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Das jüdische Echo · 1926-05-07 · 19 (7.5.1926) · p. Seite 297

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
13 (1926)
Issue
19 (7.5.1926)
Date
1926-05-07
Page
Seite 297 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 19 Das Jüdische Echo 297 gisch fiktives, ein soziologisch illusionäres Leben. Aus dieser Problematik wollen wir heraus, indem wir in Palästina eine vollständige Gesellschaft auf den Grundfesten eines starken und gesunden Bodenbaus errichten. Unsere konzentrierte Kolonisation muß zugleich sozial eine totalisierende sein, und die Ganzheit, die wir meinen, können wir nur verwirklichen, wenn unsere Menschen überall im Land, wo das angeht, selbst die Erde bearbeiten. Welche Parole ergibt sich daraus und welche ist ausgegeben worden? Die ausgegebene heißt: Rentabilität; und ich kann sie nicht rügen, wo es sich als so schwer erwiesen hat, große jüdische Kapitalien zur Anlegung in Palästina zu gewinnen. Aber die wahre Parole, die eines wahren Werkverbands, würde lauten: werkhaftes Bündnis von Kapital und Arbeit, eine große, die Wirtschaft des Landes aufbauende Werkgemeinschaft der „Unternehmer“ und der „Arbeiter“, gemeinsame Programmberatung, gemeinsame Betriebsleitung, gemeinsame Disposition über die Verwendung des Ertrags. Ethik? Nein, die Wirtschaftspolitik dieser einzigartigen, präzedenzlosen Situation, die diesem wirtschaftsgeschichtlichen Novum angepaßte! Was bei den Staaten der Zwang der Kriegslage zumindest für eine Zeit zustande zu bringen vermochte, sollte das nicht dem freien Wollen eines unerhörten Ziels gelingen? Zum dritten hat das Ziel einer konzentrativen Kolonisation eine kulturelle Bedeutung. Wir wollen aus der Verflechtung, Verstrickung in das Vielerlei der Völkerkulturen heraus. Nicht etwa, wie man es zuweilen ausdrückt, von den Einflüssen der Völker Europas, des Abendlands wollen wir uns befreien, sondern vom Zwangscharakter der gegenwärtigen Beeinflussung; was wir erstreben, ist ein freies Wachstum, genährt von allen nährkräftigen Stoffen der Welt, die sich in unser Gewebe einwandeln. Freies Wachstum der Volksart; das bedeutet aber notwendigerweise freies Wachstum aller Glieder der konzentrativen Volkssiedlung. Denn im Leben der Völkerkulturen mit ihrer ungebrochenen Kontinuität mochte es zu deren leidlicher Fortführung genügen, wenn nur ein bevorzugter Teil des Volkes seine Kräfte, Geistes und der Seele frei entfalten konnte; daß es nunmehr auch da nicht mehr genügt, daß vielmehr das Erziehungsprivileg der „bürgerlichen“ Schichten die Kultur mit dem Zerfall bedroht, wird jetzt allenthalben empfunden. Wie aber könnte unser verwegenes Unternehmen glücken, wenn wir nicht alle Personen, die wir dafür einsetzen, mit ihren ganzen, voll entfalteten Kräften einzusetzen vermögen! Ich brauche wohl nicht zu sagen, daß hier nicht von der Erwerbung einer intellektuellen Scheinbildung, sondern von einer wirklichen Bildung des gesamten, einigen Menschen die Rede ist, und nicht von einer „allgemeinen“, sondern von der Heranbildung der bestimmten, spezifisch ausgerüsteten Menschenart, die dieses werdende Gemeinwesen braucht; von der Erziehung des Menschen, der dieser eigentümlichen Situation und ihrer Aufgabe gewachsen ist. Wenn nirgendwo sonst in der Welt, in unserem Palästina muß, wenn unser Versuch nicht mißlingen soll, aller Jugend die gleiche Möglichkeit gegeben sein, ihre Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln, jegliche Nahrung der Seele und des Geistes aufzunehmen, die ihr frommt, ihr Wesen zu läutern und zu vollenden, die Schönheit des wahren Menschenlebens zu erfahren und an der Fülle und Würde der wahren Menschengemeinschaft teilzunehmen. Welche Parole ergibt sich daraus und welche ist ausgegeben worden? Die ausgegebene ist: Kulturelle Institutionen. Man geht von der Fiktion aus, das jüdische Haus sei fertig und baut ihm nun eine geistige Einrichtung aus prunkvollen Möbelstücken, zum Teil herrlichen europäischen Antiquitäten, worunter Stühle sein mögen, die eher zum Anschauen als zum Sitzen erfreulich sind. Es liegt mir fern, den Nutzen der Institutionen überhaupt leugnen zu wollen. Ich bin z. B. in dem Vierteljahrhundert, seit ich an den ersten Vorarbeiten zur Errichtung der Universität teilnahm, gewiß nicht ihr Gegner geworden; ich bin durchaus dafür, daß in Palästina die Institute geschaffen werden, die die Sanierung, die wirtschaftliche Erschließung, die Erforschung des Landes fordert; und wenn diesen ein Institut sich beigesellt, das zwar nicht einem Bedürfnis des Landes, wohl aber der Selbsterkenntnis des Judentums dient oder doch einst dienen wird, kann mein Herz und meine Hand sich dieser Erfüllung meines alten Wunsches nicht versagen; ich habe auch nichts dagegen einzuwenden, daß man die Gesamtheit dieser Institute, als Rahmen für das später einmal Kommende, eine Universitas nenne. Was mich aber zu entschiedenem Widerspruch veranlaßt, ist der übermäßige Akzent, der auf diese durchaus löblichen Gründungen gelegt wird, ist die Ausschließlichkeit, mit der sie und ihresgleichen als das jüdische Kulturwerk in Palästina auftreten, ist ihre alle Kräfte und Mittel absorbierende Alleinherrschaft, ist vor allem die Tatsache, daß sie sich zu einer Schaufassade, zu einer permanenten geistigen Weltausstellung auszuwachsen drohen, welche die innere, die bildende, die eigentliche Arbeit am Volk verdrängt oder sogar vereitelt. Die wahre Parole lautet: Volkserziehung. Unsere eigentliche Kulturarbeit in Palästina kann nicht von irgendwelchen allgemeinen jtdeiiS, bei euren Bekannten, auf allen Versammlungen und durch Hausbesuche in der SCHEKELWOCHE VOM 9. BIS 16. MAI

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