Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- 6 (19.2.1926)
- Date
- 1926-02-19
- Page
- Seite 124 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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124 Das Jüdische Echo Nr. 8 Humanität untergraben. Ein ermahnendes Wort muß von denjenigen kommen, welche im Dienste der Kultur stehen und Zivilisation im Lande schaffen. Das Recht ist auf der Seite der jüdischen Studenten, ihre Schuld besteht darin, daß sie als Juden geboren sind, wenn sie auch Sehnsucht nach Arbeit und Kultur zur Bereicherung der geistigen Schätze Rumäniens besitzen. Wir glauben, daß die nationale oder die jüdische Frage nicht durch Haß und Prügelei gelöst werden könne, sondern nur durch Hebung des Kulturniveaus Rumäniens. * * * Anghelescu und die Unruhen Die Zeitung „Lupta“ greift scharf den Unterrichtsminister Anghelescu an und schreibt, er trage direkte Schuld an den unaufhörlichen Studentenunruhen; er favorisiere die antisemitische und faszistische Studentenschaft. Als der Senat von Jassy einige studentische Exzedenten ausschloß, brach Anghelescu die Universitätsautonomie und befahl, daß die antisemitischen Studenten wieder aufgenommen werden. Ebenso hat Anghelescu in der Frage des jüdischen Professors Reiner gegen den Willen des Senats den Forderungen der antisemitischen Studenten nachgegeben. Der Verband rumänischer Juden, der bis jetzt regierungstreu war, hat beschlossen, bei den Gemeindewahlen mit der Opposition zu gehen. Dieser Beschluß wird hier viel kommentiert. Hakenkreuzlerüberfall auf jüdische Kriegsopfer In Klagenfurt wurde dieser Tage der fünfte Delegiertentag der österreichischen Kriegsinvaliden abgehalten. Am Abend des Eröffnungstages der Konferenz wurden mehrere Delegierte, die den Hauptplatz der Stadt passierten, von Hakenkreuz- — Kohiipn-'u.Kokt- Grotthindlung iMaxMüllerjf KQHLEN-U.KOKSGROSSHANDLUNQ Büro; Karolinenplate Nr. 5 Lager: hansasrraße27 lern angehalten und zur Ausweisleistung aufgefordert, ob sie Arier oder Juden seien. Dabei wurden einige jüdische Invalide mißhandelt. Dieses Vorgehen hat einen der jüdischen Delegierten, Leutnant Hirsch, der beide Augen und beide Hände im Kriege verlor, dermaßen in Erregung versetzt, daß er schwer erkrankte und den weiteren Verhandlungen der Konferenz nicht beiwohnen konnte. Auch die christlich-sozialen Teilnehmer an der Tagung sprachen ihre Entrüstung über eine solche Kulturschande aus. Auf Antrag des christlich-sozialen Professors Büchner wurde beschlossen, über diese Vorgänge bei der Polizei Anzeige zu erstatten und auch die Kärtner Landesregierung zu verständigen. Frithjoff Nansen über das Los der jüdischen Flüchtlinge In der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ veröffentlicht Frithjoff Nansen unter der Überschrift „Wer nimmt sie auf?“ einen Artikel über das Los der Flüchtlinge und über die Aufgaben der in diesem Monat in Genf stattfindenden Konferenz über Flüchtlingsfragen. Der berühmte Verfasser leitet seinen Aufsatz mit den folgenden Worten ein: „Ist das Empfinden der Menschen mit der Zeit abgestumpft? Und haben sie in den verflossenen Jahren vielleicht zu viel, zu überviel des Elends und des Jammers gesehen und gehört? Ja, etwas Ähnliches ist sicher geschehen, denn in früheren Zeiten gehörte nicht gar so viel dazu, die Hilfsbereitschaft der Menschen wachzurufen; ein verheerender Brand in irgendeiner Stadt, ein paar kräftige Erdstöße, eine Schar obdachlos gewordener Menschen —• und alle waren dabei, um gern zu helfen.Nun aber, in der jetzigen Zeit, ertönen die Hilferufe von Tausenden und aber Tausenden von Flüchtlingen, von schuldlos leidenden und sterbenden Menschen aus den verschiedensten Ländern, und — die ehemals so Hilfsbereiten hören sie wohl, aber sie tun, als hätten sie sie nicht gehört, denn das ist sicher: es ist sehr viel bequemer so.“ Aus den zahlreichen Beispielen seiner Erfahrung führt Frithjoff Nansen in erster Reihe das Folgende an: „In Polen, wo sich seinerzeit eine große Anzahl Flüchtlinge angesammelt hatte, erschien eines schönen Tages die Verfügung, daß alle diejenigen, die ohne Genehmigung die Grenze von Rußland her überschritten hätten und nicht nachweisen könnten, daß sie politische Flüchtlinge seien, das polnische Staatsgebiet bis zu dem und dem Tage zu verlassen hätten. Fast alle diese Flüchtlinge waren russische Juden, und sie zählten nach Tausenden. Zurück nach Rußland konnten sie nicht, ohne Gefahr zu laufen, möglicherweise erschossen zu werden, über die Grenzen irgendeines anderen Landes konnten sie aber auch nicht. So wurden sie also über die Grenze nach Danzig getrieben. Es ist einleuchtend, daß man sie in einem so kleinen Gemeinschaftswesen nicht behalten konnte; sie flogen also wie ein Tennisball eine ganze Weile zwischen den verschiedenen Grenzen hin und her, bis schließlich durch Vermittlung des Völkerbundes die jüdische Zentralorganisation in Paris sich bereit erklärte, so lange für den Unterhalt der Leute aufzukommen, bis irgendeine Lösung gefunden worden sei. So wurden mehrere Tausend dieser jüdischen Flüchtlinge längere Zeit in einem Sammellager bei Danzig verpflegt, bis sich endlich die Möglichkeit ergab, sie nach Amerika weiterzuschaffen.“ Nansen schätzt die Zahl der russischen Flüchtlinge, die über Europa verstreut sind, auf eine Mil-