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Das jüdische Echo · 1926-03-12 · 11 (12.3.1926) · p. Seite 172

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
13 (1926)
Issue
11 (12.3.1926)
Date
1926-03-12
Page
Seite 172 (sequence 8)
Language
German
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172 Das Jüdische Echo Nr. 11 Zusammenarbeiten, der Feige fürchtet sich, weil er seiner eigenen Überzeugung nicht sicher ist, vor dem Einfluß der anderen. In unserem Zeitalter der Vorherrschaft der Nützlichkeitserwägungen müssen wir Ehrfurcht haben vor den Menschen, die hinziehen um eines Ideales willen. Die Hindernisse, d*e der Aufbau Palästinas zu überwinden hat, machen uns das Werk nur noch lieber. Es gibt den Menschen verschiedener Art den Segen, einander zu verstehen und zu achten. Herr Alfred Lisser, Vorsitzender der Repräsentantenversammlung der Hamburger Jüdischen Gemeinde, setzte sich in ungemein temperamentvollen Worten mit der Gegnerschaft einer bedeutenden jüdischen Organisaiton, des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, auseinander. Herr Lisser betonte, daß ihm als deutschen Juden, dessen Liebe zum deutschen Vaterland ebenso fest sei wie sein Glaube an das Judentum, diese Gegnerschaft unverständlich sei. Er sei seit Jahrzehnten tätiges Mitglied des Central-Vereins, dessen Arbeit jeder deutsche Jude schätzen und würdigen müsse, und man habe ihn vor noch nicht allzu langer Zeit gebeten, in den Vorstand einzutreten. Damals habe er wegen Überlastung dieser ehrenvollen Aufgabe nicht Folge leisten können. Hätte er es getan, so wäre er heute gezwungen, sein Amt niederzulegen. Wir deutsche Juden, die wir treue Anhänger des Palästinaaufbauwerkes sind, gehen einen guten und geraden Weg, und wir werden uns von diesem Wege nicht abbringen lassen. Wenn man die Beteiligung an dem Palästinawerk an alle möglichen Bedingungen in bezug auf die Zukunftsgestaltung Palästinas knüpfen will, so erklären wir offen, daß wir zu dieser Sache mit dem Geringsten, nämlich mit Geld, beitragen, kein Mitbestimmungsrecht fordern, sondern die Form des jüdischen Gemeinwesens den Menschen überlassen, die dort leben und ihr Leben für den Aufbau eingesetzt haben. Nun ergriff Prof. E i n s.t ein, von dep, Erschienen stürmisch begrüßt, das Wort zu einer Ansprache. Er sagte wörtlich: An sich entspricht es nicht meinem Ideal, daß Rassen- und Traditionsgemeinschaften ihre Sonderheit besonders pflegen und betonen. Sofern aber eine solche Gemeinschaft als solche bekämpft wird, muß sie sich als Gemeinschaft verteidigen, damit die ihr angehörigen Individuen sich materiell und seelisch behaupten können. Durch den Zusammenschluß muß bewirkt werden, daß das Individuum seelischen Gefahren entgeht, die aus der Isolierung notwendig entspringen. Wer dies klar erkannt hat, muß den Zusammenschluß aller Juden zu gemeinsamem Werk billigen und begünstigen, auch wenn er jeder nationalistischen Einstellung im Prinzip noch so ablehnend gegenübersteht.^ Für mich unterliegt es keinem Zweifel, daß bei der heutigen Lage der Dinge der Aufbau Palästinas das einzige Motiv ist, welches die für die Erzielung eines wirksamen Zusammenschlusses der Juden nötige werbende Kraft besitzt. Es ist Herzls unabweisliches Verdienst, diesen Sachverhalt als erster klar erkannt und aus dieser Erkenntnis die praktischen Konsequenzen gezogen zu haben. Deshalb muß nach meiner Überzeugung jeder Jude, dem die Gesundheit der jüdischen Gesamtheit und die Würde der Juden überhaupt am Herzen liegt, mit allen Kräften an der Verwirklichung von Herzls Ideal mitarbeiten. Der für die jüdische Gemeinschaft und die jüdische Heimstätte in Palästina arbeitende Jude hört ebensowenig auf, Deutscher zu sein, wie der Jude durch Taufe und Namenswechsel aufhört, Jude zu sein. Beide Zugehörigkeiten beruhen auf Wesenheiten verschiedener Art. Der Gegensatz liegt nicht zwischen Jude und Deutscher, sondern zwischen aufrecht und charakterlos. Wer seiner Herkunft, Rasse und Tradition die Treue bewahrt, wird sie auch dem Staat bewahren, dem er angehört, wer in dem einen treulos ist, ist es auch in dem andern. Nach der Rede Prof. Einsteins sprach Prof. Gotthold Weil, Direktor an der preußischen Staatsbibliothek: Palästina ist ein geistiges Ziel. Es geht nicht allein um die Ansiedlung von Zehntausenden Juden. Das letzte Ziel ist ein geistiges. Die Universität in Jerusalem ist das Zentrum jüdischer Geisteswissenschaft, ein die Juden in der Diaspora erwärmendes Feuer. Sie hat aber auch eine Aufgabe gegenüber der Menschheit. Eine Verbindung zwischen Ost und West scheint der Inhalt einer neuen Renaissance zu sein. Das geistige Palästina, dessen Krönung die Universität ist, schafft diese Synthese. Gerade die deutschen Juden sollten dabei sein, damit nicht Deutschland von dieser Synthese ausgeschlossen und damit deutsche Kultur im Osten lebendig bleibt. ■ Justizrat Dr. Magnus, Vorsitzender des Berliner Anwaltsverbandes, erinnerte an den führenden deutschen Juden Eugen Fuchs, den verstorbenen Vorsitzenden des Central-Vereins, der ein großer Freund des Keren Hajessod war und den ersten Aufruf unterschrieben hat. Er sagte einmal: Wenn ich nicht Jude wäre, auch dann würde ich den Keren Hajessod unterstützen. Sollen in der Welt allein die deutschen Juden zurückstehen? Gebaut wird Palästina doch, wenn nicht mit uns, so ohne uns, vielleicht gegen uns. Soll an diesem Werk gerade die deutsche Not fehlen, das Ferment der deutschen Kultur? Das wäre ein Verlust auch für das Deutschtum. Mehr als Reden und Broschüren be- BUICK die Weltmarke in 1^7 Landern vertreten Der moderne, populärste 6 Zylinder Generalvertretung: GEBR.BEI8SBARTH,MÜNCHEN,Kohlstr.2/ÄlteBa®e“n°sf.irma

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