Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1926-07-09 · 28 (9.7.1926) · p. Seite 440

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
13 (1926)
Issue
28 (9.7.1926)
Date
1926-07-09
Page
Seite 440 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9103077-9156533--07515-9080247
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

440 Das Jüdische Echo Nr. 28 sehen Verbandes in den vergangenen 5 Jahren hinlänglich beweist. Soweit in einem Einzelfall aus dem Bezirk des Artikelschreibers Schwierigkeiten entstanden sind, die ihre Erledigung noch nicht gefunden haben, wird die konservative Fraktion die berechtigten Forderungen des Verfassers des Artikels mit Nachdruck vertreten, wie es in ähnlichen Fällen besher geschehen ist.“ Breslauer Brief Breslau, den 5. Juli 1926. (Von unserem Spezialberichter s t a 111 e r.) Wie der Centralverein bei der Ritualmordhetze versagt hat. — Ob die antizionistische Agitation des Centralvereins mit zionistischen Steuergeldern subventioniert werden soll. Der Kindermord in Breslau ist noch immer nicht aufgeklärt worden, wobei jedoch bemerkt werden muß, daß die Polizei die Hoffnung, den Täter zu finden, noch nicht aufgegeben hat. Es hat sich herausgestellt, daß die von dem Lustmörder hingeschlachteten beiden Kinder vielfach in Kaschemmenkreisen verkehrten, dem Treffpunkt allerlei Menschen, die außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft stehen und man darf annehmen, daß hier doch noch eine Spur bis zur Überführung des Verbrechers verfolgt werden kann. Damit ist für jeden denkenden Menschen der sogenannte Fall Haase endgültig erledigt. Die Kriminalpolizei hatte ihn ohnehin von vornherein als unwahrscheinlich dargestellt und nur die Ritualmord hetze, die sich an ihn knüpfte, hatte sie veranlaßt, ihn gründlich nach dieser Richtung hin aufzuklären. Der jüdische Handlungsgehilfe Haase hat bekanntlich etwa gleichzeitig mit dem Lustmord Selbstmord begangen. Vielleicht sogar ein oder zwei Tage vorher, doch läßt sich das nicht mehr feststellen. Sicher war er schon tot, als jenes mysteriöse Paket aufgegeben wurde, das, an die Großeltern der Kinder adressiert, Leichenteile enthielt. Ein völkisches Winkelblättchen machte eine ganz hübsche Ritualmordhetze daraus. Rein journalistisch betrachtet war es eine erstklassige Arbeit. Der tote Haase war melancholisch gewesen —■ ergo religiöser Wahnsinn. Sein Vater war Schächter gewesen — ergo verstand er das Ritualmordhandwerk von Kindheit an. Nachträglich allerdings hat sich herausgestellt, daß Haase nicht, wie jenes Blatt schrieb, orthodox, sondern eher das Gegenteil gewesen, daß seine Schwermut und sein Selbstmord aus dem Abbau seiner Stellung zu erklären und daß sein Vater nicht Schächter, sondern nur Geflügelhändler gewesen war. Da es aber kurz vor der Volksabstimmung war, hatte sich die deutschnationale „Schlesische Zeitung“, das repräsentativste Organ der Provinz, mit Wonne auf den Ritualmord gestürzt und ihn so der Öffentlichkeit übermittelt, wohin er durch jenes völkische Blättchen allein nie gelangt wäre. Die ohnehin aufgeregte nichtjüdische Bevölkerung fiel auf den Schwindel glatt herein und sowohl in Breslau wie in der Provinz haben tagelang Tausende und Zehntausende geglaubt, daß die Juden einen Ritualmord begangen haben. Für uns als Juden war es bedauerlich, festzustellen, wie die Tagespresse fast aller Richtungen den Fall unter der Schutzmarke „Ritualmord oder Lustmord?“ behandelte. Die linke Presse nahm die Juden natürlich in Schutz, weil es sich offenbar um ein Manöver handelte, das die Volksabstimmung beeinflussen mußte. Aber ihre Argumente bestanden darin, daß sie, gestützt auf die Aussagen der medizinischen und kriminalistischen Sachverständigen, nachwies, daß jener Haase mit der Sache nichts zu tun haben könne. Das für uns wichtigste Argument, nämlich, daß es ein jüdisches Blutritual nicht gibt, fehlte vollkommen. Die deutschen Juden befinden sich heute zweifelsohne in einer Zwitterstellung. In der deutschen Kultur aufgegangen, sind sie heute noch wie vor 100 Jahren physisch und psychisch anders als der nichtjüdische Deutsche determiniert und eine wirkliche Assimilation kann nur allmählich auf dem Wege über die Mischehe vollzogen werden. Die tagelange Diskussion in der schlesischen Presse zeigt aufs neue, was man dem Juden zutraut und wie fremd er im Grunde genommen der nichtjüdischen Umwelt heute noch ist. Gerade bei so seltenen und aufwühlenden Ereignissen zeigt sich das deutlich und klar. Im übrigen war das, was die Juden taten, nicht sehr berühmt. Dem Centralverein war in alter Gewohnheit die Abwehr der Hetze übertragen worden. Und er hat, nicht gänzlich, HAUSER’5 HOTEL „DER REICHSADLER" MÜNCHEN, HERZOG-WILHELM-STRASSE 32 Albert Hauser, Eigentümer Ab 2. Juli 1926 spielt täglich nachmittags und abends SANDOR HORVATH mit seiner weltberühmten original-ungarischen Magnaten-Kapelle Eintritt frei / Mäbige Preise Unsere neu ausgestatteten Restaurations- und Cafe-Räume sind eine Sehenswürdigkeit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.