Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- 34 (20.8.1926)
- Date
- 1926-08-20
- Page
- Seite 538 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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538 Das Jüdische Echo Nr. 34 Palästina leben Arbeiter und Landwirte, die von „Ort“ ausgebildet worden sind. Zu wünschen ist ein engerer Kontakt zwischen „Ort“-Arbeit und „Chaluz“-Arbeit. Die Devise ist hier wie dort: Dienst am Volk durch das Volk. Herr Dr. Tschlenow sprach für den Verband für Gesundheitsschutz der Juden „Ose“, den ein ähnliches Streben beseelt wie „Ort“. Der Verband „Ose“ erstrebt die physische Regeneration des jüdischen Volkskörpers und schafft eine der Voraussetzungen für die Arbeit von „Ort“. Die beiden Verbände sind von brüderlichen Gefühlen für einander beseelt. —. Nach Verlesung weiterer Begrüßungen schloß Direktor Klee mann die Eröffnungssitzung. In der Nachmittagssitzung erstattete Herr L. Bramson den Bericht der Zentralverwaltung. Die ersten drei Jahre waren der Arbeit ungünstig; in den letzten drei Jahren aber waren große Fortschritte zu verzeichnen. Die Abteilungen des Verbandes „Ort“ haben sich seit der Danziger Konferenz von 52 auf 62 erhöht. An Hand von Karten und Diagrammen zeichnete der Redner die Entwicklung der Arbeit. Während in den ersten drei Jahren 390 000 Dollar ausgegeben wurden, konnten in den letzten drei Jahren 860 000 Dollar der Arbeit zugeführt werden. Die Zahl der Mitglieder ist stark angestiegen. Das System der technischen Ausbildung wurde verbessert, sieben neue Fachschulen wurden gegründet. Das Technikum in Wilna gilt als einzig in seiner Art. Die jüdischen Fachschüler erhalten bei Ausstellungen die besten Auszeichnungen. Auch die Form der landwirtschaftlichen Instruktion wurde verbessert, das Kreditwesen durch Beistellung von Produktionsmitteln auf Abzahlung ausgestaltet. Der Häuserbau von „Ort“ für die Kolonisten im Odessaer Rayon wird bei seiner Sparsamkeit und Zweckmäßigkeit als Muster anerkannt, so daß sogar die offizielle Kolonisationsgesellschaft „Komzet“ bei „Ort“ Häuser bestellt. Durch Beistellung von Maschinen und Werkzeugen werden neue Erwerbszweige geschaffen. Auf die Rede Bramsons folgten Berichte aus den einzelnen Ländern. Mit größter Spannung wurde der sehr interessante und aufschlußreiche Bericht des Ingenieurs Z e g e 1 n i c k i über die Arbeit in Rußland angehört. In Rußland leben ungefähr drei Millionen Juden. 300 000 Familien mit 850 000 Seelen sind den Gewerkschaften angeschlossen. 150 000 Familien mit 380 000 Seelen leben vom Ackerbau. 38 Prozent des jüdischen Elements ist im Handel tätig. Es bleibt noch immer eine Million jüdischer Seelen übrig, deren wirtschaftliche Existenz im Dunkel liegt. Es ist das Element der kleinen Städte, das durch Krieg, Bürgerkriege und die Umstellung in der Wirtschaft des Landes aus seiner gewohnten Sphäre geworfen und deklassiert worden ist. Es ist aber kein schlechtes Element, denn es strebt mit allen Kräften danach, sich in der Produktion einzuordnen. Besonders traurig ist die Lage der Jugend innerhalb dieser Bevölkerung. Die russische Industrie, obwohl jetzt wieder in voller Kapazität, kann nicht viel von diesen Kräften absorbieren, denn das physischkräftigere bäuerliche Element bietet stärkste Konkurrenz. Der Ausweg ist der, daß die jüdische Jugend technisch ausgebildet wird, da für qualifizierte Arbeiter stets Arbeit sein wird. Der Redner schilderte, wie schnell sich die früheren Krämer der Landwirtschaft angepaßt haben. Die Wirtschaften der neuen Kolonisten gelten für die benachbarten russischen Bauern als Musterwirtschaften. Der jüdische Kolonist ist mehr neuen Ideen und Methoden zugänglich und er läßt sich von den Instruktoren gerne belehren. Er ist geistig rege und verwirklicht allerlei Pläne für eine bessere Ausnutzung der Kapazität einer kleinen Wirtschaft. Das gleiche gilt von den Kolonien, die auf kollektiver Grundlage aufgebaut sind und Produktionsgenossenschaften bilden. Die letzte gute Ernte hat es den jüdischen Bauern ermöglicht, ihren bisher lächerlich geringen Bestand an lebendem Inventar ansehnlich zu erhöhen. Nach Verlesung eines Grußtelegramms von der Zionistischen Weltexekutive in London sowie zahlreicher anderer Begrüßungen von auswärtigen Organisationen referiert Herr Dr. S i 1 b e r f a r b über die Arbeit von „Ort“ in Polen. Hier ist die Arbeit in der Kolonisation naturgemäß beschränkt,, da es an Boden für jüdische Siedlung mangelt» um so segensreicher sind die Leistungen von „Ort“ auf dem Gebiete der technischen Schulerziehung. Die 20 Anstalten werden von 2000 Lernenden (Jugendlichen und Erwachsenen) besucht. In den letzten drei' Jahren wurden 3500 Personen zu qualifizierten Arbeitern ausgebildet, die alle trotz der HAUSER'5 HOTEL „DER REICHSADLER PRACHTVOLLES PALMENGARTEN- UND BAR-RESTAURANT täglich nachmittags und abends ERSTKLASSIGES TANZ - ORCHESTER Ab 1. September spielt das Original Holländische Orchester LOUISE GULDEMOND die gröftte Attraktion der Gegenwart