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Das jüdische Echo · 1926-05-07 · 19 (7.5.1926) · p. Seite 302 [300]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
13 (1926)
Issue
19 (7.5.1926)
Date
1926-05-07
Page
Seite 302 [300] (sequence 11)
Language
German
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302 uas Jüdische Echo Nr. 19 seine Frau, beide hohe Siebziger, empfingen mich mit größter Liebenswürdigkeit. Senator Strauß sagte mir, daß er seit jeher den Werdegang der Hakoah verfolge und auf seine Erfolge stolz sei. Er kenne auch keine schönere Betätigung der Jugend als die Erziehung zu stolzen, aufrechten Menschen. Auch von Louis M a r s h a 11 habe ich eine Einladung erhalten. Mr. Marshall ließ mir mitteilen, daß er sich freue, den Präsidenten des Hakoah zu empfangen und kennen zu lernen. Der Chef des Sanitätswesens der Stadt New York, I)r. Louis J. Harris, der gleichfalls dem großen Empfangskomitee angehört, hat eine offizielle Erklärung abgegeben in der es u. a. heißt: Amerikas Juden, gemeinsam mit allen übrigen echten und wahren Sportfreunden werden alles tun, um die Hakoah-Mannschaft mit Begeisterung aufzunehmen und durch das ganze Land zu geleiten. Hakoah ist das Symbol einer physisch wiedergeborenen N a t i o n. Die Hundertjahrfeier der Münchener Synagoge ln der Hauptsynagoge an der Herzog-Max-Straße fand heute vormittag zur Erinnerung an den hundertsten Jahrestag der ersten Synagoge der neuen Gemeinde in München ein Festkonzert statt, das unter der Leitung des Dirigenten des Synogogenchors, Kappellmeister Josef Ziegler, einen überaus weihevollen Verlauf nahm. Trotz des herrlichen Frühjahrswetters war das Gotteshaus dicht gefüllt. Nach einem Festpräludium in D-Dur für Orgel von Lewandowsky trug der jüdische Gesangverein einen Keduschah a-cappella-Chor des Komponisten Salomon Rossi vor, der um die Wende des 16. Jahrhunderts in Italien gelebt und gewirkt hat. Hierauf folgte eine Ansprache des Gemeinderabbiners Dr. B a e r w a 1 d , der die Anfänge des jüdischen Sanges in der biblischen Zeit aufdeckte und auf die innige Verbundenheit der Musik mit dem religiösen Empfinden hinwies. Die Erinnerung an die Einweihung der ersten Münchener Synagoge sei, so führte der Redner aus, insbesondere deshalb heute noch so lebendig, weil sie den Markstein gebildet habe für eine neue Entwicklung und Blüte des Synagogengesanges. Es folgten dann Psalm 29 für Chor und Orgel von dem früheren Kantor der Münchener Gemeinde M. G. Löwenstamm, Haschkiwenu von Eduard Birnbaum, das von Kantor Abraham Müller ergreifend zum Vortrag kam, sowie das bekannte, musikalisch ungemein reizvolle Min hamezar für Chor und Soli von dem Komponisten der „Jüdin“, Halevy. Der erste Kantor der Gemeinde, Professor Emanuel Kirschner, der selbst noch sechs Private kaufmännische Kurse Telephon 55781 | 1 Gegründet 1879 Rudolf DUrCK München Inhaber und Leiter Direktor R. Bürck Jeden Monat beginnen neue Kurse. Erste Referenzen. Auskunft und Anmeldung Neuhauserstraße 9 (Pauson-Haus) Jahre in der alten Synagoge als Vorbeter gewirkt hat und dem der moderne Synagogengesang so viele packende und schöne Kompositionen verdankt, gab einen Überblick über die Synagogenmusik seit dem Mittelalter, ihre Verwilderung und die Aufgaben und Ziele, die sich der moderne Synagogengesang gesteckt hat. Es sei zuerst Aufgabe gewesen, die synagogale Musik von dem Beiwerk zu befreien, das infolge des Virtuosentums ihre ursprüngliche Musikalität zu ersticken drohte. Hierbei sei jedoch zu beachten, daß eine wirklich künstlerische Synagogenmusik organisch nur erwachsen könne aus der alten jüdischen Chasonus, wenn sie ihren Charakter als jüdische Musik bewahren wolle. Ebenso wie in. der katholischen und protestantischen Kirchenmusik hätte sich der Gedanke des organischen, historischen Aufbaus immer stärker durchgerungen, so daß man neuerungssüchtige Experimente nicht mehr zu befürchten brauche. Nach dem von Kantor Julius Lachmann prachtvoll vorgetragenen Lo omus von Eduard Birnbaum schloß die Feier mit einer Kantate für Chor, Orgel und Sopransolo von M. G. Löwenstamm, die anläßlich der Feier des 50jährigen Jubiläums der Synagoge komponiert und erstmalig am 9. April 1876 zum Vortrag gebracht wurde. Die Sopransoli hatte Frau Sonja Ziegler mit ihrer klangvollen, beseelten Stimme übernommen. Die Israelitische Kultusgemeinde München darf zusammen mit dem Jüdischen Gesangverein, seinem rührigen Vorstand, Dr. Bettsack, und seinem musikalischen Leiter Kapellmeister Ziegler mit Stolz auf die Veranstaltung blicken, die nicht nur Zeugnis ablegte von jüdischer Tonkunst und jüdischer Gefühlsinnigkeit, sondern auch von dem Willen, jüdisches Kulturgut für die Gegenwart zu beleben und in die weitesten Kreise zu tragen. Die Feier wird sicherlich nicht nur als historischer Rückblick, sondern auch als Ansporn für die Zukunft ihre Bedeutung haben. Interessantes aus der C.-V.-Praxls Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens brandmarkt in seinem redaktionellen Teil seit längerem die scharf antisemitische Haltung des Seebades Borkum, dessen Judenfeindlichkeit aus der Affäre des berüchtigten Borkumliedes noch in aller Erinnerung ist. Um so peinlicheres Aufsehen hat es daher erregt, daß die C.-V.-Zeitung im Inse r at ent eil eine Empfehlung dieses Seebades in Gestalt einer Annonce aufgenommen hat. Demjenigen, der etwa glauben möchte, daß die Redaktion der C.-V.-Zeitung sich grundsätzlich nicht in die Angelegenheiten ihres Inseratenteiles einmischt, mögen die* beiden folgenden Briefkastennotizen aus der „Jüdischen Rundschau“ vom 27. und 30. April d. J. die nötige Aufklärung geben: Erholungsbedürftige. Daß der „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ seinen Mitgliedern das berüchtigte antisemitische Seebad Borkum empfiehlt, kann unseres Erachtens aus der Tatsache, daß die C. V.-Z e itung ein anpreisendes I n s e r a t v o n Borkum veröffentlicht, nicht geschlossen werden. Immerhin, vielleicht ist dies die neueste Methode des Beweises gänzlich „unverdächtiger“ unbeirrter deutscher Gesinnung. Fragen Sie doch dort an.

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