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Das jüdische Echo · 1926-04-30 · 18 (30.4.1926) · p. Seite 286

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
13 (1926)
Issue
18 (30.4.1926)
Date
1926-04-30
Page
Seite 286 (sequence 10)
Language
German
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28b Das Jüdische Echo Mr. 18. schule, die hauptsächlich auf die Prüfung im Englischen Wert legt, Jahr für Jahr eine große Zahl selbst mit I benoteter Volksschüler dem Übergangskurs und nicht der 4. Klasse zugeführt wird. In diesem Jahre sind von 45 Prüflingen 25 dem Uberganskurs überwiesen worden, darunter auch eine große Zahl der jüdischen Volksschule; nur eine kleine Zahl hat die 4. Klasse, aber mit gutem Erfolge erreicht. Die jüdische Volksschule hat zwar von der 5. Klasse an englischen Unterricht in einem Kurse außerhalb der Schule bis zur /. Klasse durchgeführt und damit die Möglichkeit geschaffen, daß ihre Schüler gleich in die 4. Klasse der Handelsschule übertreten können, wenn ihre Benotung in der Volksschule den staatlichen Normen entspricht, die oben erwähnt sind. (Deutsch und Rechnen Note 2.) Wenn es also nicht allen gelungen ist, so liegt das zweifellos in diesen Ursachen begründet, deren psychologisch-individuelle Quelle des einzelnen Schülers auf der Hand liegt. Eine Anzahl von Schülern hat anstandslos den Eintritt in die 4. Klasse der israelitischen Realschule in Fü r t h , in die Oberrealschule und in die 4. Klasse des Real- (Reform-) Gymnasiums in Nürnberg erreicht (aus der 6. Klasse ein Schüler die 3. Klasse), des Realgymnasiums usw. Also ist damit gegeben, daß die israelitische Volksschule ihren Befähigungsnachweis auch nach dieser Richtung erbracht hat. Einen Nürnberger Trichter besitzt sie freilich nicht, und sie muß ihr Material nehmen wie es ist. Der größte Teil der Mädchen wird nach der 8, Klasse in die städtische Handelsschule für Mädchen übertreten. Auf der anderen Seite kann die jüdische Volksschule mit Freude darauf hinblicken, daß sie ihren Kindern eine Maß jüdischen Wissens und Könnens vermittelt hat, wie es keiner Religionsschule möglich ist. Neben biblischer und jüdischer Geschichte, Gebetbuch und Hebräisch, Mischnah, Dinim (Kizzur Schulchan Aruch) Gemarah, Pentateuch ohne und mit Raschi usw. Und welchen hohen erziehlichen Wert hat das Miterleben des jüdischen Jahres in der jüdischen Schule, der freie Sabbat, der freie Festtag, das jüdische Milieu! Darf man dafür nicht manche Unannehmlichkeit und Schwierigkeit, manche Schwächen usw. in Kauf nehmen? Man darf die Kritik nicht nur bei den jüdischen Lehrern anwenden und muß anderweitig Umschau halten und eins gegen das andere abwägen. So kann die jüdische Volksschule in Nürnberg einer hoffnungsfrohen Zukunft entgegensehen. Sie kann ihren Schulkindern, abgesehen vom Übertritt nach der 4. Klasse (Grundschule) auch weiterhin von allen Klassen aus die Möglichkeit schaffen, in die höheren Klassen der Knavben- und Mädchenmittelschulen überzutreten (fürs humanistische Gymnasium geht es nur nach der 4. Volksschulklasse), unter Beachtung der verschiedenen Gabelungen. „Aller Anfang ist schwer“ und jüdische Kinder haben ebenso erhöhte Schwierigkeiten zu überwinden wie jüdische Erwachsene. Voraussetzung ist allerdings, daß nicht übelwollende Kritik aus irgendwelchen unsachlichen Motiven oder aus Verständnislosigkeit, oder aus Unkenntnis der Dinge, oder aus überspannten Erwartungen entspringend, zersetzend wirkt und das Vertrauen erschüttert. Wir müssen lernen, auch auf dem Gebiet der Schule Vertrauen zu uns selbst zu haben, das uns leider so oft fehlt. Aus diesem Mangel an Selbstvertrauen, aus der übertriebenen Selbstkritik nach dem ersten vermeintlichen Mißerfolg ist der jüdischen Sache’ schon so häufig schwerer Schaden zugefügt worden. Die Erfahrung wird uns klug machen und den Ansporn zu erhöhter Aufmerksamkeit geben. Handelt es sich doch um unser bestes, um unsere jüdischen Kinder und um unsere jüdische Zukunft. K. R. Gedanken zur Körperpflege der jüdischen Frau Treibt Leibesübungen! Eine Mahnung, die vielfach heute ausgesprochen wird, die unserer Zeit ein bestimmtes Gepräge verleiht, die — mit anderen Worten — zur Mode geworden ist. Vielleicht steht die Tatsache, daß die., jüdische Frau immer mehr und mehr Sorgfalt auf ihre Körperpflege legt, größtenteils damit in Zusammenhang. Ein Irrtum sei eingangs gleich richtiggestellt: Körperpflege heißt nicht Hautpflege! Der Begriff schließt mehr als nur die täglichen Anforderungen eines hygienischen Bedürfnisses in sich. Körperpflege ist hier im Sinne einer jener vielen Bezeichnungen gebraucht, die allgemein für eine bewußte körperliche Erziehungsarbeit geprägt wurden. Doch, gibt es eine Körperpflege der jüdischen Frau? Man könnte mit Recht diese Frage verneinen; denn es wird — bedingt durch die Situation des Judentums — auf Jahre hinaus kaum eine Leistung geben, von der man sagen könnte,, sie sei spezifisch „jüdisch“. Und so ist es unklug, auf jüdisch den Hauptwert dieser Betrachtung zu legen. Es handelt sich nach meiner Auffassung vielmehr bei der erwähnten Frage um eine rein prinzipielle Ansicht: Soll oder darf man bei einer Körperschulung a priori auf irgendeine Begleiterscheinung sein Augenmerk besonders richten, oder, und das ist die andere Möglichkeit, kommt es darauf an, als Ausgangspunkt für die Arbeit den Körper — wie er ist — zu erfassen, ihn auf Grund seines anatomischen Aufbaues und seiner physiologischen Funktionen weiter zur Entwicklung zu bringen, zur vollsten Leistungsfähigkeit anzuregen, letzten Endes ihn dadurch wertvoller zu gestalten. Ich möchte mich für die letzte Ansicht entscheiden. Freilich wird es von Bedeutung sein, auf welche Weise man dieses Ziel zu erreichen sucht: denn wenn man keine Freude an der Arbeit für seinen Körper empfindet, kann der Erfolg auch nicht sehr groß sein. Wege, die Freude zu erregen, gibt es mancherlei. Häufig spielen hierbei psychologische Momente eine wesentliche Rolle, und in unserem Falle etwa auch die Tatsache, Jude zu sein. Doch darüber vielleicht später noch einige Worte. Macht man sich die erwähnte Einstellung zu eigen, so muß sich naturgemäß eine bestimmte Forderung ergeben, nämlich: eine Grundform der körperlichen Erziehung oder, wie ich es nennen möchte, eine Grundgymnastik. Der Hauptwert liegt in der Tatsache, etwas Grundlegendes zu schaffen, eine Basis, von der aus man weiterbauen kann.* Ist das erst mal erreicht, dann wer- * Dr. Matthias, der an die Münchener Universität berufene Dozent für Biologie der Leibesübungen, legte in einem kürzlich gehaltenen Vortrag Richtlinien für eine derartige Grundgym-

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