Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- 19 (7.5.1926)
- Date
- 1926-05-07
- Page
- Seite 305 [303] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1« Das Jüdische Echo 305 und vornehm. Und selbst die Speisen im Haus. Man ißt das, was alle armen Juden essen. Aber anstatt einen einzelnen Hering im Laden zu kaufen, ihn mit Zwiebeln zu zerhacken, wie die armen Leute es tun, kauft Esther Bejle ein Pfund Heringe auf einmal und mariniert sie ein.. Es kostet nicht teurer, aber die Heringe sind schön mariniert, gucken appetitlich aus dem Glas, und keine der ärmsten Frauen wird es sich vergönnen, so ein Gericht zuzubereiten wie die marinierten Heringe Esther Bejles. „Ja,“ murmelt die Nachbarin aus Neid, „w i r können uns das nicht gestatten.“ Und das Speisen selbst geht wie bei einem Reichen vor sich: Gabel, Messer und eine Flasche Wasser ... Brot in geflochtenen Brottellern. Der große Tisch im Speisezimmer ist weiß gedeckt. Die zwei Kinder, die noch nicht „ausgegeben“ sind, ein Junge und ein Mädchen, sitzen artig und sprechen miteinander freundlich. Esther Bejle hat schon seit langem kein jüdisches Dienstmädchen mehr, dafür aber ein kleines christliches, das jüdisch aussieht, gut jüdisch spricht und selbst die Vorschriften kennt, die die Küche angehen. Josche Beer will seine Armut kundtun, mit dem kleinen Dienstmädchen beginnend. „Wozu hältst du das Dienstmädchen? Es ist schwer Esther Bejle lächelt und antwortet gutmütig: „Was kostet sie denn? Was schon daran ist; sie hilft im Haus und ich kann bei anderen Dingen sparen. Du wirst nicht reich werden, wenn du sie fortschickst.“ „Ich will nicht reich werden, ich will arm werden, verstehst du“, gibt Josche Beer auch lächelnd zur Antwort. „Das bist du doch schon“, lacht Esther Bejle gutmütig. „Nein, das bin ich nicht. Ich will, daß die Welt es weiß, genug des Versteckens. Das drückt mich, verstehst du? Und es kostet außerdem zu viel. Wäre ich ein bekannter Armer, könnte ich mir viele Dinge ersparen.“ „Was denn zum Beispiel?“ fragt Esther Bejle. „Na, ich meine ... ein Almosen .... Gebetehrungen, Brautausstattungsspenden ... Man kommt immer noch zu mir wie einst.“ „Dann gib nichts“, sagte Esther Bejle unzufrieden. „Das kann ich nicht. Da muß man anders zu leben anfangen.“ Unterdessen bringt das Dienstmädchen in einem schön gravierten Porzellanteller eine Obstspeise. „Wieder Obstspeise“, wird Josche Beer böse. „Wenn es aber lächerlich wenig kostet... nichts ... aus einem Apfel mit ein wenig Zucker. Wer heißt dir das Obstspeise zu nennen?“ „Wie soll man es denn sonst nennen?“ „Nenn’ es gekochte Äpfel!“ lacht Esther Bejle. Aber Josche Beer ist böse und murmelt: „Wozu braucht man Obstspeisen?“ Aus dem Jüdischen von P. H. (Fortsetzung folgt.) Vminsung von 3otp- Einlagen zu höchsten Sätzen. Ui Effekten Coupons Devisen Sorten. IL Jtt ffrwfntt fvLWtnt 4Mwß4wn ftwiwpt/- Gemelnden-u. Vereins-Echo München. Der Gesamtausschuß der Ostjuden Münchens hält am Mittwoch, dem 12. Mai, abends 8 Uhr, in der Reichenbachstraße 27 seine Generalversammlung ab. In Anbetracht der Bedeutung,, die der Ausgestaltung dieser Organisation zukommt, ist es Pflicht jedes Ostjuden, pünktlich zu erscheinen. Siehe Inserat in dieser Nummer. Hebräische Sprachschule, München. Zum neuen Anfängerkurs werden noch Anmeldungen; entgegengenommen. Der Kurs hat am 5. Mai begonnen. Er findet Montag und Mittwoch früh’ von halb 7 bis halb 8 Uhr statt. Die Anmeldung erfolgt am zweckmäßigsten vor der Kursstunde.. Unterrichtslokal, Ottostraße 2. Hebräische Sprachschule Chowewe-Iwrith, Nürnberg. Unsere nächste Konversationsstunde findet, am Samstag, den 8. Mai, abends halb 9 Uhr, im Sekretariat der Israelitischen Kultusgemeinde, Neue Gasse 12, statt. Herr Sigmund Hamburger wird über: „Naturwissenschaften und Weltanschauung“ sprechen, Herr Percikowicz hat das Korreferat übernommen. Wir würden uns freuen, recht viele Interessenten und Anhänger unserer Sache begrüßen zu können. Jung-Jüdischer Wanderbund, München. Sonntag, den 9. Mai, Treffpunkt für Mädels und Jungens 8 Uhr Ostfriedhof. Der Heimabend der großen Mädels fällt diesen Samstag wegen Vortrag Waldmann aus. Jüdischer Kulturverein J. L. Perez, München. Im Jüdischen Kulturverein J. L. Perez verabschiedeten sich am Samstag, dem 24. April a. c. zwei der Hauptstützen des Vereins, Herr Bruno Klu-