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Das jüdische Echo · 1926-03-05 · 7 (5.3.1926) · p. Seite 152

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
13 (1926)
Issue
7 (5.3.1926)
Date
1926-03-05
Page
Seite 152 (sequence 4)
Language
German
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152 Das Jüdische Eche Nr. 10 Die entscheidende Bedeutung Ruppins für die Geschichte der zionistischen Bewegung beginnt aber erst seit dem Augenblick, wo er im Dienste der Bewegung nach Palästina geht, um dort an Ort und Stelle die Leitung des zionistischen Kolonisationswerkes zu übernehmen. Er ging in einem Augenblick, wo es in Palästina, abgesehen von den paar schwer um ihre Existenz ringenden und auf nichtjüdischer Arbeit basierenden Kolonien, gar nichts gab, zu einer Zeit, wo die Übersiedlung für den einzelnen nicht nur das Aufgeben aller europäischen Bequemlichkeiten und Kulturmittel bedeutete, sondern ihm nicht einmal die Hoffnung verschaffte, beim Aufbau eines neuen Lebens behilflich zu sein. Ruppin ging dorthin, um aus nichts ein zionistisches Kolonisationswerk zu schaffen. Und er hat das Wunder vollzogen. Im Laufe von wenigen Jahren hat er unter den schwersten Bedingungen im Kampfe mit der verlotterten türkischen Verwaltung und jüdischen Justiz, dank seinen wunderbaren organisatorischen Fähigkeiten und seiner gründlichen Erkenntnis der realen volkswirtschaftlichen Bedingungen des Landes und der Eigentümlichkeiten des Menschenmaterials, das er als Siedler zur Verfügung hatte, ein Netz von Siedlungen ausgebaut, das seinesgleichen in der sozialen Geschichte der Menschheit vergeblich sucht und das ihm in der Geschichte des Landes einen bleibenden Platz als dem Kolonisator par excellence sichert. Ich will damit nicht behaupten, daß es einzig und allein das Verdienst Ruppins ist, daß dieses Siedlungswerk entstanden ist. Er hat ganz gewiß viele und treue Mithelfer und Mitkämpfer gefunden, in erster Reihe zwischen der jüdischen Arbeiterschaft, mit der er seit dem ersten Augenblick auf die harmonischste Weise zusammenzuarbeiten wußte. Aber die Leitung der ganzen Arbeit, die Ausarbeitung der Kolonisationspläne und deren theoretische Begründung (es seien neben der langen Reihe der in den verschiedensten Zeitschriften zerstreuten bedeutenden wissenschaftlichen Aufsätze bloß die Werke: „Der Aufbau des Landes Israel“ und „Die landwirtschaftliche Kolonisation der Zionistischen Organisation in Palästina“ genannt,) sowie die Verantwortung für deren Durchführung lag immer ganz in seinen Händen. Und er hat diese Aufgabe auf eine glänzende Weise zu lösen gewußt. Und wenn wir nun schon dabei sind, so sei noch eine Seite in Ruppins Tätigkeit und Einstellung erwähnt, die mehr wie jede andere geeignet ist, ein klares Bild auf seinen Charakter zu werfen: sein Verhältnis zu der jüdischen Arbeiterschaft. Es war wohl ein seltenes Glück für die zionistische Kolonisation Palästinas, daß fast gerade zu derselben Zeit, wo die Einwanderung ins Land dieser von reinstem Idealismus erfüllten Menschen und ihr schwerer Kampf um die Eroberung der Arbeit im Lande begann, auch Ruppin die Leitung des Kolonisationswerkes übernahm. Vom ersten Augenblick an hatte er das tiefste Verständnis für die nationalen und sozialen Bestrebungen dieser Menschen und tat sein möglichstes, um ihnen die Erreichung ihrer Ziele zu ermöglichen. Sein Verhältnis zu der Arbeiterschaft ist bis zum heutigen Tage unverändert geblieben, und als in den letzten Jahren die (leider nicht immer vom guten Willen diktierte) Kampagne gegen die Arbeiterkolonisation als solche oder gegen bestimmte Formen dieser Kolonisation einsetzte, war er immer unter ihren wärmsten und entschiedensten Verteidigern zu finden. Und die jüdische Arbeiterschaft konnte wohl kaum je einen mehr berufenen und glücklicheren Verteidiger finden als Ruppin. Seine von absoluter Objektivität und tiefer Sachkenntnis getragenen Ausführungen können es nie verfehlen, auch auf die verblendetsten Gegner einen Einfluß auszuüben. So bedeutet denn auch sein Auftreten auf den zionistischen Kongressen immer ein Ereignis in ihrer Geschichte. Tief und sachlich, himmelweit entfernt von jeder Demagogie und jeder Phrase, wußte er bis zum heutigen Tag immer in die aufgeregte Stimmung der nicht selten von leidenschaftlichen Parteikämpfen ausgefüllten Kongresse, den Ton des Strebens zur klaren, objektiven Erkenntnis und zu einem klaren sachlichen Programm hereinzubringen. Und blättert man die Protokolle der Kongresse durch, so spürt man immer ganz genau die wohltuende Wirkung, die sein Auftreten hervorrufen mußte, und die große erzieherische Bedeutung dieses Auftretens für unseren Parlamentarismus, der leider sehr viele unsympathische Züge des Parlamentarismus der allermeisten europäischen Völker mitübernommen hat. Nun hat sich Ruppin von der aktiven Arbeit in der Zionistischen Organisation ganz zurückgezogen. HAUSER S HOTEL „Der Reichsadler“ Unsere ornehmen Gaststätten sind führend in München Speisen und Getränke zwanglos Das beliebte Tanz-Orchester Otto Weber spielt täglich nachmittags und abends

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