Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- 6 (19.2.1926)
- Date
- 1926-02-19
- Page
- Seite 120 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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120 Das Jüdische Echo Nr. 8 im Munde geführt werden. Die Absichten, aus denen diese Forderungen geboren wurden, sind sicherlich ehrenhaft und begründet gewesen. In diesen Forderungen lag tiefer Sinn und lebendige sittliche Forderung. Im Laufe der Zeiten jedoch hat man vergessen, daß diese Begriffe nicht Selbstzweck sind, sondern nur Mittel zum Zweck. Der Zweck war Erhaltung des Judentums und wahrhaftiges, sinnvolles, ehrenhaftes jüdisches und menschliches Dasein. Leider wird sehr oft daran vergessen, daß es sich nicht ums Mittel, sondern um den Zweck handelt. Diesen, die Absicht und den Inhalt der Forderungen herauszuschälen, ist Pflicht jedes einzelnen, der in der Gemeinschaft für die Gemeinschaft wirkt. Es wäre Gedankenlosigkeit, wenn man über starren Formeln den lebendigen Willen vergessen würde. Manchmal ist es geradezu sittliche Forderung, den Schein-Scholaum zu brechen und blindlings der mißverstandenen Forderung zu genügen, Gott behüte kein Risches zu machen. Wenn unter der letzten Forderung verstanden wird, seine Persönlichkeit, die Wahrheit, die ewigen jüdischen Grundsätze aufzugeben, so wird sie zu einem „sacrificium intellectus“. Und dann ist sie keine Tugend mehr, sondern ein Verbrechen. Manchmal ist ein Bruch des „Scholaum“ ehrenvoller als dessen Befolgung, wenn dieser „Scholaum“ eine inhaltliche Verkrüppelung, wie er bereits eine lautliche des wirklichen „Schalom“ ist, die jüdische Volksweisheit zum alltäglichen Gruß, zur ewig verbindlichen Forderung für die gesamte Menschheit aufgestellt hat im Hinblick auf ewige Ziele. M.W. „Ihr habt es schon immer gesagt!“ Was ist ein Philister? Ein Philister sagt zu jeder guten, großen, aber neuen Sache: „Dummes Zeug“ —• und wenn sich diese Sache durchgesetzt hat: „Ich habe es schon immer gesagt.“ Jede Bewegung, die einer neuen große Idee dient, sieht sich von einer indolenten Masse umgeben, die in ihrer Ruhe nicht gestört ..sein will, die nicht imstande ist, eine Idee als Idee zu erkennen, die sich nicht vorstellen kann, wie ein Gedanke sich in Wirkliches, Greifbares umsetzt, die erst aufmerkt, wenn sie das Neue mit Augen sehen und mit Händen fassen kann. Aber dann war alles ganz selbstverständlich, ganz natürlich. Niemand versteht, daß es nicht schon immer so gewesen ist, und jeder will es schon vorausgesagt haben. Propheten verbrennt man oder — was noch schlimmer ist und noch sicherer tötet — man macht sie lächerlich. Nach ihrem Tode spricht man sie heilig und die Lacher werden zu Jüngern, die jedes Wort ihres unverdienten Heiligen ohne Verstand nachbeten. Und selbstverständlich: „Sie haben es schon immer gesagt.“ Die Idee wird Realität. Die Wirklichkeit steht vor aller Augen und kann nicht mehr wegdisputiert werden. Stolz sieht die Masse auf das neue Werk, als hätte sie es selbst geschaffen. Nun fordert man von ihr rückhaltloses Eintreten für die Sache, die sie soeben bejubelte, verlangt Opfer. Vorbei ist. der Rausch der Begeisterung. Zum Opfern sind die Führer und Märtyrer da, und bis ins kleinste wird ihnen nachgerechnet, ob ihr Opfer auch groß genug ist. Die Masse opfert nicht. Sie feiert, sie jubeL dem Führer zu, sie trägt ihn auf ihren Schultern nach Hause, aber sie läßt sich nicht führen und sie folgt nicht. Sie läßt die Führer verbluten und labt sich wie ein Gott am Weihrauch, der ihr durch das Opfer ihrer Führer und Märtyrer dargebracht wird. Und Geschichtsschreiber fabeln dann später von einem heroischen Zeitalter. Aber die von einer Idee Besessenen arbeiten weiter und stützen das Werk unter Einsetzung ihrer letzten Kräfte. Die Masse sieht zu. Und das Werk bricht nicht zusammen und man kommt vorwärts, aber nicht in dem Maße, wie es die Mithilfe der vielen Beiseitestehenden ermöglicht hätte. Rückschläge kommen, Schwierigkeiten tauchen auf, entstanden aus Not, die Hilfsbereitschaft hätte verhindern können. Wieder geht man zur Masse, im Glauben, der Appell an ihr Herz würde stärker wirken als der an ihre Vernunft. Doch mit Wollust stürzt man sich auf jeden Fehlschlag, um daran die Unmöglichkeit des Ganzen zu beweisen: „Eine verlorene Sache. Schade drum! Aber wir hatten es schon immer gesagt!“ * * * Wie war es doch mit Palästina? Zuerst schien es die Wahnidee eines Verrückten, der Traum einer Schar Phantasten, Utopie, „dummes Zeug“. Nach 20 Jahren bereits wurde Palästina als nationale Heimstätte des jüdischen Volkes von den Mächten anerkannt und die Juden feierten Geulah-Feste und waren stolz auf die Leistungen HAUSER S HOTEL „Der Reichsadler“ Unsere vornehmen Gaststätten sind führend in München Speisen und Getränke zwanglos Das beliebte Tanz-Orchester Otto Weber spielt täglich nachmittags und abends