Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- 19 (7.5.1926)
- Date
- 1926-05-07
- Page
- Seite 301 [299] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Das Jüdische Eche 501 Sensationeller Sieg des Wiener „Hakoah“ in Ämerika Die jüdische Mannschaft schlägt das New Yorker Team 4:0 (0:0). — Präsident Coolidge und der New Yorker Bürgermeister auf der Ehrentribüne. 25 000 Zuschauer. — Empfang der Hakoahner bei Präsident Coolidge. Die ,,W i e n e r Morgenzeitung“ meldet: New York, 25. April. Mit allen Anzeichen einer großen Sensation ging hier heute das mit Spannung erwartete erste Spiel des Fußballmeisters von Österreich, der jüdischen Mannschaft H a k o a h aus Wien, vonstatten. Die Veranstaltung, die auf dem populären Platze Pologrounds stattfand, gestaltete sich außer ihrer sportlichen Bedeutung zu einem gesellschaftlichen Ereignis allerersten Ranges. Außer dem Präsidenten Coolidge und dem Bürgermeister New Yorks, Mr. W a 1 k e r , und vielen Vertretern des diplomatischen Korps waren die hervorragendsten Persönlichkeiten der New Yorker Gesellschaft, darunter Abordnungen sämtlicher jüdischer Korporationen vertreten. In der Geschichte des amerikanischen Sportes steht der heutige Tag einzig da und bedeutet zweifellos einen verheißungsvollen Wendepunkt in der Entwicklung des hiesigen Fußballsportes. Schon dadurch allein hat sich die Wiener jüdische Mannschaft durch ihr Auftreten das größte Verdienst erworben. 25 000 Zuschauer umsäumten das tadellose, die normalen Fußballmaße aufweisende Spielfeld. Dieser für hiesige Fußballverhältnisse erzielte Rekord wäre zweifellos noch höher ausgefallen, wenn nicht der regnerischtrübe Tag viele vom Besuche abgehalten hätte. Stürmisch begrüßt, betraten die Flakoahner in ihrer bekannten blau-weißen Dreß mit dem Magen Dawiid das Spielfeld. Nach den Begrüßungsansprachen, die sich sehr herzlich gestalteten, begann das Spiel. Ein starkes Städteteam New Yorks stellte sich den Wienern. Die New Yorker, 'die eine außerordentlich starke Mannschaft stellten, begannen das Spiel im schnellsten Tempo, wodurch sich das Match die ganze Zeit hindurch sehr scharf gestaltete. Die Wiener begannen etwas verhalten und fanden sich gegen Ende der ersten Hälfte, die torlos endete, immer mehr und mehr. Nach der Pause legten sie mächtig los und erzielten in gleichmäßigen Intervallen durch N e ufeld, Häusler, Griinwald und Wortmann ihre Treffer. Das Publikum entzückte sich an den glänzenden Darbietungen der Hakoahner, die alle ihre technischen und taktischen Kunststücke zum besten gaben. Als das Spiel zu Ende war, wurde der jüdischen Mannschaft begeisterter ] ub e 1 zuteil. Das großartige Debüt Hakoahs ist ein glänzender Auftakt für die weiteren Spiele. Über den Empfang des „Hakoah“ durch den Präsidenten Coolidge im Weißen Hause in Washington berichtete der Präsident des Hakoah Dr. Körner der „Wiener Morgenzeitung“: Ich will heute zuerst von meiner Audienz beim Präsidenten Coolidge berichten. Samstag nachts (den 10. d. M.) fuhren wir nach Washington. Wir fanden im Kongreß-Hall-Hotel bereits vorbereitete Zimmer und wurden beim Betreten des Hotels bereits von einer großen Zahl Journalisten, es dürften über 50 gewesen sein, erwartet. Die mir zuteil gewordene Ehrung wurde als Sensation gewertet, denn wie ich nachher erfuhr, hatte der Präsident selbst den Wunsch geäußert, mich zu sich zu laden. Wir übergaben den Journalisten ein bereits fertiges Expose, so daß sowohl ihnen als auch unserer Delegation die Interwiews erspart blieben. In den Autos der Gesandtschaft führte uns der österreichische Gesandte P r o c h n i k ins Weiße Haus, wo wir wieder von einer großen Zahl von Photographen und Journalisten erwartet wurden. Der Sekretär des Präsidenten begrüßte uns und führte uns sofort zu Coolidge. Wiewohl ich selbst äußeren Momenten nicht zu unterliegen pflege, muß ich diesmal doch ehrlich gestehen, daß ich beim Betreten des Raumes, von dem einst die 14 Punkte Wilsons in die Welt geschickt wurden, etwas befangen war, aber das freundliche „How do you do“ des Präsidenten und dessen Handschlag gaben mir meine sonstige Sicherheit wieder. Unser Gesandter verdolmetschte vor allem unseren Dank für die ehrende Einladung, die uns zuteil geworden war. Mein hiesiger Sekretär beantwortete die Fragen des Präsidenten, der sich sehr interessiert über die sportlichen Verhältnisse Österreichs und insbesondere über den Aufbau des Hakoah und dessen Bestrebungen erkundigte, Collidge erzählte uns dann selbst über seine eigene sportliche Betätigung und wie sehr er den Körpersport schätze. Er wünschte uns für unsere Wettspielreise recht viel Erfolg und zum Abschied beauftragte er mich, die Spieler von ihm zu grüßen. Der Gesandte erklärte mir, daß er den Präsidenten noch niemals bei Audienzen so redselig gesehen habe. Dann fuhren wir auf die Gesandtschaft, wo wir uns mit dem Gesandten und den übrigen Herren sehr gut und lange unterhielten. Wir kehrten noch am selben Tage nach New York zurück, wo wir bei unserer Ankunft von einer neuen, überaus großen Ehrung erfuhren. Der Bürgermeister von New York, Herr Walker, gibt am Samstag unserer Gesellschaft einen Empfang. Das bedeutet hier unendlich viel. So nüchtern der Amerikaner auch sonst ist, so sehr werden von der amerikanischen Öffentlichkeit derartige Ehrungen gewürdigt. Die heutigen Zeitungen bringen in riesigen Lettern Berichte von unserer Audienz. Der 19. April brachte wieder eine sehr ehrende Einladung. Sie kam vom Senator Nathan Strauß, dem Vater unseres Empfangskomiteemitgliedes. Mr. Strauß ist der Mann, der so viel für Erez Israel getan hat. Er ist eine der einflußreichsten Persönlichkeiten New Yorks. Er und Sorgt für die Stärkung der Zionistischen Organisation! Jeder einzelne beteilige sich in den nächsten Tagen an dem Schekel-Verkauf in seinem Bekanntenkreise!