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Das jüdische Echo · 1926-03-19 · 12 (19.3.1926) · p. Seite 184

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
13 (1926)
Issue
12 (19.3.1926)
Date
1926-03-19
Page
Seite 184 (sequence 4)
Language
German
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184 Das jüdische Echo Nr. 12 kein Wollen in der Arbeit, auch der stärkste Einsatz an Kapital, das aus Idealismus hingegeben wird und auf den sonst üblichen wirtschaftlichen Ertrag verzichtet, brauchen nicht auszureichen, eine Wirtschaft, eine Industrie, eine Agrikultur so auf die Beine zu stellen, daß sie sich schließlich selber zu tragen vermögen. Aber wenn auch eine Rechnung, die nur auf Idealismus gebaut ist, im Reiche der Wirtschaftsrealitäteil nie aufgegeben wird, so kann doch der Idealismus ein durchaus realer Faktor in der Wirtschaftsrechnung sein. Er kann als solcher Kräfte, die — im Wettbewerb mit von Natur aus reicheren Kräften und günstigeren Bedingungen — allein vielleicht nicht stark genug sein wiiden, Lebensfähiges zu schaffen, verstärken, alsdann ihnen eine Schwung- und Beharrungskraft, einen Impetus, eine Ausdauer verleihen, die Mängel der sachlichen Vorbedingungen auszugleichen, zur Überwindung von Schwierigkeiten und Unterlegenheiten beizutragen vermögen. Freilich, bewertet man diesen Idealismus, mag er ethischen, religiösen oder nationalen Impulsen entspringen, in dieser Weise als eine Kraft, der es nicht genügt, sich selbst zu leben, sondern eine reale Wirkung auszuüben — und im Bereiche wirtschaftlicher Dinge wird man ihn nicht gut anders bewerten können —, so wird man diesen Idealismus genau so wie jeden anderen realen Faktor ökonomisch betrachten müssen als eine Kraft, die nicht falsch behandelt, verschwendet oder unzeitig abgenutzt werden darf, sondern die so eingesetzt werden muß, daß sie ihre produktiv reale Wirkung getan hat, wenn sie nicht mehr oder doch nicht mehr in so verschwenderischem Maße zur Verfügung steht, wie in den Anfangszeiten ihrer schwellenden Blüte. Sowohl Erfolg wie Mißerfolg, wenn sie chronisch werden, schleifen den Idealismus ab. die sozialen Bewegungen aller Zeiten und Länder beweisen es. Der Idealismus ist unsterblich, aber die Ideale sterben, wenn sie erfüllt sind, oder wenn sie sich endgültig als unerfüllbar erwiesen haben. Wenn wir in einem Augenblick, der in mancher Hinsicht einen Angelpunkt der Entwicklung darstellt, eine Zwischenbilanz für den Palästinaaufbau ziehen, wenn wir prüfen wollen, was bisher an idealem und materiellem Wirken investiert wurde, was mit diesen Investitionen erreicht wurde, und was noch zu investieren bleibt, wenn Endgültiges erreicht werden soll, so können wir feststelleni Das Grundsätzliche ist in Palästina geschaffen und im wesentlichen gelungen. Geschaffen ist die jüdische Sprache, das jüdische Kind, der jüdische Bauer, die jüdische Gemeinschaft, und bis zu einem gewissen Punkte auch die jüdische Kultur und die jüdische Gesellschaft. Von alledem ist die Urzelle da. Überall auf diesem Gebiet haben sich Tendenzen und Elemente zu etwas Organischem, zu etwas. Lebendigem gefügt. Aber das, was da ist, stellt doch nur einen Mikrokosmos dar. Umgekehrt wie meist sonst in der Völkergeschichte, die von der Quantität zur Qualität fortschreitet, die erst die Masse haben muß, um sie dann durchbilden zu können, hat die jüdische Palästinarenaissance zuerst die Qualität geschaffen, und nun steht ihr die große,, die vielleicht noch größere Aufgabe bevor, das. Quantitätsproblem zu lösen. Das, was einige tausend; jüdische Landwirte, einige zehntausend jüdische Menschen in Palästina geschaffen haben und geworden sind — und das Gewordensein ist noch wichtiger als Geschaffenhaben — mag zwar in dem engen Kreis, den es erfüllt, und in den Wirkungen, die es ins Weite ausstrahlt, von großer symptomatischer und der Fortsetzung fähiger Bedeutung sein.. Soll es aber wirklich fortzeugen, soll als der von der Sehnsucht und Hoffnung vieler Juden aus anderen Kontinenten bestrahlten Insel selbst ein Kontinent, natürlich ein Kontinent in geistigem und seelischem Sinne, werden, so muß die Quantitätsfrage gelöst werden. Uber die Dimensionen, die der Wirlschafts- und Volksaufbau in Palästina erreichen kann, mögen die Ansichten der Fachleute verschieden sein. Einige meinen, daß in günstigem Falle eine Million Juden dort leben und Nahrung finden können; andere glauben, daß es weit mehr, andere, daß es weit weniger sein werden. Aber daß die bisher noch recht engen Grenzen sich weiten müssen, daß in diese Erweiterungen der Grenzen (Grenzen natürlich in geographischem und politischem Sinne verstanden) auch die Vorbedingungen für die moralischen Rückwirkungen und die psychologischen Erfolgwirkungen des Palästinaproblems auch die Juden der Diaspora liegen wird — nachdem das Wunder der qualitativen Wiedergeburt seine Wirkungen in den vergangenen Jahren geübt, aber — wir dürfen es uns nicht verhehlen — auch schon etwas erschöpft hat — darüber wird STEI WICKE-SA Ai/ADALBERTSTR ASSE 15 Dienstag, den 23. März 1926, abends 8 Uhr 1. KARL GERDO ABEND Mitglied des Residenz-Theaters in Berlin Balladeskes - Satirisches - Groteskes Karten zu 3.50 Mk., 2.50 Mk., 1.50 Mk. inklus. Steuer bei Steinicke, Adalbertstraße 15, Max Hieber, Marienplatz 18, Ewer-Buchhandlung, Ottostraße 2

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