Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- 7 (5.3.1926)
- Date
- 1926-03-05
- Page
- Seite 161 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 161 Ich sah Chanina, den Sohn des armen Schindelmachers aus B . . . aufmerksam an. Ist das derselbe Mensch? Ja, derselbe. Jetzt hebt er die Hand, bekreuzigt sich, jetzt küßt er das Kreuz. Er tritt ab, seine Lippen zittern, die Nasenflügel sind gespannt und die Augen gesenkt, als hätte man ihn bei einem Diebstahl gefaßt. Der Präsident rief meinen Familiennamen. Ich setzte mit einem gewissen Stolz den Hut auf, legte die rechte Hand auf die Bibel, das alte Buch in der uralten Sprache, und der Rabbiner unterwies mich, was ich zu tun habe. Ich fühlte, wie zwei schwarze brennende Augen sich auf mich hefteten. In diesem Augenblick erstand vor mir meine lange zurückliegende Kindheit. Ich sah mich als kleinen Jungen, die Schultasche auf dem Rücken, in einem netten Hut; und ein zerlumpter, schmutziger Junge, mit neidisch-glühenden Augen sah mich an und warf Steine nach mir. Die Augen blickten ebenso wie die, die sich jetzt auf mich hefteten. So blickte jetzt auf mich der Chanina von einst, der begeisterte Anhänger des Judentums, jetzt getaufter Jude, drittklassiger Tagesschreiber, der Tschechow nachahmt und der russischen Kultur nachjagt, die ihm immer wieder entläuft. Als ich das Gerichtsgebäude verließ, bedrückt von den unerwarteten Eindrücken, die ich drinnen empfangen hatte, hörte ich hinter mir Schritte; bald hatte mich Ischitzky eingeholt. Er atmete schwer und ein nervöses Zittern durchflog ihn. „Wenn Sie wüßten“, begann er, hielt inne und begann wieder, „wenn Sie wüßten, wie ich den „Unterricht“ hasse, den Sie mir erteilt haben . . . Zum Teufel, aus mir hätte ein guter Rabbi werden können; und ich bin ein russischer Journalist geworden, den niemand braucht. O, hätte ich doch mit Ihnen zusammen schwören dürfen! Zum Teufel!“ Und er eilte fort, ohne sich zu verabschieden. (Aus dem Jüdischen von S. S.) Personalia Marktbreit: Am 7. März feiert Lehrer a. D. Leopold Adler mit seiner Gattin das Fest der Goldenen Hochzeit. Auf einer Erholungsreise im Süden verstarb Herr Max Leßmann, Begründer und Seniorverleger des Israelitischen Familienblattes in Hamburg. Der Verlebte gründete 1899 dies Blatt und brachte es sehr bald zu großer Verbreitung. Er bemühte sich, ein echtes Familienorgan zu schaffen, das auch Fragen der Erziehung und der Gemeinde Beachtung schenkt und durch eine Beiläge Lehrer und Kantore zum Worte kommen läßt. Sein Blatt, das religiös-liberal eingestellt ist, bemüht sich auch, andere Richtungen zur Geltung kommen zu lassen; dem Aufbau Palästinas stand er stets verständnisvoll gegenüber. Dem „Israelitischen Familienblatt“ sei auch unser Beileid ausgesprochen. Gemeinden-u. Vereins-Echo München. Wie den meisten unserer Leser bereits bekannt sein dürfte, gibt der in Münchener jüdischen Kreisen nicht unbekannte Vortragskünstler Bernhard Renka, Sonntag, den 7. März, abends 8 Uhr, im Museumssaal einen heiteren Abend. Renka, der noch vor wenigen Jahren ein der Öffentlichkeit völlig unbekannter Amateur war, hat, angeregt durch den Beifall und die begeisterte Aufnahme, die er in allen jüdischen Kreisen Münchens stets gefunden, die Vortragskunst seit einem Jahre zu seinem Beruf gemacht. Und nun kam auch seitens der Presse in München so gut wie auswärts, wie bei der subtilen Ausarbeitung seiner Abende nicht anders zu erwarten war, eine lobende Kritik nach der anderen. — Daß er sich auch heute noch für jüdische Zwecke stets aufs bereitwilligste zur Verfügung stellt, das nur nebenbei. — Wir verweisen auf das Inserat in der heutigen Nummer. Lehrkurse der Kultusgemeinde München. Sonntag, den 6. März, Dr. Raphael Levi: Die Ethik des Talmud (II. Der Mensch und das Gesetz). Mittwoch, den 10. März, Dr. Max Elk: Das Leben nach dem Tode als religiöses und philosophisches Problem (I. Das Leben nach dem Tode nach Bibel und Apokryphen). Beginn der Vorträge 8.15 Uhr abends im Bibliotheksaal der Gemeinde. Jüdischer Kulturverein J. L. Perez. Samstag, den 6. März, abends 9.30 Uhr, im kleinen Sitzungssaal der Gemeinde, Herzog-Max-Straße 5, Rckgb., I. St., Kursabend. Voranzeige: Samstag, den 13. März 1926, findet unsere interne Purimfeier statt. Näheres nächstes „Echo“. Die Vorstandschaft. Hechaluz. Samstag, den 6. März, 7.30 Uhr, Herzog-Max-Straße 5, Rckgb., wichtige Mitgliederversammlung. Tagesordnung: „Wahl zur Landeskom ferenz in Berlin. Neue Informationen.“ i. A.: Erich Deutsch. Ortsgruppe München des jüdischen Frauenbundes. Montag, 8. März, abends 8 Uhr, im Bibliotheksaal der Gemeinde Vortrag F r 1. D r. E m m y Strauß : „W ohlfahrtsaml und Wohlfahrtsarbei t.“ Jüdischer Jugendverein, München. Donnerstag, den 11. März, 8.15 Uhr, „Die Geschichte des jüdischen Volkes“ (5. Vorlesung des Herrn Rabbiner Dr. Elk). Der Rezitationsabend des Herrn Dr. M. Siegel findet am 11. März, 9.30 Uhr, statt. Die Vorbesprechung für die „L eseabende“ mußte auf Dienstag, den 11.März, 8.15 Uhr, verschoben werden. (Ort: Restaurant „Ceres“.) Unsere Purimfeier ist bestimmt Samstag, den 13. März, in den Räumen des Cherubin- Palastes. Ermäßigte Karten im Vorverkauf ab Dienstag, den 9. März, in der „Ew7er“-Buchhandlung, Ottostraße 2. Die Vorstandschaft. Israelitischer Frauenverein von 1906. Herr und Frau Kornhauser gratulieren zur Verlobung Lichtmann-Stern und Herrn Goldmann und Frau zur Gehurt ihres Sohnes. Aus Nürnberg. Zionistische Ortsgruppe Nürnberg-Fürth. Die diesjährige ordentliche Generalversammlung fand am 20. Februar statt. Herr Dr. Ludwig Mayer, der bisherige 1. Vorsitzende, erstattete den Bericht über die Arbeit des verflossenen Vereinsjahres und streifte dabei die wuchtigsten Gebiete der zionistischen Tätigkeit, der Propaganda, der Nationalfonds- und Keren-Hajessod-Arbeit, des hebräischen Unterrichts. Im allgemeinen befriedigte das Ergebnis der abgelaufenen Periode, wenn auch