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Das jüdische Echo · 1926-02-19 · 6 (19.2.1926) · p. Seite 123

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
13 (1926)
Issue
6 (19.2.1926)
Date
1926-02-19
Page
Seite 123 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 8 Das Jüdische Echo 123 Aus der Jüdischen Welt Das Martyrium der Juden in Rumänien Die rumänischen Juden und die Gemeindewahlen Der Verband der Juden Alt-Rumäniens „Uniunea Evreilor Romani“ hat beschlossen, anläßlich der kommenden Gemeindewahlen einen Aufruf an die rumänischen Juden zu richten, nur diejenigen Parteien zu unterstützen, deren Programm und Taktik von Antisemitismus vollständig frei sind. Bekanntlich hat ein nationalistischer Abgeordneter in der Kammer wegen des Aufrufs des Verbandes rumänischer Juden gegen die von der Regierung geduldeten Exzesse interpelliert und eine Bestrafung der führenden Männer des Verbandes gefordert, weil sie unbewiesene Behauptungen aufstellten. Der Verband erläßt nun eine Erklärung, in welcher eine parlamentarische Enquete gefordert wird. Sollten sich die Behauptungen des Verbandes nicht bewahrheiten, so müssen seine Führer bestraft werden, wenn sich aber herausstellt, daß tatsächlich in den unaufhörlichen Exzessen zahlreiche Juden verletzt und jüdisches Vermögen vernichtet wurden, so mögen die Schuldigen bestraft und die Schäden ersetzt werden. Überfälle in der Universität und in der Straßenbahn Gestern und vorgestern kam es wieder zu Zusammenstößen zwischen jüdischen und rumänischen Studenten. Einige jüdische Studenten wurden in Straßenbahnwagen in Gegenwart von Schutzleuten überfallen und mißhandelt. Etwa 20 jüdische Studenten, die der Vorlesung des Professors Babes beiwohnen wollten, wurden von ihren christlichen Kollegen aus dem Hörsaal hinausgeworfen. Auf der philosophischen Fakultät forderten die Professoren die jüdischen Hörer auf, den Hörsaal zu verlassen, da sie nur vor christlichen Hörern Vorlesungen halten wollen; Der Universitätssenat hat bekanntlich in der letzten Sitzung beschlossen, die Ruhestörer für ein Jahr auszuschließen. Die mit diesem Beschluß unzufriedenen antisemitischen Studenten haben in einem Memorandum an den Universitätssenat die Aufhebung dieses Beschlusses verlangt und den Generalstreik angekündigt, wenn innerhalb 10 Tagen ihr Wunsch nicht erfüllt werden wird. * * * Tatarescus Antwort an eine jüdische Abordnung Eine Abordnung jüdischer Studenten unter Führung des Präsidenten des Verbandes rumänischer Juden, Dr. Fildermann, und des Präsidenten der Bukarester Jüdischen Gemeinde, Eli Bercovici, erschien bei dem Staatssekretär im Innenministerium, Tatarescu, der für die öffentliche Sicherheit verantwortlich ist, und ersuchte um durchgreifende Maßnahmen gegen die unaufhörlichen Überfälle auf jüdische Studenten. Herr Tatarescu versprach mit halbem Munde, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Als ihm aber entgegengehalten wurde, daß alle seine diesbezüglichen Versprechungen bisher unerfüllt geblieben sind, antwortete Tatarescu wörtlich: „Ich kann gar nichts machen. Polizei und Gendarmerie sind eben antisemitisch gestimmt.“ * * * Ein Protest der Arbeiterschaft Die Bukarester Arbeiter-Syndikate hielten eine Massenversammlung ab, in der die folgende Resolution angenommen wurde: „Die Versammlung verurteilt die barbarischen Angriffe faszistischer Antisemiten gegen die jüdischen Studenten und sieht darin einen Angriff auf die Bildungsfreiheit.“ * * * Die unaufhörlichen Exzesse in Bukarest Die Ausschreitungen gegen die jüdischen Studenten der Bukarester Universität wiederholen sich jeden Tag. Am 9. Februar war wieder ein Großkampftag. Während einer Vorlesung des Professors Vladescu im Institut Babes fielen die cuzistischen Studenten über die anwesenden Juden her, schlugen auf sie ein und drängten sie aus dem Saale hinaus. Militärische Hilfe mußte herbeigerufen werden. Fast alle anwesenden Juden erlitten Verletzungen. Sehr schwer verwundet wurden die Studenten Fischer, Mendrovici, Nachim und Selzer. Sie mußten ins Krankenhaus überführt werden. An dem gleichen Tage drangen cuzistische Studenten in einen Hörsaal der Handelsakademie ein und schlugen mit Stöcken und Knütteln auf die jüdischen Studenten ein. Der Student Julius Brotzki wurde mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus überführt. Militär mußte einschreiten. * * * Immer frechere Forderungen der Cuzisten Eine Abordnung nationalistischer Studenten sprach heute im Unterrichtsministerium vor und wurde vom Generalsekretär Valaori empfangen. Sie verlangte neuerdings die Erfüllung der im bekannten Memorandum aufgestellten Forderungen. Valaori erklärte, daß einzelnen dieser Forderungen stattgegeben werden könnte, insbesondere betreffend die Besetzung des Assistentenpostens. Er stellte ferner eine gesetzliche Regelung der Judenleichenfrage in Aussicht. Die Studenten erklärten sich damit nicht zufrieden und verlangten die restlose Erfüllung ihrer Forderungen, insbesondere bezüglich des Numerus clausus, widrigenfalls ein vierzehntägiger Demonstrationsstreik der Studentenschaft beginnen würde. * * * Freisprechung eines Selbstschutz-Studenten! Der Oberste Gerichtshof hat gestern über den Rekurs des Studenten Klein, der von dem Kriegsgericht in Oradea-Mare wegen Organisierung einer Studentenorganisation zur Abwehr von Angriffen verurteilt wurde, entschieden. Der Oberste Gerichtshof hob das verurteilende Erkenntnis der Militärinstanzen auf und sprach den jüdischen Studenten frei. * * * Ein Aufruf rumänischer Intellektueller gegen die Judenhetze Der aus angesehenen Intellektuellen der Stadt Bukarest sich zusammensetzende Verein „Unirea“ veröffentlicht in den Zeitungen einen Aufruf, in dem es heißt: Tief betrübt über die Malträtierungen der jüdischen Studenten, denen das primitivste -Recht .auf Licht und Kultur geraubt wird, haben 500 Mitglieder des Vereins „Unirea“, darunter Ärzte, Advokaten und Professoren, eine außerordentliche Generalversammlung abgehalten und beschlossen, einen Aufruf an die rumänischen Intellektuellen und besonders an die Universitätsprofessoren und an die Schriftsteller zu richten. Die Intellektuellen werden ersucht, mit Rat und Beispiel auf die Minderheit jener rumänischer Studenten einzuwirkeu, welche die Unruhen auf den Universitäten stiften, diese Kulturstätten in eine Kaserne verwandeln, den guten Ruf Rumäniens, seine Zivilisation und

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