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Das jüdische Echo · 1926-03-19 · 12 (19.3.1926) · p. Seite 185

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
13 (1926)
Issue
12 (19.3.1926)
Date
1926-03-19
Page
Seite 185 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12 Das Jüdische Echo 185 kaum eine Meinungsverschiedenheit bestellen können. Wir haben uns an dem Erlebnis der Wiedergeburt erbaut und gestärkt, wir haben gelesen, daß jüdische Bauern, jüdische Handwerker, jüdische Dörfer und Städte möglich sind. Wir können uns an diesen Musterbeispielen nicht immer wieder erbauen, wir müssen auch sehen, daß diese Zahlen wachsen können, daß sie den Trieb und die Kraft des Wachsens in sich selbst tragen. Wir müssen sehen, daß die jüdische Landwirtschaft zum mindesten den Agrarbedarf der jüdischen Paläslinabevölkerung zu konkurrenzfähigen Preisen entweder selbst decken oder auf dem Weltmarkt tauschen kann, daß die Bevölkerung der Städte von den Erzeugnissen ihrer Eigenproduktion, nicht von den mitgebrachten Vermögensresten aus verlassenen Gastländern leben und ihr Wachstum bestreiten kann. Die Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten, was in diesem Falle das Schwerere ist: Die Grundlegung der Qualität oder die Ausweitung ins Quantitative. Gewiß, leicht war es nicht, die ersten Bäume ins versteppte, versandete Erdreich so zu pflanzen, daß sie Wurzeln fassen, Blätter und Früchte treiben konnten. Gewiß mußten erst die richtigen Bäume und die richtigen Standorte gefunden werden, damit später der ganze Wald angepflanzt werden kann. Aber dennoch scheint mir das Quanlilätsproblem in diesem Falle das Schwerere zu sein. Zu der Schaffung des Mikrokosmos, der heute dasteht, war mehr Idealismus als Kapital — wenn auch nicht wenig Kapital — erforderlich, und da in den Kreisen, die den Palästinaaufbau bisher trugen, die Ideale viel reicher gesät waren als das Kapital, so konnte für die bisherige Arbeit schließlich ohne unüberwindliche Schwierigkeiten, wenn auch unter großen Anstrengungen, die richtige Mischung zwischen Ideal und Kapital hergestellt werden. Die Ausweitung ins Quantitative wird zwar auch noch große Anforderungen an den Idealismus stellen, noch größere aber beinahe an das Kapital. Die Hauptlast dieser Entwicklung werden nicht mehr die Clialuzim, die Pioniere, sondern die Geldgeber zu tragen haben. Den jetzt neu hinzukommenden Kolonisten sind die Wege in vieler Hinsicht bereits durch die Arbeit der alten Pioniere geebnet worden. Das Kapital wird jetzt erst die Hauptmasse seiner Kräfte einsetzen müssen. In idealer Gesinnung, aber doch nicht ohne wirtschaftliche Berechnung. Ob dies geschehen wird, darüber werden die nächsten entscheidenden Jahre des Paläslinaaufbaus Aufschluß geben. Wenn es aber geschieht, und damit es wirklich den Erfolg haben kann, der zur Erreichung des Endzieles erforderlich ist, muß die Sicherheit bestehen, daß das Kapital, das sich zur quantitativen Erweiterung der Paläslinawirlschafl zur Verfügung stellt, auch richtig angewendet wird. Solange es sich um kleine Dimensionen, um relativ geringe Kapitalien handelte, konnten interessante Experimente gemacht, aufschlußreiche Umwege gegangen werden. Ja, es konnte durch nichts anderes als durch Experimentieren und Tasten die Richtung, die Linie gefunden werden, auf der sich die«* Palästinawirtschaft mit der Aussicht auf den größten wirtschaftlichen Erfolg fortbewegen muß. Wenn es aber zum quantitativen Ausbau kommt, wenn aus der Urzelle, dem Mikrokosmos, dem ..Modell“, das große und weite Leben werden soll, wenn nicht mehr kleine, sondern große Kapitalien in der Paläslinawirtschaft investiert werden