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Das jüdische Echo · 1926-03-19 · 12 (19.3.1926) · p. Seite 191

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
13 (1926)
Issue
12 (19.3.1926)
Date
1926-03-19
Page
Seite 191 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 12 Das Jüdische Echo 191 i]!1 Ii i Oil IllllII III | Feuilleton II 1II II INI INI Das Geschlecht des Maschlach Wenn der Abend naht, lieben sie zu plaudern. Wenn sie, die alten Leute in den jüdischen Nurissiedlungen auf dem Boden unseres Nalionalfonds, sich in Klar Jecheskel in der Holzbaracke des Schlächters zum Abendgebet versammeln, pflegen sie stets über tiefe jüdische Probleme zu sprechen, und dabei wird die jüdische Jugend unserer Zeit stark kritisiert. Die alten Juden sind darüber entrüstet, daß die Landarbeiter des Emek sie erst jetzt aus Rußland hergeholl haben, damit sie hier mit den Kindern zusammen ihre letzten Jahre verleben können. Sie erzählen immerfort grausige Geschichten über die Zügellosigkeit der jungen jüdischen Generation, die dort aufwächst. Dabei sind die Odessaer mehr als alle aufgeregt; ihre Flüche1 sind hauptsächlich gegen die jüdischen Kommunisten gerichtet. Die Christen, so erzählen sie, und die wirklichen Russen sind dagegen vorzüglich. Aber noch mehr sind sie über die hiesigen Chaluzim verstimmt. Sie, die Odessaer, finden auch hier keine Befriedigung, denn die Chaluzim sind nicht fromm. Die aus dem zügellosen Odessa Gekommenen möchten hier, im Lande der Väter und der Bibel, jüdische Frömmigkeit sehen, nach dem Muster der alten Städtchen in den Galulhländern. Deshalb sind sie mit ihren Kindern unzufrieden, trotzdem ihnen diese für ihre alten Tage einen freundlichen Winkel auf dem vom jüdischen Nalionalfonds ausgelösten Boden bereiteten, der jahrtausendelang brach dalag und auf die Erlösung durch jüdische Hände wartete. Die Chaluzim haben jedoch auch die Verteidiger im Schochetstübchen von Kfar Jecheskel gefunden. Fromme alte Leute nehmen sich ihrer an. Trotzdem die Jungen nicht fromm sind, finden sie doch stets ein Wort der Entschuldigung. Das gefällt sogar dem allen Schochet, der seine vier Söhne aus der Jeschiwah nahm, damit sie in Tel Awiw und Afuleh Häuser bauen. Der Schochet von Kfar Jecheskel hat seine eigene Meinung über die ganze Sache. Seiner Meinung nach seien die* Chaluzim jüdische Kinder mit jüdischen Herzen und dem Volk und seinem Gott treu. Denn wäre dies nicht der Fall, dann wären sie nicht der Arbeit für den Aufbau Zions so ergeben. Der gleichen Meinung ist auch der alte Jude aus Wolhynien, der größte Thoragelehrte und Talmudkenner unter allen, die sich im Bretterslübchen des Schochet versammeln. Er war nicht mehr jung, als er während der großen Stürme des Kriegs und der Revolution das Schusterhandwerk erlernte. Jetzt wohnt er bei seinem Sohn, der den jüdischen Boden bearbeitet und verdient das Wenige, das er braucht. Der weißhaarige Schuster, t . Maximihanstraße 40 der zugleich ein Thoragelehrler und Talmudkenner ist, versteht bei allen Ereignissen des jüdischen Lebens Geschichten zu erzählen. Und so fand er auch jetzt ein Gesell ich teilen, das sich auf die heutige Jugend bezog, die sich wie „Gojim“ benennt, um in die große Welt der großen Völker einzudringen. Der Alte erzählte: „Er, der Apter Rabbi, sein Andenken sei gesegnet, saß einst am Sabbatlinaclimiltag in Gedanken versunken da. Plötzlich lächelte er. Sein jüngster Sohn, der bei ihm saß, konnte nicht umhin, seinen Vater zu fragen, was dies Lächeln bedeute. Und der Apter erfüllte den Wunsch seines jüngsten Sohnes und offenbarte ihm sein Geheimnis: „Wie stets am heiligen Sabbath, so saß ich auch jetzt und unterhielt mich mit dem Herrscher der Welt. Ich dachte mir: Lieber Gott im Himmel, wie gerne möchte ich das Geschlecht des Maschiach schauen. Tn diesem Augenblick standen vor meinen Augen ein Gutsbesitzer und eine Gutsbesitzerin. Aber weißt du, mein Sohn, leibhaftig standen sie vor mir. Er mit kurzem Rock, mit dem Hütchen auf dem Kopf und mit dem Stückchen in der Hand. Sie mit Zöpfen, geschnürt, mit entblößten Armen, so wie eine Tänzerin. Wie Purimspieler sahen sie aus, — und ich konnte mich nicht des Lachens enthalten.“ „Lieber Vater, was soll* denn das bedeuten?“ fragte der Sohn. Und der Apter, sein Andenken sei gesegnet, lächelte wieder und sagte mit großer Freude: „So, mein Sohn, wird das Geschlecht des Maschiach sein. Ja, so wird es sein, sich den Völkern der Welt zu nähern. Sie werden kurze und schmale Kleider tragen, aber das jüdische Herz wird bleiben. Und das jüdische Herz wird die ganze Welt in sich aufnehmen können.“ So erzählt der Alte in Kfar Jecheskel vom Apter Zaddik und dem Geschlecht des Maschiach. Und die Leute im Holzstübchen lauschen. Der alte Schochet geht schweigend und in sich versunken im Zimmer hin und her. Still ist auch seine alte Frau, die in Festkleidern und mit der glatlglänzenden Perücke bei der Tür sitzt und jedes Wort, das in der Dämmerstunde fällt, andächtig aufnimmt. Die Zeit des Abendgebets ist vorbei. Die Sonne faucht in die violetten Wolken. Der letzte Strahl küßt die glühenden Felder des Emek. Der große Schatten des Gilboaberges verschwindet. Man hört nur das geheimnisvolle Gemurmel des Wassers und aus Ein-Charod ruft die Glocke zur Rast nach der Arbeit an der Wiederbelebung jüdischen Bodens. Rachel Feigenberg, Tel Awiw. Damen-Schneiderei Herren - Schneiderei Auserlesene Qualitätsstoffe Erstklassige Verarbeitung Niedrigste Kalkulation V J

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