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Das jüdische Echo · 1926-03-05 · 7 (5.3.1926) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
13 (1926)
Issue
7 (5.3.1926)
Date
1926-03-05
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 10 5. März 15 Jahrgang Unser Kolonisator Artur Ruppin zum 50. Geburtstag. Schwer fällt es heute, am 50. Geburtstage von Artur Ruppin, die Bedeutung dieser Persönlichkeit abzuschätzen, die unstreitig zu den hervorragendsten und edelsten der modernen zionistischen Bewegung gehört. Schwer nicht nur deswegen, weil wir es mit einem Manne zu tun haben, der noch mitten drin im Schaffen und Kämpfen steht, der nach seiner eigenen Aussage sich nur deswegen von der Leitung des zionistischen Kolonisationswerkes in Palästina zurückgezogen hat, um sich ungestört der wissenschaftlichen Arbeit widmen zu können, und von dem wir daher noch vieles, sehr vieles erwarten, sondern auch deswegen, weil man, um Ruppins Persönlichkeit entsprechend würdigen zu können, so vielseitig sein müßte, wie es seine Tätigkeit ist. Man muß Nationalökonom sein, um Ruppins Bedeutung sowohl für die allgemeine wie auch für die jüdische Wirtschaftskunde zu verstehen; man muß genau die Geschichte der zionistischen Bewegung und Geschichte der zionistischen Theorie kennen, um Ruppins Bedeutung als Zionist zu würdigen; und man muß schließlich Kolonisationsfachmann sein und die Geschichte der zionistischen Kolonisation Palästinas genau durchstudieren, um zu verstehen, was er auf diesem Gebiete durch seine einzigartigen organisatorischen Fähigkeiten und sein tiefes Fachwissen geleistet hat. Nur eines kann man ohne weiteres verstehen, auch wenn man kein Fachmann auf irgendeinem der genannten Gebiete ist, wenn man sich nur einigermaßen in der Geschichte der zionistischen Bewegung der letzten paar Jahre auskennt und wenn man auch nur eine bestimmte Dosis Verständnis hat für das edle und große Menschentum, — das ist Ruppins Bedeutung als Mensch, als einer hohen und reinen, von edlem Streben erfüllten Persönlichkeit, die hoch erhaben über alle Anpöbelungen dasteht, deren Ziel er einmal, wenn auch nur seitens eines palästinischen reaktionären Schmutzblatts gewesen ist. Und so wollen denn auch die weiteren Sätze keineswegs als eine volle Würdigung der Person* lichkeit Ruppins verstanden werden. Es handelt sich nur darum, das markanteste in seiner Tätigkeit und seiner Bedeutung kurz zusammenzufassen und es der Öffentlichkeit klarzulegen, dieser Öffentlichkeit, die leider nur allzuoft geneigt ist, sich vom leeren Schein der Demagogie und der momentanen Erfolge irreleiten und das wahre, große Schaffen ungeachtet beiseite zu lassen. Ruppins Bedeutung als allgemeiner Wirtschaftstheoretiker, noch mehr aber als Wirtschaftspolitiker steht fest. Wenn wir von seinen wertvollen Jugendarbeiten absehen, so sind insbesondere seine Forschungen auf dem Gebiete der Wirtschaftskunde des vorderen Orients bahnbrechend geworden. Sein Werk über „Syrien als Wirtschaftsgebiet“, ein Ergebnis langer und genauer Forschungen auf diesem bisher ganz vernachlässigten Gebiete, hat sich in der deutschen volkswirtschaftlichen Literatur einen bleibenden Wert gesichert. Heute, wo diese Gebiete, von der jahrhundertelangen türkischen Mißwirtschaft befreit, einer raschen Entwicklung zustreben, wird das Werk Ruppins von einer doppelten Bedeutung. Es hat schon bisher zwei Auflagen erlebt und wird wohl noch auf lange Jahre hinaus belehrend und befruchtend auf diesem Gebiete wirken. Unendlich größer, wenn auch vielleicht weniger bekannt, ist Ruppins Bedeutung für die jüdische Statistik. Die Statistik ist ja ein bis zum heutigen Tage in der jüdischen Wissenschaft wenig gepflegtes Gebiet und die sich daraus ergehenden Mängel fühlen wir schmerzlich auf Schritt und Tritt. Wir sind eben viel zu großzügig, um uns mit derartigen Kleinigkeiten beschäftigen zu können, die überdies so viel schwere und undankbare Arbeit kosten und dann erst recht wenig beachtet werden. Und so wissen denn bis zum heutigen Tage nur sehr wenige davon, daß in den paar Jahren vor dem Ausbruch des Weltkrieges in Deutschland der Versuch gemacht worden ist, eine jüdische Statistik zu schaffen, ein großzügiger und im großen und ganzen gelungener Versuch, dessen bedeutendstes Ergebnis, die Bände der „Blätter für jüdische Demographie und Statistik“, eine geradezu unerschöpfliche Quelle für den jüdischen Forscher bis zum heutigen Tage bilden. Zu den Gründern und Leitern dieser „Blätter“ gehörte Ruppin seit dem ersten Augenblick, und man muß nur die Bände durchgehen, um seinen riesigen Anteil an diesem imposanten Denkmal jüdischen Fleißes und jüdischer Forschung zu ergründen. Es ist schon hoch* ste Zeit, daß die jüdische Öffentlichkeit über diese Seite der Tätigkeit Ruppins informiert wird, die ein klares Bild auf seine riesige Arbeitsamkeit und seine echt deutsche Gründlichkeit wirft. Ruppins Name als zionistischer Theoretiker ist unzertrennlich mit seinem Standardwerk, den „Juden der Gegenwart“, sein Name als zionistischer Praktiker ebenso unzertrennlich mit der ganzen jüdischen Kolonisation in Palästina verknüpft. Vielleicht wäre es richtiger gewesen, von den „Juden der Gegenwart“ dort zu sprechen, wo ich Ruppins Bedeutung als Statistiker zu würdigen versuchte, denn das Werk ist ja auch ein erstklassiges statistisches Werk. Ich erwähne es aber jetzt, bei der Betrachtung der zionistischen Tätigkeit Ruppins, weil dieses Werk ein integrales Glied in der Reihe der zionistischen Grundwerke bildet, dieser großen Dokumente menschlichen Strebens, die für die erste Periode der Geschichte des Zionismus charakteristisch sind und an denen sich die ganze zionistische junge Generation erzogen hat. Diese Generation weiß auch am besten, was für sie die „Juden der Gegenwart“ bedeutet haben und bis zum heutigen Tage bedeuten. Das Werk war für sie ein Elementarbuch der modernen jüdischen Volkskunde, ein Elementarbuch, in dem sie wieder und wieder zu blättern nie müde wurde. Und bis zum heutigen Tage hat das Werk, das schon vier Auflagen erlebt hat, diese seine Bedeutung gewahrt. Ich spüre wenigstens nicht, daß es etwas von seiner Aktualität und Popularität eingebüßt hätte.

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