Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- 11 (12.3.1926)
- Date
- 1926-03-12
- Page
- Seite 168 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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168 Das Jüdische Echo Nr. 11 des Galuthzionisten wurde bereichert durch die revolutionäre Idee und Tat des Palästinamaassers. Die Idee der persönlichen Verpflichtung zur zionistischen Tat nahm auch in der Chaluziuth und in der noch rückständigen, aber im Vergleich zu früheren Perioden fortgeschrittenen Hebraisierung der Jugend leibhafte Gestalt an. Die Propaganda wurde anschaulicher. Das zionistische Selbstbewußtsein erfüllte sich mit dem Stolz auf echte und große Leistungen. Es wurde freier und weiter, als es in1 jener Zeit gewesen war, da es lediglich durch den stolzen Besitz einer wahren Erkenntnis gerechtfertigt war. Dieses und noch manches andere wurde gewonnen, — aber die Erfolge wurden nicht ohne Verluste errungen. Glaubt man ernstlich, daß ohne eine starke Organisation derer, die von der Idee der Wiedergeburt jüdischen Menschentums nicht bloß berührt, sondern ganz erfüllt sind, Erez Israel nicht aufgebaut werden kann, so darf man nicht vergessen, daß eine solche Organisation nicht bestehen kann, ohne sich ihrer besonderen Art und ihres spezifischen Wertes überall, und sei es selbst inmitten einer palästinafreundlichen Umwelt, bewußt zu sein. Es läßt sich aber nicht leugnen, daß durch eine Politik der Verständigung und des Bündnisses die Grenzen, wenigstens für den Blick der großen Masse, leicht verwischt werden. Deswegen bedeutet Stärkung der Organisation: Abgrenzung ihres geistigen Besitzes gegenüber nichtzionistischen und antizionistischen Bekenntnissen, Auseinandersetzung, geistige Auseinandersetzung mit der nichtzionistischen Welt, Herausarbeitung der zionistischen Sonderart, Festigung der Zionisten im Glauben und Erkennen der zionistischen Lehre. Es gibt für eine große poltische Organisation neben anderen Mitteln der Selbsterziehung und ständigen Energieerneuerung auch eines, auf dessen Anwendung sie nicht verzichten kann, ohne in Agonie zu verfallen, und dies ist die ernste, um die Wahrheit ring ende Propog a n d a , das Werben um definitive Entscheidungen anderer Menschen. Von jeher bedeutete für uns diese Progaganda zugleich Belehrung und Festigung unserer eigenen Anhänger. Propaganda in diesem besten Sinne, mit der doppelten Front nach außen und nach innen, ist auf dein Boden der Verständigungspolitik nicht zur vollen Entwicklung gekommen. Sie braucht ihren eigenen, räumlich geschiedenen Bereich. Es ist anderseits nicht wahr, daß geistige Auseinandersetzung und Abgrenzung nur in den niederen Formen des üblichen politischen Parteikampfes vorstellbar ist. Er ist die bequemste, aber nicht die einzige und nicht die beste Form der Abgrenzung. Stärkung der Organisation bedeutet weiterhin: E r halt u n g und Festigung des organisatorischen E i n li e i t s h e w u ß t s e i n s. Die Zionistische Organisation unterliegt in immer wachsendem Maße den Wirkungen eines Differenzierungsprozesses, der durch wirtschaftliche und kulturelle Gegensätze bedingt ist. In Palästina ist diese Differenzierung bis zu einem gewissen Grade durch die Entwicklung geboten. Die Gefahr für das Einheit shewußt sein ist dort deshalb geringer, weil die räumliche Konzentration, der gleichmäßig auf alle Schultern verteilte Druck der politischen Probleme und Gefahren, die Überwölbung der miteinander streitenden ökonomischen Interessen durch höhere wirtschaftliche Gesamtinteressen, schließlich auch gegenseitige ökonomische Abhängigkeitsverhältnisse immer wieder ein heilsames Korrektiv gegen eine übermäßige Distanzierung der Gruppen darstellen. Dennoch bleibt die Vertiefung der Interessengegensätze, vor allem wegen ihrer Rückwirkung auf das Galuth, eine beständige Bedrohung für den organisatorischen Bestand und die organisatorische Einheit der zionistischen Gesellschaft. Die Gefahr ist im Galuth größer als in Palästina, weil das Lehen in der Diaspora jenes Korrektivs, das durch die konstante Gemeinsamkeit politischer und ökonomischer Gesamtheitsaufgaben gegeben ist, in höherem Maße ermangelt. Diese Gegensätze erhalten so leicht eine wirklichkeitsfremde, dialektische Zuspitzung. Unter diesem Verzehr der Kräfte in der innerpolitischen Auseinandersetzung leidet das Bewußtsein von denjenigen Elementen der Idee, die allen zionistischen Gruppen gemeinsam sind, in weiterer Folge die Einheitlichkeit und Schlagkraft seihst der finanziellen Aktionen. Die Zionistische Organisation ist bisher von dem Schicksal fast aller interterritorialer Bewegungen und überhaupt großer Parteien bewahrt gehlieben: Sezessionen und Abspaltungen größeren Umfanges haben nicht stattgefunden. Obschon auch jetzt die Organisation keineswegs von einer akuten Gefahr des Auseinanderfallens bedroht ist, darf man doch HAUSER S HOTEL „Der Reichsadler“ Unsere ornehmen Gaststätten sind führend in München Speisen und Getränke zwanglos Das beliebte Tanz-Orchester Otto Weber spielt täglich nachmittags und abends