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Das jüdische Echo · 1926-03-19 · 12 (19.3.1926) · p. Seite 190

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
13 (1926)
Issue
12 (19.3.1926)
Date
1926-03-19
Page
Seite 190 (sequence 10)
Language
German
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190 Das jüdische Echo Nr. 12 Zionistische Ortsgruppe München Im Bibliotheksaal der Gemeinde spricht Donnerstag, den 25. März, um 81/4 Uhr HERR ALFRED BERGER AUS BERLIN über das Thema: Palästina und Diaspora Wir und die indischen Parteien Wir bitten unsere Mitglieder um zahlreichen und pünktlichen Besuch DIE VORSTANDSCHAFT Völkische Rüpeleien im Preußischen Landtag. Zu einem recht charakteristischen Zwischenfall kam es in einer der letzten Sitzungen des Preußischen Landtags. Der völkische Abgeordnete Pastor Voß griff bei der Beratung des Haushalts des Ministeriums des Innern den Minister Severing und die republikanischen Beamten maßlos an und richtete seine antisemitischen Ausfälle insbesondere gegen den Landrat Bubert (Emden), der sich wegen seines Auftretens gegen den Borkumer Helzpastor Miinchmeyer bei den Völkischen unbeliebt gemacht hat. Abgeordneter Dr. Badl machte darauf aufmerksam, daß die Behauptungen gegen Bubert unbewiesen seien, während die weit schwereren Vorwürfe gegen den Pastor Münchmeyer sich alle auf erwiesene Tatsachen stützen. Abg. Voß geriet außer sich und rief, dieser Jude (I)r. Badt) hätte die Unwahrheit gesagt, die Anschuldigungen gegen Miinchmeyer seien längst widerlegt. Auch die übrigen völkischen Abgeordneten riefen Dr. Badl Schimpfworte zu, und der Abg. Stock (im Zivilberuf Lehrer) verstieg sich zu dem Ruf „Der zionistische Lump“. Empört über diesen Zuruf, drangen mehrere sozialdemokratische Abgeordnete auf Stock ein, der vor Angst schlotternd und kreidebleich dastand, bis sich einige andere Abgeordnete ins Mittel legten. Der Vizepräsident Dr. Porsch hatte in dem entstandenen Tumult offenbar sämtliche beschimpfenden Zurufe überhört, so daß zunächst kein Ordnungsruf erfolgte. Abg. Dr. Badt stellte daraufhin fest, die Achtung vor der Würde des Hauses hindere ihn, auf das Niveau des Abg. Stock herunlerzusteigen, er sei es aber dem hohen Hause schuldig, sofort den Beweis für die Wahrheit seiner gegen den Pastor Münchmeyer gemachten Behauptung zu liefern. Unter lebhafter Anteilnahme des Hauses verlas er einen offenen Brief des Borkumer Arztes Dr. Bensch an Pastor Miinchmeyer, in welchem Münchmeyer beschuldigt wird, daß er eine Patientin im Krankenhaus kurz nach deren Operation in der Nacht besucht, die Wehrlose geküßt und ihren Unterleib abgetastet habe, um angeblich die vorhandene Operalionsnarbe zu fühlen. Dieser Brief schließt: „Der Vorwand, daß Sie die Narbe nur belastet halten, um Material gegen mich zu sammeln, ist ebenso gewissenlos wie unglaubwürdig, zumal Sie mit dieser unsinnigen Behauptung erst jetzt öffentlich zu ihrer Entlastung hervorgetreten sind.“ Die Patientin selbst habe an Dr. Bensch geschrieben, es sei eine Schande, daß Münchmeyer sich in dieser Weise rein zu waschen suche. Er habe sie zweimal geküßt, daran lasse sich nichts ändern. In einem Brief an das Landeskirchenamt Hannover habe Dr. Bensch ein Einschreiten gegen Miinchmeyer verlangt, und dabei wörtlich geschrieben: „Und einen solchen Schuft deckt der Talar.“ Abg. Badt schloß, nunmehr sei das hohe Haus in der Lage, selbst festzustellen, wer in diesem Falle die Unwahrheit gesagt habe. Als der Abg. Stock eine Gegenbemerkung mit den Worten begann „Der Zionist Dr. Badt . . .“ letigte ihn Dr. Badl unter großem Beifall des Hauses mit der Bemerkung ab, an sich lasse er sich die ehrenvolle Bezeichnung „Der Zionist Dr. Badt“ gern gefallen, früher habe er aber „zionistischer Lump“ gerufen, gegen solche Rüpeleien müsse sich das Parlament mit Rücksicht auf seine eigene Würde wehren. Der Präsident rief daraufhin Stock unter Zustimmung des ganzen Hauses zur Ordnung und erdschuldigle sich, daß er die Äußerung Stocks früher überhört habe. Generalmajor von Sclioenaich in Palästina. Generalmajor Paul Freiherr v. Sclioenaich. einer der erfolgreichsten deutschen Führer im Weltkriege, jetzt einer der Führer der pazifistischen Bewegung in Deutschland, ist am 8. d. M. in Jerusalem eingelroffen, nachdem er mehrere Tage in Palästina lierumgereist und die jüdische Aufbauarbeit in Augenschein genommen hat. In einem Gespräch mit dem Vertreter der Palestine Telegraphie Agency sagte General v. Sclioennaich, er werde seine Eindrücke im Lande zu Papier bringen und in ganz unparteiischer Weise nur das schildern, was er gesehen habe. Keineswegs wolle er auf die Zionisten ein Dithyrambus anstimmen, er wolle nichts als die Wahrheit sagen. Bis jetzt habe er die Städte Tel Awiw, Motza und Dilb, zwei Mädchen-Kwuzoth in der Nachbarschaft von Tel Awiw, die zionistische landwirtschaftliche Station Beth Schemen und die große Kolonie Petach Tikwah besichtigt. Er habe überall einen Fortschritt gesehen, der ans wunderbare grenzt. Er würde wünschen, daß arabische und jüdische Arbeiter in Reih und Glied Zusammenarbeiten. Jüdische Arbeit allein ist für die Landwirtschaft zu teuer, ln den Kwuzoth, setzte General v. Schoenaich fort, ist das Prinzip der Kommune in einer Weise verwirklicht, wie er es selbst in den Landwirtschafts-Kommunen in Rußland nicht beobachtet habe. (Bekanntlich hat General v. Sclioenaich vor mehreren Monaten eine Reise durch ganz Rußland gemacht und über seine Eindrücke ein Buch veröffentlicht, welches als der unparteiischste Bericht gilt, der bis jetzt über Rußland erschienen ist.) Ich glaube, sagte General v. Sclioenaich, daß Araber und Juden in Palästina einen gemeinsamen Staat, eint' Art Bundesstaat nach dem Muster der Schweiz bilden könnten. Die Zusammenarbeit muß damit anfangen, daß unparteiische wirtschaftliche Beziehungen zwischen den beiden Volksteilen geknüpft werden. Am 8. März abends hielt General v. Sclioenaich in einem Saal des deutschen Viertels Jerusalems vor einer zahlreichen Versammlung einen Vortrag über „Pazifismus“. Der Gast entwickelte den Gedanken der Errichtung einer europäischen Staalenförderation als Teil des Völkerbundes. — fleule reiste er nach dem Emek ab.

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