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Das jüdische Echo · 1926-05-07 · 19 (7.5.1926) · p. Seite 298

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
13 (1926)
Issue
19 (7.5.1926)
Date
1926-05-07
Page
Seite 298 (sequence 6)
Language
German
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Nr. 19 Das Jüdische Echo 29$ ideellen Zwecksetzungen ausgehen, sondern nur von den geistigen und seelischen Bedürfnissen der Bevölkerung Palästinas selbst, den Bedürfnissen, deren sie sich schon bewußt ist und denen, die man ihr erst bewußt machen muß (den irregeleiteten, den intellektualistischen Scheinbedürfnissen wird die Wirklichkeitserkenntnis des Volkserziehers entgegenzutreten haben); und darüber hinaus von der Frage: Was für Menschen braucht Palästina und was für Menschen hat es? Wie können aus denen, die seinen Aufgaben nicht zureichen, zureichende werden? Wie kann aus Bevölkerung Volk werden? Wir haben uns von den Problemen, die die vierte Alijah gebracht hat, nicht belehren lassen, worauf es ankommt. Wenn wir es nicht bald lernen, wird unversehens die Stunde da sein, wo es zum Lernen zu spät ist. Jetzt hängt es noch zu einem guten Teil (nämlich soweit überhaupt Einwirkung von Menschen auf Menschen möglich ist) von uns, von unseren Werken der Volkserziehung ab, was für ein Menschentum in unserm Land emporwächst; aber wenn wir jetzt die uns obliegende Pflicht nicht erkennen und tun, wird die Mitbestimmung Stück um Stück durch den „Gang der Dinge“ aus unserer Hand gezogen werden, bis wir bestürzt und ohnmächtig vor der mit allem Komfort ausgestatteten Dependance „Zion“ des großen Galuth- Hotels stehen. Es gehört zur Signatur unseres großartigen und erbärmlichen Zeitalters, daß die Träume der Menschheit in ihm in Erfüllung gehen: als Travestion. Der Nordpol wird entdeckt; im Zank von Cook und Peary. Der Mensch erobert die Luft: um Bomben zu werfen. Der Dichter spricht vom Kapital: d’Annunzio. Die Völker schließen einen Bund. Die gerechte Gesellschaft wird begründet. Ich erwarte die Proklamierung der einheitlichen Menschheitsreligion — wenn sie nicht etwa schon erfolgt ist. Die Folge von alledem ist eine Ent- - wertung aller Realisierung, eine tiefe Erschütterung des Realisierüngsglaubens. Daß es mit unserer Sache, mit der Erfüllung des „Zionstraums“ bislang nicht an dem ist, haben wir dem anonymen, unscheinbaren, undemonstrativen, dem ganz echten Opfermut unserer Pioniere zu danken. Aber hüten wir uns, dieses Unersetzliche wie einen Spieleinsatz zu behandeln; sonst werden wir’s bald verspielt haben. So etwas, sagte ich, hat es in der Weltgeschichte noch nicht gegeben. Es hängt — immer noch! — von uns ab, ob die Völker in hundert Jahren vor unserem ragenden Werk eben dies sagen werden, oder ob sie vor der Torheit unserer Scheinrealisierung achselzuckend ausrufen werden: „So etwas konnte es eben nicht geben.“ Heppenheim. Das polnisch-jüdische Abkommen vor dem Sejm Abg. Reichs scharfe Oppositionsrede gegen die Regierung Warschau, 29. April (J. T. A.) In der gestrigen Sejm-Sitzung hielt Abg. Dr. Leon Reich vor der Abstimmung über das Budget-Provisorium eine große Rede, in der er den Standpunkt des Jüdischen Klubs, der gegen das Budget stimmte, darlegte. Er führte aus: Der Jüdische Klub und die jüdische Bevölkerung haben gegenüber der Regierung Skrzynski eine wohlwollend abwartende Stellung eingenommen, in der Erwägung, daß Skrzynski der Initiator der polnisch-jüdischen Verständigung gewesen ist. Jetzt aber ist die Lage schlimmer als zu der Zeit, da die jetzige Regierungskoalition entstanden ist. Die Regierung leugnet ihre früheren Zusagen gegenüber den jüdischen Vertretern Stein und Bein ab. Wir glauben an den guten Willen Skrzynskis, bedauern aber, daß er nicht genug Energie aufbringt, um dem bösen Wille'n der übrigen Minister zu begegnen. Herr Stanislaw Grabski reduziert die 42 Punkte des polnisch-jüdischen Abkommens auf 12 Punkte. Er degradiert sich selbst, wenn er seine Verhandlungen mit den jüdischen Parlamentariern, die ganze drei Monate andauerten, als „einfache Gespräche“ tiinstellt. Herr Grabski nützt den Umstand aus, daß auf den Protokollen wegen des Abkommens keine Unterschiede vorhanden sind. Eine solche Methode ist nicht geeignet, im Auslande Respekt für Polen einzuflößen. Ich komme jetzt vom Ausland, ich hatte Gelegenheit, mit den Stützen der englischen Finanzwelt zusammenzukommen. Das Schicksal will es, daß im Finanzleben dieses großen Reiches hauptsächlich Juden führend sind. Ich habe leider keinen besonderen Enthusiasmus für Polen feststellen können, weil hier keinerlei ernstliche Versuche gemacht werden, aus dem wirtschaftlichen und politischen Chaos herauszukommen. Niemand kann es verstehen, daß eine Regierung ein „Abkommen“ schließt mit der vorgefaßten Absicht, es nicht nur nicht zu verwirklichen, sondern es überhaupt abzuleugnen. Herr Grabski hat auf dem Kongreß der Union der Völkerbundligen in Warschau selbst erklärt, daß die Frage des Numerus clausus durch Verhandlungen zwischen der Regierung und dem Jüdischen Klub erledigt ist, trotzdem hat Grabski die juridische Fakultät der Lemberger Universität ermächtigt, Juden über einen gewissen Prozentsatz hinaus nicht aufzunehmen. Bringt man solche Tatsachen zur Sprache, antwortet Herr Grabski auf seine Art, es sei nicht wahr. Der Redner zitiert dieses und ähnliche Dokumente, die Grabskis Unterschrift tragen und sagt: Wenn Grabski fortwährend lügt, so schadet er vor allem Polen. (Unruhe.) Abg. Reich schloß: Ich erkläre feierlich von dieser Tribüne aus gegenüber dem Sejm und der öffentlichen Meinung der ganzen Welt, daß das „Abkommen“ 42 Punkte enthalten hat, von denen 12 sofort zu verwirklichen waren, die übrigen nach gewissen Terminen. Wir Juden hegen den besten Willen, mit den schaffenden Kräften des polnischen Volkes zusammenzuarbeiten. Wir bedauern, daß man uns nicht dazu heranläßt. Die Handelspolitik der jetzigen Regierung ist mit ihrer ganzen Stärke gegen die Juden gekehrt. Noch heute wollen wir nur zum Wohle Polens arbeiten. Wir verstehen aber dieses Wohl in dem Sinne, daß für die Wohlfahrt aller Bürger gearbeitet wird. Wir glauben, daß Polen einmal unsere Haltung als gerecht beurteilen wird; hoffentlich wird es nicht zu spät sein. TEINACHER HIRSCHQUELLE rein natürliches Mineralwasser von Weltruf, ärztl. sehr empfohlen bei BLASEN-, NIEREN- und HALSLEIDEN Generaldepot: EDUARD KUHLES # MÜNCHEN LEDERERSTRASSE 12 TELEPHON 20542

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