Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- 18 (30.4.1926)
- Date
- 1926-04-30
- Page
- Seite 285 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 Das Jüdische Echo 285 Die jüdische Volksschule in Nürnberg Nürnberg, irn April. Seit dem Jahre 1921 besteht hier bei der Religionsgesellschaft Adas Israel eine Volksschul e. Nach den Bestimmungen des bayerischen Schulbedarfsgesetzes trägt der Staat 4/.-> des Personalbedarfes, der Unternehmer der Schule, also die Adas Israel, 1/r, des Personalbedarfes u n d den ganzen Sachbedarf. Es besteht begründete Aussicht, daß sich diese schweren Lasten für den Unternehmer durch das kommende Reichsschulgesetz mildern werden, obwohl angesichts der ideellen Gesichtspunkte diese Lasten gerne getragen werden. Mit dem neuen Schuljahr 1926/27 hat die Schule * mit der Entstehung der 8. Klasse ihren Aufbau als Volksschule erreicht. Sie hat in 8 Klassen etwa 160 Schulkinder, die Klassen 2 und 3, 5 und 6 mußten kombiniert werden, so daß 6 Klaßlehrer als staatliche Volksschullehrer tätig sind. (Im Schuljahre 1926/27 hat die 1. Klasse der Volksschule 32 Schulkinder.) Dank dem außerordentlichen Wohlwollen aller zuständigen Behörden, der städtischen Schulkommission, der Kreisregierung und dem Ministerium für Unterricht und Kultus, ist es möglich gewesen, daß die ernsten und hingebenden Bemühungen von Rabbinat, Vorstandschaft und Lehrerschaft der Adas Israel diesen Schulaufbau betätigen konnten. ln der jüdischen Volksschule ist es möglich, profane und religiöse Bildung und Erziehung harmonisch zu verbinden, zur Heranbildung geschlossener Persönlichkeiten, die sich durchsetzen und erhalten werden auch noch nach ihrem Übertritt in die Mittelschulen des Staates und der Stadt in einem reiferen urteilsfähigeren Alter. Es ist in der Stadt natürlich sehr schwer, eine jüdische Volksschule über die 4. Klasse hinaus zu führen, da die Abwanderung von der 4. Klasse in die Knaben- und Mädchenmittelschulen bei unseren jüdischen Eltern geradezu selbstverständlich ist, sehr zum Schaden vieler. Kinder, die nicht dahin gehören und dann in den mittleren Klassen stekken bleiben, sich und andern zur Last, und fernerauf Kosten der jüdischen Bildung und Erziehung. Unsere Zeit hat zur Evidenz gezeigt, daß wir in unseren jüdischen Kreisen unbedingt eine Berufsumschichtung vornehmen müssen. Anbahnen kann man das nur, wenn die Kinder nicht zu früh in die Mittelschule strömen, in ihrer Eignung und Auswahl für den Beruf von einer Stelle aus einheitlicher beurteilt und abgehalten werden, in ungeeignete Schulen einzutreten; die Berufsberatung ist .eine dringende Notwendigkeit und Vorbedingung der Berufsumschichtung. Leider wird das noch nicht genügend gewürdigt und beachtet und unsere jüdischen Eltern insbesondere halten ihre Kinder restlos für die Mittelschule geeignet und alles muß darauf eingestellt werden, dieses Ziel zu erreichen. Auch die staatlichen Volksschulen in den Städten gehen neuerdings dazu über, ihren besten Schülern (Deutsch und Rechnen mindestens Note 2) den Übergang zur Mittelschule zu ermöglichen durch Errichtung von Kursen mit einer Fremdsprache, aber daran hat nur eine kleine Zahl ausgewählten Materials Anteil und trotzdem unterliegt auch hier durch das Prüfungsglück mit seinen Launen und Mängeln eine beträchtliche Zahl. Die jüdische Volksschule in Nürnberg hat eine stattliche Zahl Schulkinder über die 4. Klasse hinaus bis zur 8. Klasse fortgeführt. Unterwegs sind immer einzelne in Mittelschulen abgewandert und dank der intensiven Schularbeit und der Einrichtung von Sprachkursen in die nächsthöheren Klassen dort aufgenommen worden; Knaben- und Mädchenmittelschulen sind daran gleichmäßig beteiligt.. Am Ende des Schuljahres 1925/26 hat zum ersten Male aus den mannigfachsten Gründen eine stärkere Abwanderung aus der 4. und 6. Klasse der jüdischen Volksschule stattgefunden, die dann die Ursache wurde für die Kombinierung von 5. und 6. Klasse. Aber daraus wird den Schulkindern dieser Klassen kein Schaden erwachsen. Das Pensum in beiden Klassen wird restlos erledigt. Auch an städtischen Volksschulen in Nürnberg sind solche Kombinierungen in größerer Zahl notwendig geworden. Ferner hat eine größere Zahl von Knaben der 7. Klasse denVersuch unternommen, zur Höheren Handelsschule für Knaben überzugehen, die erst mit der 4. Klasse der Mittelschulen beginnt; also rekrutiert sich ihr Schülermaterial aus den 3. Klassen der verschiedenen Mittelschulen, das sich ausschließlich dem Kaufmannsstande widmen will. Für die Volksschulen besteht an dieser Handelsschule die Einrichtung eines Übergangskurses für Schüler mit sieben Volksschulklassen, um etwaige Lücken in diesem Kurse auszugleichen und die Schüler an die Handelsschule anzupassen, vor dem Eintritt in die Handelsschule. Es besteht dort anscheinend die Neigung, den Volksschüler bei der Prüfung möglichst diesem Kurse zuzuweisen, sobald nur irgendein Zweifel über seinen Stand besteht. Kann man in einer einmaligen Prüfung überhaupt ein definitives Urteil fällen, wenn man sich nur auf ihre Ergebnisse stützt? So kommt es, daß gerade an der Handels- 0^ Damen-Schneiderei Herren - Schneiderei Auserlesene Qualitätsstoffe Erstklassige Verarbeitung Niedrigste Kalkulation V.