Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1926
- Issue
- 7/8 (9.7.1926)
- Date
- 1926-07-09
- Page
- Seite 16 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 7/8 Mitteilungen des Israel. Lehrervereins für Bayern 16 3. Beschwerde des Lehrers. gegen die Gemeinde zum Distriktsrabbinat wegen unregelmäßiger Gehaltsauszahlung: dieses leitet die Klage weiter an die Lokalschulinspektion. W., den 3. Januar 1851. Das Distriktsrabbinat dahier an die Lokalschulinspektion dahier. Indem man in Anlage die Bitte des Religionslehrers N. N. dahier vom 3. ds. übersendet, fühlt man sich veranlaßt, folgendes gutachtlich beizufügen. Schon zum öftern war der Lehrer dem Übelstande ausgesetzt, sein geringes Gehalt durch Schikane längere Zeit nicht zu erhalten und erst nach langwierigen Plagen und nach mehrfachem Laufen und Rennen wurde ihm lange nach der Verfallzeit das seinige zuteil. Es läßt sich leicht denken, daß ein Familienvater von 4 Kindern bei einer so geringen Besoldung jedesmal mit Sehnsucht dem Tage entgegensieht, der ihm die wenigen Gulden bringt, auf welche mit der Anschaffung selbst nur der nötigsten Lebensbedürfnisse längst schon Rechnung gemacht ist. Ist es nicht widersinnig, wenn eine Gemeinde oder deren Vorsteher, anstatt den Lehrer durch möglichste Erhöhung seiner Einkünfte sorgenfreier zu machen, nur darauf hinarbeitet, daß der Lehrer durch immerwährendes Laufen zum Gerichte, durch Abfassen von Beschwerden und Klageschriften vom Unterrichte abgehalten und gestört werde! Da nun gesetzlich die Lehrer ihre Quartalsbezüge durch die königl. Lokalschulinsepktion zu beziehen haben, so füge ich, die Bitte des Lehrers unterstützend, das Ersuchen bei: Eine königliche Lokalschulinspektion wolle mit allen zu Gebote stehenden Mitteln dem Religionslehrer N. N. zu seinem Guthaben alsbald verhelfen, und zugleich energisch dahinwirken, daß derartige eigenmächtige und boshafte Behandlung gegen den Lehrer in der Folge nicht mehr eintreten. Mit vollkommenster Hochachtung Einer k. Lokalschulinspektion Das Distriktsrabbinat: E. W., Distriktsrabbiner. 4. Klage des Lehrers gegen die Gemeinde wegen Nichtlieferung des Heitzmaterials. Die jahrzehntelangen Beschwerden hierüber ziehen sich wie ein roter Faden durch die Akten. Endlich reißt dem Manne der Geduldsfaden, er erhebt durch die Lokalschulinspektion Klage zum Landgericht. Die Verhandlung ergibt folgendes Bild: Uffenheim, den 9. Dezember 1840. Präs. Der k. Landrichter Rupprecht. Es erschien der jüdische Kultusvorsteher Samuel Schuhmann von W., welcher nach gemachtem Vorhalte zugestand, daß allerdings zur Beheitzung des zum jüdischen Religionsunterrichte bestimmten Zimmers erforderliche Holz mangle und deshalb noch nicht beigeschafft sei, weil sich gegenwärtig in der Kasse der jüdischen Kultusgemeinde kein Geld befinde. Von Gerichtswegen wurde derselbe, da es lediglich seine Sache ist, für die zureichende Dotierung der Kasse der jüdischen Kultusgemeinde in W. zu sorgen und in keinem Falle der angeordnete Religionsunterricht für die jüdischen Kinder eingestellt werden darf, angewiesen, binnen drei Tagen bei Vermeidung einer Strafe von 10 Gulden das zur Beheitzung des jüdischen Schulzimmers erforderliche Holz beizuschaffen. Rupprecht, k. Landrichter. Die Lokalschulinspektion berichtet, daß das Holz tags darauf mittags 12 Uhr an der Lehrerwohnung abgeladen wurde. Beamtenvertreter in Rat und Tagung Zum neuen Tagungsabschnitt des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, de* von 1926 bis 1931 sich erstreckt, wurden folgende Kollegen gewählt. 1. Zum Rat: S. Dingfelder, München und J. Stoll, Würzburg. Ersazleute: M. Rosenfeld, München und M. Hellmann, Würzburg. 2. Zur Tagung: Dr. I. Bambeger, Nürnberg, S. Brückheimer, Marktbreit, H. Oppenheimer, Landenbach und J. Krämer, Speyer Als Ersatzleute wurden gewählt: E. Kirschner, München, E. Strauß, Weiden, A. Rau, Hirschaid, B. Fulder, Treuchtlingen, I. Wahler, Hörstein und S. Wetzler, Ludwigshafen. Mit besonderer Freude heben wir noch hervor, daß Frau Toni Michel, Oberlehrersgattin in Pirmasens, unter den Ersatzleuten sich befindet. Wir bedauern, daß es nicht gelungen ist, in Nürnberg einen Beamtenvertreter auf die liberale Liste durchzubringen. Äuf dem Wege zum Reichsverband In den letzten Wochen wurde der Entwurf für die Verfassung des Reichsverbandes der Öffentlichkeit unterbreitet. Der Verfasser dieses großzügigen Organisationswerkes, Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumayer, hat die reichen Erfahrungen einer 5jährigen, erfolgreichen Verbandsarbeit in Bayern auf den weiteren Kreis, der sich im Reichsverband zusammenschließen soll, übertragen. Wir begrüßen die besondere Betonung der kulturellen Aufgaben, die dem Reichsverband obliegen werden und halten es für eine glückliche Lösung, daß neben Gemeinde- und Verbandsvertretern den Kulturträgern des Judentums: Rabbinern, Lehrern, Kantoren und den Delegierten sozialer Verbände eine entsprechende Abgeordnetenzahl in Rat und Reichstagung eingeräumt werden soll. Wir hoffen, daß die Verbände diese so lang ersehnte Spitzenorganisation recht bald ins Leben rufen werden. Am 18. Juli werden bereits die Vertreter der Landesverbände in München Stellung zu dem Entwurf nehmen. Von der Bezirkskonferenz Anbach In der am 30. Mai abgehaltenen Konferenz, der Bezirksrabbiner Dr. Münk als Gast beiwohnte, führte der Vorsitzende, Hauptlehrer Levite, Günzenhausen, sein Referat über den Übersetzungsunterricht zu Ende. Von Dr. Münk wird die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft für jüdische Literatur angeregt. Die in der letzten Konlerenz be-