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Das jüdische Echo · 1926-04-30 · 18 (30.4.1926) · p. Seite 288

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
13 (1926)
Issue
18 (30.4.1926)
Date
1926-04-30
Page
Seite 288 (sequence 12)
Language
German
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288 Das Jüdische Echo Nr. 18 tische Verwirklichbarkeit. Die jüdische Mutter, das jüdische Mädchen findet Gelegenheit, mit ihresgleichen den Weg einer planvollen, bewußten Körperpflege zu gehen. Daß sie Körperübungen treiben muß, ist — ich möchte fast sagen — Ehrenpflicht, wo sie es macht — vielleicht — Ehrensache! stud. med. Leo Schindel Sportwart des Bar-Kochba München. Literarisches Echo Maximilian Joseph Pfeiffer: Kyrie eleison! Ein Roman von Juden und Christen aus dem alten Speyer. München. Bei Dr. Franz A. Pfeiffer, 2. Auflage. Ganzleinen M. 10.—. Der historische Roman schien in Deutschland zu den überlebten Dichtungsgattungen zu gehören. Tatsächlich haben, seit, in Auswirkung der Walter Scott’schen Schöpfungen die künstlerische Gestaltung der Vergangenheit in der deutschen Literatur sich Heimatrecht erwarb, nur zwei derartige Schilderungen vermocht, den Geschehnissen verflossener Tage so viel Leben zu verleihen, daß sie auch heute noch den Leser zu fesseln vermögen: „Lichtenstein“ und „Ekkehard“.. Alle übrigen Geschichtsbilder sind im Strudel der Tagesliteratur untergegangen, wie selbst „Ein Kampf um Rom“ dieses Schicksal teilen mußte. Der Generation unseres Jahrhunderts wurden durch Gewöhnung und eigenes Erlebnis die Vorgänge der Gegenwart, besonders die ins einzelne gehende psychologische Zergliederung der im Menschen selbst ringenden Kräfte und Widerstände, begehrtere Gegenstände der künstlerischen Wiedergabe. Und doch kann die zur vollen Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit unentbehrliche Vertiefung des historischen Sinnes durch nichts besser herbeigeführt werden, als durch eine in einheitlicher Schau gewonnene Belebung verflossener Zeiten. Eine Schöpfung in diesem Geiste tritt uns in Max Josef Pfeiffers Roman „Kyrie eleison!“ entgegen. Die aus der Pestzeit her zu innerer Glut entzündeten Gemüter im mittelalterlichen Speyer läßt der als Gesandter des Deutschen Reiches in Wien lebende Verfasser in genauer Kenntnis der geschichtlichen Ereignisse vor uns erstehen, nicht in der trockenen Gestaltung des Historikers, der Pfeiffer von Hause aus ist, sondern in blutvoller Verlebendigung des Dichters, der Blut ist vom Blute dieser Rheinpfälzer, durchglüht wie sie von bodenständigem Lebenswillen. Die führenden Gestalten des Romans, der* dankenswerterweise das Liebesmotiv — zwischen einem Deutschritter und einer Jüdin — nur leise neben den zeitgeschichtlich großartigen Geschicken anklingen läßt, sind mit eherner Wucht zum Leben erweckt, ohne daß die eingehende Schilderung der Nebenfiguren vermißt werden muß. Die dramatische Steigerung des Aufbaus im ersten Buch, das uns die Judenhetze — trotz wohlmeinender Bemühungen der Patrizier und des Bischofs — vor Augen führt, bis der Blutrausch der mit Feuer und Schwert vollzogenen Vernichtung der alten jüdischen Gemeinde uns zu heißem Miterleben zwingt und erschüttert; das entspannende Zwischenspiel der „großen Politik“ jener Tage, die Tage der kaiserlichen Anwesenheit Karls IV. in Speyer, deren Darstellung uns den