sollen, dann muß die Richtung, in der sich der Aufhau zu vollziehen hat, lest gelegt sein. Es muß Klarheit über die richtigen Wege, die richtigen Methoden, die richtigen Mittel bestehen. Es darf bei den großen Investierungen — wenigstens in den Hauptfragen — nicht mehr experimentiert werden, denn Verluste von vielen Millionen Kapital, Falschleitung von Hunderttausenden von Menschen, darf das Paläslinawerk nicht riskieren. Es ist bekannt, daß auch in Palästina jetzt eine Krise ausgebrochen ist. Nachdem die Einwanderung im verflossenen Jahre erstaunlich große Dimensionen angenommen hatte, die Bautätigkeit und das geschäftliche Leben in den Städten in ein fast stürmisches Tempo geraten waren, ist ein Rückschlag eingetreten, der auch in Palästina Fallissements im Gefolge gehabt hat und Arbeitslosigkeit im Gefolge zu haben scheint. Man wird einen solchen Rückschlag nach überhitzter Lebendigkeit vielleicht als eine natürliche und erwart bare Reaktion zu bezeichnen geneigt sein, auch als ein Symptom dafür, daß die städtische Entwicklung in Handel, Gewerbe und Verkehr vorher ein Tempo eingeschlagen hatte, dem das landwirtschaftliche Hinterland nicht so schnell zu folgen vermochte. Aber die Gründe für die Krise scheinen doch noch etwas tiefer zu liegen. Sie liegen meines Erachtens darin, daß die Ausweitung ins Quantitative unter dem Einfluß palästinischer, aber auch außerhalb des Landes (namentlich in Polen) liegender Triebkräfte bereits zu einem Zeitpunkt mit fast ungestümer Kraft eingesetzt hatte, in dem noch keine absolute Klarheit über Grundlagen dieeser Ausweitung, keine völlige Sicherheit über die Richtung, in der sie sich vollziehen, über die Mittel, deren sie sich bedienen sollte, geschaffen war. Die Wirtschaftskrise, die heute in den jüdischen Städten Palästinas, besonders in Tel-Awiw, ausgebrochen ist, braucht uns, vom Standpunkte einer langfristigen Entwicklung aus betrachtet, nicht zu stören und zu schrecken. Vieles, was während der letzten Jahre in Tel-Awiw emporgewuchert war, hat manchem von uns sowieso nicht übermäßig gefallen. Es schien uns die wahren Wege und Ziele des Wiederaufbaues und der Wiedergeburt eher zu verwischen als zu betonen. Es kann nur gesund sein, wenn die Bodenspekulation in den Städten und auf dem Lande wieder etwas zurückgeworfen und dank einer zielbewußten Bodenpolitik die Möglichkeit und die Zeit gegeben wird, der Wiederkehr dieser Spekulation nach Beendigung der Krise die Wege zu verlegen. Auch die Übersetzung im Handel und Kleingewerbe wird und muß während der Krise zum erheblichen Teil ab-*' getragen werden. Aber gefährlicher als diese Wirt- . sehaflskrise scheint eine tieferliegende Krise zu" sein, die — vielleicht nicht aus Zufall — fast: gleichzeitig mit der Wirtschaftskrise ausgebrochen ist: Ich meine die Krise der wirtschaftlichen Führung. Es ist hier nicht der Ort, auf diese Zusam-' menhänge näher einzugehen, aber soviel muß doch gesagt werden, daß der Platz der wirtschaftlichen, Führung, der durch den Rücktritt des hisherigepj Führers leer geworden ist, gerade in der jetzige^ Zeit nicht mehr lange leer bleiben darf. Die Pa^ läslinawirtsehaft steht vor der großen Aufgabe dei! Lösung des Quantilälsproblems. Für die Lösuiiii des Qualilälsproblems war die moralische Führung vielleicht noch wichtiger als die wirtschaftliche. Der Mensch war in dieser Phase weit wichtiger als die Rente. Aber nun, da der Mensehentypus sich gebildet hat, muß sich auch die Rente bilden, sonst ist das Quanlitätsproblem, das nicht nur von einer geringen Zahl von Elitemenschen heü stritten''werden kann, sondern einer großen Zahf

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