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Das jüdische Echo · 1926-03-12 · 11 (12.3.1926) · p. Seite 169

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
13 (1926)
Issue
11 (12.3.1926)
Date
1926-03-12
Page
Seite 169 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 11 Das Jüdische Echo 169 nicht blind sein gegen die Symptome eines krankhaften Dissoziationsprozesses, die sich in der letzten Zeit mehren. Hier kann bereits S e 1 s t e r k e n n t - n i s helfen, aber auch in dieser Hinsicht mag die Wiederbelebung des propagandistischen Interesses, die Überwindung der Vorstellung, daß die propagandistische Mission der Zionistischen Organisation und ihrer Gruppen beendet sei, von heilsamer Wirkung sein. Denn diese Wiederbelebung des Willens zu einer vollen, den ganzen Menschen erfassenden Propaganda wäre voraussichtlich verknüpft mit einer gewissen Zurückdämmung der innerpolitischen Gegensätze im Galuth, da sich jede Gruppe des propagandistischen Wertes der anderen für bestimmte Schichten des Judentums wieder stärker bewußt werden würde. Stärkung und Festigung der Organisation bedeutet vor allem Erhaltung des zionistische n I d e a 1 i s m u s in seiner ursprünglichen Reinheit, Selbstbesinnung und Einkehr der führenden Geister der Bewegung, Aktivierung ihrer sittlich bedeutenden und geistig schöpferischen Kräfte. In diesem Sinne hängt freilich die Festigung der Organisation in hohem Maße von Faktoren ab, die, als Elemente der „Bewegung“, außerhalb des unmittelbaren Bereiches organisatorisch - technischen Geschehens stehen und durch „Aktionen“ nicht erfaßt werden können. Der „Monat der Zionistischen Organisation“ kann in dieser Beziehung nicht mehr sein als ein Versuch, sich des ewigen und notwendigen Zwiespaltes zwischen Organisation und Bewegung, zwischen Wirklichkeit und Geist, wieder bewußt zu werden und ihn durch Erkenntnis und Besinnung so weit zu überwinden, wie dies empirisch möglich ist. III. Es ist nicht die Absicht dieses Artikels, den Aufruf der Exekutive zu paraplirasieren, — oder auch nur erschöpfend darzustellen, was in Zukunft Programm und Inhalt zionistischer Organisationsarbeit sein muß. Sollte dies geschehen, so wäre noch manches Wort zu sagen über Probleme der zionistischen Jugendbewegung und hebräischer Kulturarbeit, über Führung und Geführte und über andere Gegenstände. Wir haben uns aber'mit der positiven Bedeutung der von der Exekutive eingeleiteten Aktion in diesem Zusammenhänge wesentlich beschäftigt, um negativ zu zeigen, was die Aktion nicht sein soll. Sie bedeutet keine Abkehr von der palästinozenlrischen Richtung der Organisationspolitik der letzten Jahre. Sie bedeutet k e i n e F 1 u c h t aus der schweren Mühe und Verantwortung der täglichen Keren- Ha jessod-Arbeit in die lichteren Sphären einer von den empirischen Forderungen, Nöten und rnvollkommenheiten der Wirklichkeit losgelösten Idealistik, oder gar in die dumpferen Sphären politisierender Betriebsamkeit. Sie bedeutet vornehmlich: Sammlung von Kräften für die große und entscheidende Aufgabe dieser Generation. Denn Palästina kann nur in naher Zukunft aufgebaut werden, in dieser Zeit, in u n s e r e n Tage n Hermann Struck fünfzigjährig Zweifle ja nicht daran, mein lieber Struck, ich könnte dich ausbündig loben. Ich könnte dich schamrot machen in deinen Bart hinein. Ich brächte es fertig, da du ja fünfzig bist und stillhalten mußt, einen Katalog unserer Freundschaft aufzustellen und mit angeborner Bosheit dich über den grünen Klee, womit ich nicht unseren ewig jungen Alfred Klee meine, beträchtlich emporzupreisen. Ich könnte sagen: in einer pöbelhaften Zeit seiest du einer der paar gewachsnen, wirklichen Aristokraten. Einer von denen, die reserviert beiseite warten, bis eine Sache sie wirklich braucht, und die dann sich, mit ganzer Figur, in die Bresche stelsen — wobei die Bresche auch die böse wimmelnde Kleinarbeit eines mickrigen Partei-alltags sein kann. Ich könnte sagen, du hättest den Humor, den Instinkt und die feinendigen Nerven eines wirklichen Mannes. Und du weißt bestimmt, daß in dieser Zeit der Großmäuler wirkliche Männer fast nur bei Kipling Vorkommen. Ich könnte sagen, du habest die disziplinierte Verschwenderfähigkeit eines grand-seigneurs. Du verschwendest das einzige, was Menschen an unübertragbaren, unübersetzbaren Werten haben: Lebenslage. Ich habe dich oft deswegen verwünscht. Denn, zum Teufel, lieber Struck, der Mensch ist einer und unteilbar, und was an Konzentration einer an Zionisten, Misracliim, Agudahleute, Besucher, Raws, Rebbes und Malkollegen abgibt, das Hießt aus seiner Arbeit auf Nimmerwiedersehen hinaus. Und du hast ja wohl noch jenen kleinen Nebenberuf, in dem du so hübsche Fortschritte machst. Ich meine nicht die edle Kunst,' ein Ehemann zu sein, sondern die, die Welt abzumalen. Komische und phantastische Einrichtung der Welt — du sitzest vor ihr und porträtierst sie. Soviel Treue, soviel Hingabe, soviel ewige Lernkraft und -freude möchte ich bald mal auf einem anderen menschlichen Gebiete angewendet sehen, wie aus deinen Blättern spricht! Es sind hauchzarte Dinge darunter, Schierke, weißt du, Venedig, vollkommene Niederschriften von allerzartester Reinheit. Und eine solche Masse Menschen aus dem Osten und von allerwärts — tausende Gesichter, die von dir ihr Recht forderten und bekamen. Unter Deinesgleichen bist du ja schon ein Klassiker. Aber vor dir selbst bist du ein be- Bayerische Gegründet Vereinsbank 1869 Niederlassungen an allen größeren Plätzen Bayerns Eigene Abteilungen für Verwahrung und Verwaltung von Wertpapieren / Moderne Stahlkammeranlage Individuelle Beratung in alle Vermögensangelegenheiten, insbesondere in Aufwertungsfragen

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