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Das jüdische Echo · 1926-08-20 · 34 (20.8.1926) · p. Seite 536

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
13 (1926)
Issue
34 (20.8.1926)
Date
1926-08-20
Page
Seite 536 (sequence 4)
Language
German
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556 Das Jüdische Echo Nr. 34 für den, Schreiber des Familienblattes eine zureichende Widerlegung, daß die Juden in Deutschland eine schwache Minorität bilden und daß gerade diese Schwäche sie zum Prügelknaben feindlicher, verhetzter, dem Judentum völlig verständnislos gegenüberstehender mächtiger Kreise macht. Sind die Schreibweise und die Ausführungen des Artikelschreibers im Familienblatt nicht reiner Wortschwall? Ist diese Art zu argumentieren und darzustellen nicht Tanz um einen heißen Brei und ein Ausdruck von Verlegenheit? Es gehört wirklich Bedürfnislosigkeit und Bescheidenheit in logischen Dingen dazu, um sich auf die Dauer diese Art Publizistik gefallen zu lassen, wie sie von den offen oder verschämt assimilatorischen Blättern den jüdischen Lesern geboten wird. Diese Eiertänze um offen vor aller Augen liegende Erscheinungen, diese bewußte Vogelstrauß-Politik gegenüber eindeutigen Tatsachen, diese gedankenarme, naive Manie, sich abzufinden und sich hinwegzutrösten, diese fortwährenden Versuche, sich selbst zu täuschen und die Kinderei, mit der man glaubt, denkende Menschen, Juden und Nichtjuden, hinwegtäuschen zu können* das alles ist einer der Krebsschäden des jüdischen öffentlichen Lebens. Dieser Kehilla-Geist von anno Tobak, der sich in den assimilatorischen Presseerzeugnissen (die „ernsten“ Publikationen jener Richtung mit eingeschlossen), breit macht, ist nur dazu angetan, die jüdischen Leser einzuschläfern und in Unkenntnis hinsichtlich der wirklich bewegenden jüdischen Fragen zu erhalten. Aber nicht nur vom rein jüdischen Standpunkte, sondern auch vom allgemein menschlich-fortschrittlichen aus, stellt diese Presse ein getreues Bild der Antiquiertheit und Geistesverlassenheit dar, durch welche die jüdische Assimilation gekennzeichnet ist. M. W. Im Kampf um den Zionismus „Im Kampf um den Zionismus“ lautet der Titel einer Broschüre, die die Zionistische Vereinigung für Deutschland in Anlehnung an einen Vortrag ihres Vorsitzenden, Kurt Blumenfeld, soeben herausgegeben hat. Die Broschüre stellt nach einer Schilderung des Entwicklungsganges und der Fortschritte, aber auch die Schwierigkeiten der zionistischen Bewegung, ihre Ideologie und ihre Ziele dar. Unter dauernden Kämpfen sei es dem Zionismus gelungen, seine politische Forderung der Errichtung eines jüdischen Nationalheims in Palästina zu einem integrierenden Bestandteil des Palästinamandates zu machen. Ihren Anspruch auf Palästina begründen die Zionisten freilich nur zum Teil auf das Mandat, zum anderen Teil auf ihre kolonisatorische Leistung. ')Die Broschüre legt dar, wie unter ungeheueren Ueberkinger Sprudel Süddeutschlands führendes Tafelwasser ßeneraldepot Eduard Kühles, München Tel. 20542 Ledererstr. 12 Mühen in Palästina die jüdische Heimstätte zur Wirklichkeit wird; sie zeigt aber auch, daß der Zionismus niemand, der sich ebenso wie er auf Arbeit im Land berufen kann, in seinen Rechten stören will. Eine Unterdrückung der Araber sei nicht beabsichtigt. Zionismus und Chauvinismus seien miteinander unvereinbar. Im folgenden wird gezeigt, weshalb eine derartige Bewegung erbitterte Gegnerschaft finden mußte. Der Antizionismus glaube nicht an die lebendige Kraft des Judentums. Er erstrebe die restlose Eingliederung der Juden in ihre nichtjüdische Umgebung, unter Aufgabe ihrer jüdischen Eigenart. Freilich sei es ihm trotz möglichster Bagatellisierung jüdischer Werte und Zusammenhänge doch nicht gelungen, die Masse der Juden zur völligen Selbstaufgabe zu veranlassen. Der Begriff „Jude“ und „Judentum“ sei aber manchem Juden problematisch geworden. Da sie an den Wert jüdischer Art nicht glauben, fürchten sie Zionismus und Palästina-Aufbau in der Annahme, daß die Juden, vor die Notwendigkeit gestellt, Träger aller Funktionen menschlichen Lebens zu sein, versagen würden. Der Zionismus, den die Angst vor dem Antisemitismus nicht zum Verzicht auf Art- und Selbsterhaltung bringen wird, will, daß die Juden Juden sein und bleiben sollen. Nur die Bewahrung und Veredelung der eigenen Art macht Menschen wertvoll. Was Judentum ist und wert ist, kann sich nicht durch Reden in der Diaspora, sondern nur durch Leistung in einer jüdischen Wirklichkeit in Palästina erweisen. Der Aufbau des jüdischen Palästinas müsse die Stellung der Zionisten zum Staat und im Staat nicht beeinträchtigen. Wie sie einen Staat ablehnen, der eine zu große Intensität jüdischen Empfindens oder jüdischer Betätigung verbieten wollte, so bejahen sie freudig einen solchen, der es ihnen gestattet, jüdisches Lebensrecht geltend zu machen. Der Kampf des Zionismus um den Anteil des Juden als Juden am Leben des Staates, um seine wahre Gleichberechtigung, ist zugleich ein Kampf um die Würde des Judentums. Die Broschüre geht kurz ein auf die Versuche der Sowjet-Regierung in Rußland, eine J u - den-Siedlung zu gründen. Diese Siedlung könne einen gewissen philantropischen Wert haben, für das Judentum sei ihre Bedeutung begrenzt. In Palästina dagegen sei eine Renaissance des Judentums möglich. Wie dort die Wiederbelebung der hebräischen Sprache ganz selbstverständlich gelänge, wie sich dort eine natürliche Verbundenheit jüdischer Menschen mit jüdischer Überlieferung und Vergangenheit natürlich ergeben habe, so könne dort wieder ein großes religiöses Kollektiverlebnis des jüdischen Volkes Möglichkeit werden. Das jüdische Palästina werde geistiger und seelischer Mittelpunkt der gesamten Judenheit werden. Der Zionismus wolle nichts als das: Den Beweis erbringen, daß die Quellen nicht versiegt sind, aus denen die schöpferischen Leistungen des Judentums erflossen, jüdische Menschen nach Jahrhunderten furchtbarsten Drucks auch in der Zerstreuung eine neue Sicherheit schaffen, neue Unbefangenheit, Kraft in dem Bewußtsein: in Palästina leben Juden wie wir, die auf die Frage nach ihren Bedürfnissen und Wünschen mit dem Propheten-Wort antworten können: „Ich brauche nichts, ich lebe ja inmitten meines Volkes.“

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