 Uhr nachmittags, während der Zug Nr. 530, der zwischen Czernowitz und Galatz verkehrt, an der Station Adjud vorbeifuhr, von Cuzisten, die auf den langsam fahrenden Zug aufsprangen, mit Knüppeln und allerhand anderen Schlagwaffen blutig geschlagen und daraufhin aus den Coupees auf den Fahrdamm geworfen. Die Cuzisten standen unter der Führung der berüchtigten antisemitischen Propagandisten Titza Pavelescu und des Alecu Gavrilescu, sowie des Huligans Atanasiu aus Adjud.. Das Zugspersonal und die Stationsbeamten von Adjud trafen keinerlei Anstalten, den Überfall abzuwehren. Die Opfer, von denen einige erhebliche Verletzungen davontrugen, sandten Protesttelegramme an den Innenminister und an den Präfekten von Focsani. Feuilleton Im Hffenwald Legende von Emil Bernhard Cohn (Schluß) „Du scheinst aus einer fremden Stadt zu sein,“ erwiderte der Greis, „oder gar aus einem fernen Lande. Sonst müßtest du wissen, was für eine wundersame Bewandtnis es früher mit dieser Glocke hatte. Selbst das Kind hier weiß es noch: Es war der Ton der Höhe in ihr und der Ton der Tiefe. Das Branden des ewigen Meeres brandete um sie, und der Gesang der Morgensterne war in ihrem Munde. Unsere Herzen zitterten, wenn wir sie hörten, und unsere Lippen verstummten, denn mit der Stimme des göttlichen Gerichtes sprach sie zu uns. Ich werde sie nicht mehr hören, aber ich habe sie gehört, und das ist genug. Geh deiner Wege, Alter, und störe mich nicht, denn ich bin dabei, mich zu erinnern und meinem Enkel es einzuprägen, daß Erinnerung das Leben sei, damit er es seinen Kindern dereinst weitersage und damit er lebe!“ Als der König den Greis so sprechen hörte, bewegten ihn tiefe Gedanken, und einen Augenblick lang war es ihm selber, als wenn von dem leeren 1879999999