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Das jüdische Echo · 1926-07-09 · 28 (9.7.1926) · p. Seite 442

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
13 (1926)
Issue
28 (9.7.1926)
Date
1926-07-09
Page
Seite 442 (sequence 6)
Language
German
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442 Das Jüdische Echo Nr. 28 Rabbiner Dr. Baeck zur liberalen Weltkonferenz Rabbiner Dr. Baeck schreibt in der „Jüdischliberalen Zeitung“ über die Bedeutung der nach London einberufenen internationalen jüdisch-liberalen Tagung u. a. folgende beherzigenswerte Worte: „Was die internationale Konferenz der liberalen Juden verspricht? Sie verspricht zunächst, den weiten Gesichtskreis aufzuzeigen. Liberalismus ist für viele mehr eine Gemeinde- Angelegenheit als eine Angelegenheit des Judentums und darum oft mehr eine kleine, so rasch befriedigte Politik als eine große drängende Idee. Es ist ein Vorzug der Verfassung der meisten jüdischen Gemeinden, daß die Gemeinde autonom ist, daß sie das Recht der eigenen Art und der eigenen Richtung hat. Die Ausgestaltung des Kultus- und des Unterrichtswesens hat sich an dieser Autonomie entwickeln können. Aber eine Gefahr ist in ihr enthalten, die Gefahr des engen Horizonts, die Gefahr, daß manch einer das Judentum mit seiner Gemeinde verwechselt, er vergißt, daß seine Gemeinde, so klein oder so groß sie ist, eine Bedeutung haben kann, nur wenn sie sich als Teil ■des Ganzen weiß, und die Gedanken, Sorgen und Aufgaben der jüdischen Gesamtheit ihr zu eigen werden. Ein liberales Judentum zumal, das in kleinen Gemeinde-Angelegenheiten sein Genügen findet, verleugnet sich selber: denn der Liberalismus lebt von den großen Problemen. Die Londoner Konferenz will diesen weiten Horizont demonstrieren und damit die echte‘Gemeinschaft, die Gemeinschaft der Idee aufzeigen, die mehr ist als eine künstliche Gemeinschaft der Politik. Eben damit will dieses Zusammenkommen der liberalen Juden aller Länder auch eine Betonung des liberalen Judentums sein. Liberales Judentum ist eine religiöse Angelegenheit, und alles Religiöse ist ein Positives. Abwehr und Polemik, Verteidigung und Angriff, so nützlich sie sein können und so erforderlich sie für die Juden mancher Länder noch bleiben, sind noch kein Judentum. Und noch weniger ist es die Negation, die bei sich stehen bleibt. Wer nur weiß, was er nicht will, was er nicht: tut, was er nicht erstrebt, wer nur immer zu sagen hat, was er verwirft, was er ablehnt, und wovon er sich fernhält, ist vielleicht dieses und jenes, aber ein liberaler Jude ist er noch nicht. Wir spotten über den Frömmler, der immer über alles genau Bescheid weiß, was er zu tun habe; wir sollten schärfer noch über den liberalen Juden absprechen, dessen ganzes religiöses Wissen es ist, daß er alles weiß, was er nicht zu tun brauche. Die Londoner Konferenz will das Gewissen dafür schärfen, was liberales Judentum ist. Zur Schächtfrage Der durch seine Forschungen bestens bekannte Dr. A. W. Symons, medizinischer Sachverständiger der städtischen Korporation von Shrensbury, hat dieser auf der Basis der Beobachtungen des Professors Leonard Hill, des Direktors der Abteilung für angewandte Physiologie im Nationalen Institut für medizinische Forschung und Mitglieds der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften, einen erschöpfenden Bericht über die Schlachtarten eingereicht, dem die „F1 e i - scher-Verbands-Zeitung“ einen ausführlichen Auszug entnimmt, in dem es unter anderem heißt: „Versuche an Tieren und menschliche Erfahrungen haben erwiesen, daß das Zerschneiden der Hauptblutgefäße der Kehle sofort den Blutumlauf im Gehirn anhält und das Bewußtsein aufhebt. Auch jede andere Methode, welche die Gehirnzirkulation vorübergehend aufhebt, wird sofort Bewußtlosigkeit hervorrufen. Tiere haben vom Tode nicht mehr Bewußtsein als kleine Kinder. Das Empfinden der Schrecken eines Schlachthauses ist das Ergebnis des Unterrichts. Es ist absurd, zu glauben, daß Tiere die Anwesenheit eines Tierkörpers oder vergossenen Blutes bemerken. Die Operation des Kehledürchschneidens ist aber ebenso menschlich, wie das Betäuben mit einer Axt, oder das Erschießen mit einer Pistole. Jede der beiden letzten Methoden erfordert die korrekte Richtung der Waffe auf die Hirnschale, und beide können bei einem störrischen oder unruhigen Tiere im kritischen Augenblick mißlingen. Zusammenfassend kann man also sagen, daß die Schlächter und Räucherer recht haben, und daß sie aus Gründen der Menschlichkeit und der gebührenden Ausübung des großen Gewerbes nicht an der Fortsetzung der alten; traditionellen Schlachtungsmethoden gehindert werden sollten.“ Im Prager Archiv für Tiermedizin (Band 6, 1926) werden äußerst interessante und wichtige „Untersuchungen am Hirn des Rindes währenddessen Tötung durch den Halsschnitt“ von Dr. med. S. Lieben veröffentlicht. Lieben führt an Hand experimenteller Untersuchungen im tierärztlichen Institute der deutschen Universität zu Prag den Nachweis, daß die elektrische Erregbarkeit des Gehirns für seine motorische Funktion innerhalb 10 bis 35 Sekunden nach dem Schächtschnitt erlischt und auch nicht wieder auftritt. Er zeigt ferner, wie durch den Schächtschnitt der Schädelinhalt plötzlich verkleinert wird, weil der Luftdruck rapid abstürzt und fast völlige Blutleere des Gehirns eintritt. Alle noch später etwa gelegentlich folgenden Bewegungserscheinungen kommen ohne Mitwirkung der höchsten Hirnfunktionen zustande, sicherlich also ohne Bewußtsein und ohne irgendwelche Schmerzempfindung. Das von uns in letzter Nummer gebrachte Zitat aus dem Werke Bryce’ war dem Frankf. Jüd. Wochenblatt entnommen. Nochmals: Zur Ämerlkafahrt der Wiener Hakoah Die letzte Nummer des „JüdischeniEchos“ brachte eine allgemeine Betrachtung über die Bedeutung, die dem Tournee der jüdischen Fußballmannschaft zukam. Die abschließenden Sätze berührten einen wunden Punkt in der Methodik, oder besser in dem System der Wiener, nämlich den Professionalismus. Wenn dort nur dem Gedanken des zweifelhaften Wertes eines Professionalismus Ausdruck gegeben wurde, so übertreffen die inzwischen bekanntgewordenen Tatsachen bei weitem alle Vermutungen. Von Wien wird berichtet, daß s i eben Spieler den Klub verlassen, um sich nach Amerika zu begeben. Es sind dies Guttmann, Neufeld, Eisenhofer, Schwarz, Grünwald, Schönfeld und Drucker. Die Spieler sollen durchschnittlich je 500 Dollar Handgeld und 300 Dollar Monatsgage erhalten. Fast erscheint es müßig, noch weitere Worte dieser Erscheinung hinzuzufügen. Das eine dürfte aber nun endlich klar geworden sein, daß diese Art des Sporttreibens mit Erziehung im Sinne einer jüdisch-nationalen Idee durchaus nichts

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