Hintergrund der „Goldenen' Bulle“, die Auseinandersetzung zwischen der schwachen kaiserlichen Zentralgewalt und den mächtig erstarkten Landesherren greifbar macht; die zum Ausbruch drängende Verfassungsfrage der Reichsstädte im Obsiegen der Zünfte gegen die alten Stadtherren, die Geschlechter — all dies wird mit den düsteren Farben der Wirklichkeit zusammengedrängt in die kurze Spanne eines Jahres, des Jahres 1349, wo die Bewegung der „Geißler“ die Lande am Rhein zu tiefst aufwühlte. Wie hier dem ursprünglichen Gehalte dieser religiös beeinflußten Strömung und ihrer Entartung Ausdruck gegeben und mit starkem Sinn das ganze gewaltige Gemälde menschlicher Höhe und Tiefe aufgerollt wird, ordnet den Roman ein unter die Werke der besten deutschen Erzähler. * * * Die gewaltige Schilderung aus dem blutigen Erleben einer deutscher Stadt erhält für den jüdischen Leser ihre besondere Note nicht allein durch den breiten Raum, den das entsetzliche und leider nicht vereinzelte Geschick der Speyerer Juden in Pfeiffers Dichtung einnimmt, auch nicht durch die bedeutende Rolle, die Jehuda ben Kalonymos, einer der wenigen Geretteten, spielt, — das Bemerkenswerte ist das in unseren Tagen leider so seltene, erfolggekrönte Bemühen, der jüdischen Seele gerecht zu werden. Nicht allein das Wissen um viele jüdische Gebräuche — die manchem „liberalen“ Juden unserer Tage völlig unbekannt geworden sind — ist erstaunlich, ein aus tiefer Vertrautheit mit den urjüdischen Sitten- und Weisheitslehren geschöpftes Verstehen der jüdischen Einstellung zu Gott und Welt grüßt uns aus diesem Werke. Da wirkt ein Mangel als kleiner Schönheitsfehler: die Wiedergabe der hebräischen Worte (ihre Anwendung erfolgt immer sinngemäß!) ist leider so störend fehlerhaft, daß es nicht verschwiegen werden kann. Es dürfte doch gelingen, diese Verbesserungen ohne allzu große Mühe bei der nächsten Auflage, die der Dichtung aufrichtig zu wünschen ist, vorzunehmen! Jedenfalls freuen wir uns, dem Leser ein von allgemein literarischen, wie von jüdischen , Gesichtspunkten aus hochbeachtliches Kunstwerk anzeigen zu können, das auch in seiner gediegenen Ausstattung Freude bereitet. München. Theo Harburger. Enzyklopädie des Judentums. Probeheft. Verlag „Eschkol“, Berlin-Jerusalem 1926. Das vorliegende Probeheft enthält in der Hauptsache eine Anzahl Artikel mit Stichwörtern des Buchstaben A, daneben aber auch einige andere größere Abhandlungen, die, obgleich sie unter einen späteren Buchstaben des Alphabets fallen, in dieses Heft mit aufgenommen sind aus dem Bestreben, für die verschiedensten Gebiete jüdischer Vergangenheit und Gegenwart möglichst repräsentative Artikel zu bringen. Einige der Artikel konnten im Hinblick auf die gebotene Kürze eines solchen Probeheftes nur bruchstückweise veröffentlicht werden. Der Umfang der Enzyklopädie des Judentums ist auf etwa 500 Druckbogen in großem Lexikonformat berechnet. Die Herausgeber legen besonderen Wert auch auf gediegene und geschmackvolle Ausstattung. Der erste Band der Enzyklopädie soll bis zum Herbst 1926 erscheinen; die weiteren Bände in Abständen von je einem halben Jahre, so daß die gesamte Enzyklopädie im Verlauf von sieben Jahren fertiggestellt sein soll. „Eschkol“, Enzyklopedija jisraelith. Kuntras ledugma. Hozaath „Eschkol“, Berlin-Jeruschalajim.

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