Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- 11 (12.3.1926)
- Date
- 1926-03-12
- Page
- Seite 167 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 11 12. März 15 lahrgang In unseren Tagen Grundsätzliche Beirachlungen zum ,,Monal der Zionistischen Organisation“. Von Felix R o s e n b 1 u e l h. T. Will man die Richtung zeichnen, die die' Organisalionspolitik des Zionismus in den letzten Jahren eingeschlagen hat, so läßt sie sich durch Wegemarken flüchtig etwa so fest legen: K onzenl r a t i o n a 1 11' r ideellen u n d m a t e r i e 11 e n Euerg i e n a u f d a s P a 1 ä s t i n a - A u f h a u w erk, — Ber u h i g u ng d e r A u ß c> n 1’ r o n l d u r c h R e f r i e cl u n g d e s p o 1 i t i s c h e n Part e i - k a m p f c s zwischen Z i o n i s l e n u n d N i c h I z i o n i s t e n. Das war die Richtung, — und sie war durch zwei Faktoren bestimmt. Einmal durch den gewaltigen Eindruck der lebendigen palästinischen Tat auf das zionistische Lenken und Empfinden. Gegenüber der Wahrhaftigkeit und Fülle des palästinischen Geschehens verblaßten die Inhalte des zionistischen Galulherlebens. Sie verloren an Gewicht und rückten auf den zweifeln Platz. Wesentlicher aber als dieses ungewollte Resultat einer natürlichen Entwicklung war ein anderes. Die Konzentration auf Palästina war Ausfluß der Notwendigkeit und des Willens, den Bau des nationalen Heims noch in dieser Gene rat i o n , wenn nicht durchzuführen, so doch wenigstens in unzerstörbaren Fundamenten sicher zu verankern. Die zionistische Bewegung hatte sich vor dem Kriege die Frage der Zeit und des Tempos nie gestellt und nie zu steilen brauchen. Ihre gläubige Zuversicht und Zielgewißheit beruhte vielmehr gerade auf der zeitlichen Unbegrenztheil ihrer Aspekte. Doch schneller als erwartet sah sich der Zionismus der Aufgabe gegenüber, sich in der Wirklichkeit praktisch zu bewähren, und diese Konfrontierung mit der Realität verkürzte sofort die zeitlichen Maßsläbe. Auf dieser Generation ruht die Aufgabe! Das war der große Gedanke der neuen Epoche und ihrer Führung! Diesem Gedanken wurden alle Maßnahmen untergeordnet und eingeordnet. Das .Primat der Palästinaarbeit verdrängte die zionistischen Galut häuf gaben nicht, erkannte sie vielmehr als wichtig an, abr Landespolitik und selbst Kulturpolitik rangierten nach ihrem unmittelbaren Wert für die Lösung der Aufgabe dieser Generation. Ein kühnes Vorstürmen und Mitreißen sollte die wertvollsten Energien in eine, die palästinische Richtung lenken. So wurde das Kennzeichen dieser Epoche nicht der Keren Hajessod, sondern die Ausschließlichkeit, mit der er alles zionistische Leben beherrschte. Es ist ein Symbol der Epoche, daß Rialik als Propagandist' des Keren Hajessod über das Meer reist, um den amerikanischen Juden von Palästina zu sprechen. Die Bruhigung der äußeren Front, die Beileg u n g der p o 1 i t i s c heil P a r l e i k ä m p f e z w i s e h e n Z i o n i s I e n u n d Ni c h t z i o niste n , war nur eine Folge dieser Konzentration aller Energien auf Kolonisation und Aufbau. Wenn in dieser Generation die entscheidende Tat des Zionismus vollbracht werden sollte, so war der geistige Gewinn eines politischen Kampfes mit der älteren Generation der Nichtzionisten weniger wesentlich, als der praktische Nutzen ihrer Hilfe am Siedlungswerk. Die Neutralisierung des Keren Hajessod —- durch Verwendung seiner Mittel ausschließlich für Zwecke der Kolonisation und durch konstitutionelle Sicherung neutraler Leitungsorgane — sollte Frieden, Sympathien und Unterstützung schaffen, die Erweiterung der Jewish Agency das Bündnis besiegeln. — Freilich konnte die Friedensliebe der Zionisten jiie größer sein, als die der anderen. Niemand konnte bisher und sollte in Zukunft daran zweifeln, daß die Zionisten jede Störung, jeden unlauteren Wettbewerb, jeden Angriff nach allen Regeln bester, unvergessener Fechterschule parieren würden. Auch alle anderen organisations- und finanzpolitischen Vorschläge dieser Epoche gingen davon aus, daß in diesen Jahren des Aufbaus nach Möglichkeit Frieden gehalten werden sollte. Diejenigen, die die Neutralisierung des Keren Hajessod bekämpften, versicherten, daß man sogar fü* einen rein zionistischen Fonds nicht zionistische Beiträge werben und gewinnen werde: die setzten gewiß voraus, daß die Luft nicht vom Lärm erregter Parteikämpfe erfüllt wäre. Auch die Weltkongreßidee meinte eine inhalF lieh begrenzte Verständigung über praktische Palästinafragen. Verschiedene Anleiheprojekte rechneten und rechnen damit, daß jüdische Gemeinden und Körperschaften im Galulh die Haftung für Rückzahlung oder Verzinsung der Palästina-Anleihe übernehmen würden. Kurz, wer immer das Ziel eines größeren Zionismus, des beschleunigten Aufbaus, der Lösung der historischen Aufgabe des Zionismus in einer begrenzten, knappen Zeit vor Augen hatte, dachte in irgendeiner Form an eine Verständigung mit möglichst weiten Kreisen der nichlzionislischen Judenheil, — an eine Verständigung über Palästina. II. Welche Form einer solchen e x e r s i v e n Politik man immer wählte oder wählen wird, in jedem Falle steht man vor dem gleichen Dilemma: Das praktische Bedürfnis nach Extensivität gerät in Konflikt mit dem der zionistischen Bewegung eingeborenen und historisch überlieferten Drang nach ideeller Intensität. Zwangsläufig äußert sich dieser Konflikt in periodischen Krisen. Der „Monat der Zionistischen Organisation“ ist die Ei n Fe i t p ng ei m e r Epoche, in welcher der schon immer als notwendig erkannte Versuch zu einem relativen Ausgleich dieser Spannung (denn nur ein relativer Ausgleich ist in der Well der Tatsachen erreichbar) ernst und nachhaltig unternommen werden soll. Dies also und nichts anderes meint der Aufruf der Exekutive, wenn er sagt: „Es ist an der Zeit, daß wir uns auf uns selbst und auf die Quellen unserer Kraft besinnen.“ Eine disziplinierte, einheitliche, starke Organisation ist die Grundlage jeder zionistischen Politik, und insbesondere einer palästinozentrischen. Die Organisation hat durch die Intensivierung der Palästina-Arbeit, ein Verdienst vor allem des Keren Hajessod, vieles gewonnen. Das Leben