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Das jüdische Echo · 1926-03-05 · 7 (5.3.1926) · p. Seite 154

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
13 (1926)
Issue
7 (5.3.1926)
Date
1926-03-05
Page
Seite 154 (sequence 6)
Language
German
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154 Das Jüdische Echo Nr. 10 noch jene werden „staatlich“ sein; oder, wenn es angestrebt wird, werden diese wie jene gleichermaßen staatlich sein. Es wird, wenn überhaupt, nur eine proportionale staatliche Subventionierung geben. Alle Sprachen des Landes werden den Titel der Staatssprachen führen. Nicht nur Hebräisch und Arabisch, sondern auch Tscherkessisch, wenn es die Tscherkessen wünschen. Doch bei alledem wollen wir eine jüdische Mehrheit, eine absolute, vorherrschende Mehrheit. Wenn es wahr ist, daß Palästina und Transjordanien (wie einst Prof. Ballod schrieb) imstande sind, eine Sechsmillionenbevölkerung zu ernähren, so wollen wir, daß fünf Millionen Juden seien. Palästina wird dann in Wirklichkeit ein nationaler Staat der Juden sein, wenn auch nach seiner Konstitution binational, ja fünfnational. Denn der ganze Geist der Gesetzgebung, das Lehen der Bevölkerung außer* halb des schmalen Rahmens der Schule, der Religion, der Familie und der Wohltätigkeitsübung, der ganze soziale Aufbau des Staates und der Charakter des in ihm sich vollziehenden Kampfes, alle Handgriffe des Ackerbaues, der Industrie, des Handels, der ganze Ton des Landes wird unwillkürlich den Stempel der jüdischen Individualität tragen. Mehr noch: das Pathos sogar des rein geistigen Schaffens des Landes wird den jüdischen Charakter tragen, und alle nichtjüdischen Erscheinungen werden eine wenig bemerkbare Rolle spielen. Ja, ungeachtet aller Rechte und. aller Korrektheit in deren Befolgung wird die Minorität — obgleich wir es wahrhaftig keineswegs wünschen — sich bis zu einem gewissen Grade assimilieren, das heißt unwillkürlich die den Juden eigentümlichen Anschauungen und Lebensäußerungen annehmen. Sogar das gewöhnliche Gespräch des einzelnen wird mit hebräischen Wörtern vermischt sein. In den Augen jedermanns und aller, sogar der stolzesten Führer der Minorität, wird die Staatssprache jenes Palästinas, die der Juden sein, genau so wie die deutsche Sprache faktisch die Staatssprache des alten Österreichs war, obgleich sie nach dem Gesetz nicht als solche galt. In Österreich geschah es sogar trotz des Nichtvorhandenseins einer deutschen Majorität, einfach aus dem Grunde der früheren deutschen Kultur; um so unausbleiblicher bei einem qantitativen Übergewicht. Man braucht nicht auf die Schweiz und auf Belgien hinzuweisen. In der Schweiz gibt es keine absolute nationale Majorität. Sie besteht tatsächlich aus 25 Staaten, von denen 18 deutschen, fünf französischen, einer italienischen Charakter tragen. Nur in Graubünden gibt es keine absolute nationale Mehrheit, doch auch hier ist die vorherrschende Kantonssprache Deutsch, dessenungeachtet, daß Ladino und Italienisch nach dem Gesetz absolut dieselben Rechte besitzen, einfach darum, weil es r Maximilianstraße 40 dort dreimal soviel Deutsche als Italiener gibt und Ladino keine Kulturbedeutung besitzt. Im zukünftigen Palästina wird die Bevölkerung durcheinandergemischt sein, ohne bestimmte Sprachgrenzen, in Sichern sogar wird es eine jüdische Majorität geben. Nimmt man die Schweiz als Parallele, so darf nicht die ganze Republik herangezogen werden, wo die Nationalitäten territorial getrennt sind, sondern eben Graubünden. Auch Belgien ist keine Parallele. Hier gibt es eine klare Sprachgrenze. Vor dem Kriege verlangten D’Eck und viele andere die Teilung des Königreichs in zwei Gebiete, in ein flämisches und in ein wallonisches. Damit wird es auch zweifellos enden (nach der Forderung der Wallonen selbst), wenn die flämische Bewegung ihre volle Entwicklung erreicht haben wird. Auf Grund dieser Auseinandersetzung ist man gezwungen, zu konstatieren, daß die Parole vom binationalen Palästina vom Standpunkte des arabischen Patrioten ein leerer Schall ist. Das geht klar daraus hervor, daß wir Anhänger des Judenstaates dieser Parole vom ganzen Herzen zustimmen, schon lange zugestimmt haben, damals noch, als das helsingforsische Programm zusammengestellt wurde, denn dieses bedeutet nicht nur den Nutzen der Juden, sondern ist auch die Grundlage eines kulturellen Zusammenlebens von Majorität und Minorität überhaupt. Schon beim Aufstellen des Programms sahen wir klar voraus, daß bei idealer Verwirklichung für uns, für die Tataren, Tscherminen und Mordwer usw, Großrußland russisch, Polen polnisch, die Ukraine ukrainisch bleiben werde. Denn, wie gesagt, der Charakter eines Landes wird von seiner Mehrheit bestimmt, natürlich bei einer gewissen Höhe des Kulturniveaus der Mehrheit. Diese einfache Wahrheit kennen auch die Araber, und darum lehnen sie eine jüdische Mehrheit ab, welche Rechte auch immer in der binationalen Konstitution enthalten sein mögen. Ein reales Entgegenkommen für die Araber könnte nur der Verzicht auf die Mehrheit sein. Das würde bedeuten, daß wir versprechen, wenn es in Palästina, sagen wir 700 000 Juden gibt, eine weitere Imigration zu verbieten. Das empfehlen wir der Aufmerksamkeit unserer Friedensstifter. Die Wahr* heit zu gestehen, wir würden uns nicht wundern, wenn sie auch damit einverstanden wären; die meisten von ihnen haben ja schon lange ihren Zionismus aufgegeben. Man wird uns wieder sagen, wir seien einem Einvernehmen mit den Arabern hinderlich. Das sind Redeweisen. Ein Einvernehmen auf binationaler Basis wird nicht zustande kommen, auch wenn wir schweigen, aus dem Grunde, weil die Araber weder blind noch dummm sind. Sie sind trotz ihrer zivilisatorischen Zurückgebliebenheit ein " Damen-Schneiderei Herren - Schneiderei Auserlesene Qualitätsstoffe Erstklassige Verarbeitung Niedrigste Kalkulation

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