Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1926
- Issue
- 7/8 (9.7.1926)
- Date
- 1926-07-09
- Page
- Seite 17 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 7/8 Mitteilungen des Israel. Lehrervereins für Bayern 17 rührte Einrichtung eines Schiedsgerichtes für den Bezirk wird definitiv beschlossen. Den Vorsitz führt der jeweilige Konferenzleiter. Die Kollegen des Bezirkes sind verpflichtet, bei Differenzen zunächst das Schiedsgericht der Bezirkskonferenz anzurufen. Bei der nächsten Zusammenkunft wird Herz, Altenmuhr, über das Beamtenrecht sprechen. Personalia Wie wir dem „Israelitischen Familienblatt" in Hamburg entnehmen, beging unser Vereinsmitglied Theodor Fraenkel, Nürnberg am 1. Juli sein 25jähriges Amtsjubiläum als Überkantor und Lehrer in Nürnberg. Am 17. Juni feierte Hauptlehrer Nathan Ehrenreich, Langenseebold, seit 1885 Mitglied1 unseres Vereins, ebenfalls sein 25jähriges Ortsjubiläum. Beiden Kollegen seien auch an dieser Stelle die herzlichsten Glückwünsche zum Ausdruck gebracht. Ad multos annos! Hus der Frühgeschichte der Juden in München In einer Beilage der „Münchener Lehrerzeitung" veröffentlicht Hans Kubert „Aphorismen aus der Schulgeschichte Münchens". Wir entnehmen den interessanten Ausführungen folgende, ob ihrer Objektivität in der heutigen Zeit doppelt sympatisch berührende Stelle, die sich mit der ersten Ansiedlung von Juden befaßt: .... Es erhebt sich nun die Frage, wann und wie hat das deutsche Schulwesen in München Fuß gefaßt? Die Archive innerhalb seiner Mauern sind wenig mitteilsam, wir müssen zunächst die Wirtschaftsgeschichte zu Rate ziehen. Der „Markt Munichen" war 1209 zur civitas, d. i. Stadt, erhoben worden und hatte sich bis dahin zum Handelsemporium entwickelt. Salzhandel und Salzdurchfuhr vom Osten nach den Städten des Westens wurden zur Quelle seines Aufschwungs. Die ältesten Urkunden nennen „mercatores" aller Art, außer Salzstößlern auch Geschäfte, deren Betrieb höhere Lebensführung voraussetzt, wie Handel mit feinem Pelzwerk, Geschmeide, Edelsteinen, Gewürz. Über die neue Brücke bei Munichen fuhren nicht nur zweiräderige Salzkarren, es hatte auch anderweitiger Warentransport nach dem Lechrain und weiterhin „gen Untergang" sich hinzugesellt. Den regen Handels- und Warenverkehr vom Orient zum Okzident vermittelten aber ausschließlich die Juden. Jüdische Händler waren schon unter dem zweiten Nachfolger des entthronten Löwen zahlreich in München, und Ludwig der Kehlheimer hatte ihnen um 1200 erlaubt, in den leoninischen Stadtwall bei der heutigen Gruftgasse eine unterirdische Synagoge einzubauen. Dadurch entstand ringsum ein Ghetto oder Judenviertel. Handelsverkehr und Judentum aber halten es mit Intelligenz und Geisteskultur. Lehrplanfragen In einer Anlage zum Verordnungsblatt des Oberrats der Badischen Israeliten legt der Vorsitzende der Schulkommission des Oberrats, Dr. Pfälzer (Weinheim) seine Gedanken zum „Entwurf eines Lehrplanes für den israelitischen Religionsunterricht in Baden" nieder. Indem wir uns vorbehalten, die Gedankengänge Dr. Pfälzers in einer, späteren Nummer noch eingehend zu würdigen, bringen wir einstweilen einen Passus aus dem Absatz zum Abdruck, der sich mit dem Religionsunterricht für die weibliche Jugend! befaßt. Hiner ganz besonderen Berücksichtigung i m Religionsunterricht bedarf die Erziehung der weiblichen Jugend. Solange die Frau sich nur im Hause betätigte und am öffentlichen Leben nicht teilnahm, und solange ferner das jüdische Haus —. fast ausnahmslos — eine Stätte jüdischer Religiosität war, konnte das Judentum es sich gestatten, die religiöse Erziehung der Frau ganz oder fast ganz dem Haus zu überlassen und sie im öffentlichen Unterricht zu vernachlässigen. Die jüdische Tochter lernte innerhalb der vier Wände des Hauses die religiösen Verpflichtungen und Aufgaben erfüllen, die sie selbst einst, wenn sie Hausfrau geworden ist, zu erfüllen hatte; die Religiosität vererbte sich von der Mutter auf die Tochter. Heute sind die Verhältnisse ganz andere geworden. Die religiöse Erziehung im Haus hat in den weitaus meisten Familien aufgehört; es ist dies ganz besonders nachteilig, weil die Töchter als die spätem Mütter die Erzieher der Jugend werden sollen. Soweit die weibliche Jugend in dem Religionsunterricht mit der männlichen zusammen unterrichtet wird, wird es nicht leicht sein, der ersteren eine besondere Behandlung angedeihen zu lassen; auch in den unteren Klassen wird man die weibliche Jugend nicht anders behandeln können. Wohl aber wird man versuchen müssen, die weibliche Jugend in den oberen Klassen besonders zu unterrichten. Man wird ihr immer wieder zu sagen haben, daß von ihr die Erhaltung der jüdischen Religion in erster Linie abhängt. Der Unterricht wird sich auf die religiösen Pflichten der Hausfrau in besonderer Weise zu erstrecken haben, und sie wird vor allem auch stimmungsgemäß vorzubereiten sein. Man wird bei ihr die religiösen Einrichtungen der jüdischen Religion ganz besonders vom Standpunkt des Gemüts aus beleuchten. Zur Beachtung! 1. Der Vereinsvorsitzende wird im August von hier abwesend sein; während dieser Zeit wollen Zuschriften in Vereinsangelegenheiten an den Schriftführer (Adresse: Buttermelcherstraße 4/III1.) gerichtet werden. 2. Die heutige Nummer erscheint als Doppelnummer, dafür wird die Augustnummer ausfallen. Einzahlungen im Hpril und Mai 1926 Von: Friedmann, Mainstockheim M. 15.—; Gutmann, Ottensoos 15.—; Gutmann, Nürnberg 15.—; Bernstein, Mainbernheim 10.—; Adler, Frankfurt 15.—; Rosenberger, Hammelburg 20.—; Rosenstein, Schopfloch 15.—; K. Dorfzaun, Fischach 5.—Bierschild, Prichsenstadt 15.—; Rosenstiel, Mutterstadt 15.—; Steinern, Landau 1.—; Wertheimer, Hardheim 5.—; Blumenthal, Unsleben 15.—; Stoll, Würzburg 10.—; Wormser, Nürnberg 15.50; Keren Hatorah, Hamburg 30.— : 8. Dingfelder, München 20.—. Durch: Rosenblatt, Memmingen 35.—; Hellmann, Würzburg 262.—; Blumenthal, Unsleben 23.—. W ü r z b u r g , 1. 6. 25. M. Hellmanii.