Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- 5 (29.1.1926)
- Date
- 1926-01-29
- Page
- Seite 77 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Das Jüdische Echo 77 ,,Adonai alechenu, Adonai echod der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig“. Die Mordbande drängte die beiden Männer vom Lesepulte ab. Jehuda wich zur Seite und warf sich zur Erde, verhüllt in seinen Tallith. Er flüsterte, seines Traumgesichtes eingedenk: „Sammael, Sammael.“ Wieder gellte ein erschütternder Schreckensruf von zahllosen Kehlen: Einer der Lanzenknechte war im Getümmel um die Richter und um Jehuda und den Vorsänger vorgedrungen, als wolle er abwehren. Mit seiner Hellparte streifte er den Strick der siebenarmigen Lampe über dem Almemor. Das scharfe Eisen schnitt — krachend stürzte der Leuchter herunter, die Lampen splitterten, das Öl ergoß sich auf die Gesetzesrolle — Feuer schlug empor. „Sammael“ flüsterte Jehuda. Die Flamme lief geschwind. Sie leckte und zuckte und züngelte um das knisternde Pergament der ölüberflossenen Thora. Die Türe war indes von nachdrängendem Schwarm in Trümmer gelegt. Das Rundfenster hinter der heiligen Lade wurde von außen eingeschlagen. Als die Scherben klirrten, schuf die Öffnung dem Feuer wehenden Luftzug, der die Glut anblies. Wie Zunder flackerte das Seidenzeug des Thoramantels und der Wimpel. Wirbelnd sprangen die Funken in die Gewänder der Umstehenden, die sich bald am Roden wälzten, sprangen auf den Schrein der Gesetzesrollen. Rabbi Jekutiel suchte den Aaron hakkadosch mit seinem Leibe zu decken. Mit ausgebreiteten Armen stand er davor wie ein wachender Cherub. Ein behender Geselle drang auf ihn ein und stieß ihm das Messer bis zum Griff ins Herz, daß sein Blut wie ein Brunnen aus der Brust sprang und zischend auf dampfte. Vornüber fiel der Rabbi mit dem Gesicht in die letzten Fetzen der glimmenden Thora. „Sammael flüsterte Jehuda. Aus der Kammer der gottesdienstlichen Geräte stürzte, den Tallith über den Kopf gebreitet, der alte Rabbi Isaak. Er hatte den Schofar von der Wand gerissen und setzte ihn an den Mund. Aber kein Chasan war mehr, der ihm die heiligen Befehlsworte zurufen konnte. Er rief sie selber. „Tekiah!“ begann er und bließ in hellem, langgezogenem Ton. „Scheborim!“ hob er die Stimme wie singend, und wie ein Trompetenstoß fuhr der Klang aus dem Widderhorn. Nun folgte dem Rufe „Teruah!“ ein angstvoll klagender wehmütiger Hall. Hoch richtete sich die gebrochene Gestalt des hundertjährigen Mannes auf. Seltsamer Glanz leuchtete in seinen Augen. „Teki —“ fing er an, eines Schwertes Schneide hieb ihm das Horn vom Munde, ein zweiter Hieb spaltete ihm den Schädel. Der Engel Scharschiah hatte selbst „Scheb — Setze ab!“ gerufen. . . . Der Gebetsmantel hüllte die fürchterliche Wunde ein und Isaaks rinnendes Blut mischte sich mit dem rinnenden Blute Jekutiels. „Sammael“ flüsterte Jehuda. