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Das jüdische Echo · 1926-03-12 · 11 (12.3.1926) · p. Seite 173

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
13 (1926)
Issue
11 (12.3.1926)
Date
1926-03-12
Page
Seite 173 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 11 Das Jüdische Echo 173 weist das Palästinawerk die Fähigkeit des Juden zum Aufbau. Nicht zu internationalem, sondern zu übernationalem Werk. Hier ist der Platz, wo auch das Deutschtum eine Aufgabe hat, an dem großen Werk der internationalen Versöhnung mitzuwirken. Der bekannte Industrielle Siegfried Hirsch, der vor einer Reise nach Palästina steht, legte ein Bekenntnis für den Keren Hajessod ab. Wer darf angesichts des aufopfernden Idealismus’ der Chaluzim kühl beiseite stehen. Wir erleben das Wiedererwachen der hebräischen Sprache, der hebräischen Poesie, die Erneuerung des jüdischen Menschen, zugleich die Erneuerung des sittlichen Menschen. In dieser Schicksalsstunde darf die jüdische Gemeinschaft nicht versagen. Der bekannte Wirtschaftskritiker des „Berliner Tageblatts“, Dr. Felix Pinner, der den Palästina- Aufbau an Ort und Stelle studiert hat, sagte, es sei wahr, daß jedes Werk vor allem eine wirtschaftliche Grundlage haben muß, aber auf Wirtschaft allein kann nicht alles gestellt sein, der Idealismus ist ein realer Machtfaktor. Er überwindet Schwierigkeiten, die dem rein praktischen Denken unüberwindlich scheinen. In Palästina wurde organisatorisch Lebendiges geschaffen, — die hebräische Sprache, das jüdische Kind, der jüdische Arbeiter, der jüdische Bauer, die jüdische Gesellschaft sind dort Tatsache. Was geschaffen wurde, ist von hoher Qualität. Nun aber muß die Quantitätsfrage gelöst werden. Wir müssen sehen, daß die Wirtschaft in Palästina entwicklungsfähig bleibt. Die nächsten Jahre werden die Entscheidung bringen. Herr Kurt Blumenfeld, Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, verlas dann eine Zuschrift Georg Bernhards, des Chefredakteurs der „Vossischen Zeitung“, der bedauert, der Versammlung nicht beiwohnen zu können und ein Bekenntnis zum Keren Hajessod und zur Arbeit in Palästina ablegt. Auch er verfocht die Synthese Deutschtum-Judentum und erklärte, daß Arbeit für den Keren Hajessod dem deutschen Empfinden nicht Abbruch tun kann. Der bessere Jude ist auch der bessere Deutsche. Der Aufbau Palästinas dient dem Judentum und nützt dem Deutschtum. Würde das Werk zusammenbrechen, es würde dies für alle Juden ein großes Unglück bedeuten. Palästina sei keine englische Kolonie, sondern ein Mandatsland des Völkerbundes. Das Gelingen des internationalen Hilfswerkes wird über das Schicksal Palästinas entscheiden. Herr Kurt Blumenfeld gab dann seinerseits einen kurzen Abriß der Geschichte des Keren Hajessod und sagte: Wir Zionisten traten in voller Aufrichtigkeit an die Juden heran. Wir sagten: Wir bauen in Palästina eine geschlossene jüdische Siedlung, eine Heimstätte. Wir halten das Bündnis treu und ehrlich. Wir treiben Versöhnungspolitik. Der Aufbau Palästinas ist das größte jüdische Ereignis unserer Generation. Wir führen die Judenheit einer neuen, höheren Realität zu, größer, bedeutender als es die Wirklichkeit der deutschen Juden ist. Präsident Direkt. Wassermann feierte in seiner Schlußansprache das bewundernswerte Aufbauwerk in Palästina, das aus idealen Beweggründen entstand und idealen Zielen zustrebt. Es vereinigt sich hier ein großes geschichtliches Geschehen mit prakti'schem Bauen. Von größerem Wert für uns ist das entstehende geistige Zentrum, das den jüdischen Geist in der ganzen Welt stärken wird. Die Universität, das geistige Zentrum, ist die Krönung des materiellen Aufbaus. Helfen Sie uns in diesem Werk! Unter großer Bewegung ging die Versammlung auseinander. Feuilleton Elsa Lasker-Schüler, die Dichterin der östlichen Seele Frau L a s k e r - S e h ii ler, die vor kurzem ihren 50. Geburtstag geleiert hat, ist einer Einladung von Münchener Freunden gefolgt und las vergangenen Sonntag in den Kammerspielen neue Gedichte aus dem Manuskript, ferner bekannte „Hebräische Balladen“ und ..Den Scheik“ aus ihrem Buch „Der Prinz von Theben“. Das Haus war von Freunden und Bewunderern der Dichterin gut besucht und bereitete dieser den herzlichsten und wärmsten Empfang. Es ist die Besonderheit der östlichen Seele, daß Ihre Gefühlsemotion unmittelbar ist. Sie ist nalurhaft wie ein Gewächs und wie dieses keusch. Ihre Verbundenheit mit dem All, Gott, bedarf nicht der Mittlerrolle des Intellekts. Gradlinig ist sie, unkontrolliert vom anschauungsgierigen, die Dinge betastenden Spekulalionsbedürfnis. Sie geht nicht in die Fläche, sondern ist linienhafl. Nicht das Epos ist ihre wesentliche Ausdrucksform, sondern das ekstatische Lied. Nicht das geruhsame, tendenziöse, beschreibende Lied, sondern das im höchsten Maß eruptive, zielgerichtete, nicht auf die Form bedachte, sondern jede Form sprengende Gebet. Das Gebet der Seele um ihrer selber willen, weil sie die Natur selbst ist, verantwortlich für jeden Grashalm und sich wiederfindend im Leuchten des Abendrots. Und leidet sie, so leidet alle Kreatur, das Sandkorn — und Gott. Freut sie sich, so freut sich alle Kreatur, das Sandkorn — und Gott. Das ist das Wesen der östlichen Dichtung: ihr grenzenloser Subjektivismus, der zugleich der höchste Objektivismus ist. Das ist auch ihr Elhizismus und ihre Monotonie. Ekstase hat ein kosmisch-sittliches Gefühl und ist monoton, sich ewig gleichbleibend, sich im Wollen des Kosmisch-Sittlichen tausendfältig erneuernd, aber nur in ihm; und gerade deshalb ewig jung wie am ersten Tag. Der Weg der östlichen Seele ist der Weg der Heiligkeit des Menschen und aller Kreatur, flenn heilig, heilig, heilig ist der Herr, also auch heilig, heilig, heilig sie, die das All ist. Die Haltung ist die einer ewigen Tendenz. Die Tendenz der Verwirklichung des sittlichen Prinzips, das abhängt von der Vervollkommnung des einzelnen. Im einzelnen ist alles, ist der Grashalm, das Sandkorn, das Abendleuchten und G(*lt. Die Unvollkommenheit des einzelnen ist die Unvollkommenheit der Welt. Das aus seiner Unvollkommenheit entstehende Leid ist das Leid der Well. Diese Beschaffenheit: der östlichen Seele gibt ihr auch ihre Gebärde. Jene wunderbar farbige, sich unlogisch-hingehende, sich vervollkommnend gestaltende, die alles einschließende, weile, umfassende, in allem aufgehende Gebärde des Gebets. Das Gebet, das sich vor Gott aufgelöst, um sich sofort wieder neu zu formen, das die Vernichtung in ne hat und sogleich wieder Schöpfung ist, und ihre hellste, vollkommenste Widerspiegelung. So ist auch das Lied von Else Lasker-Scliüler. Wundersam, wie das urtümlichste Östlich-Jüdische

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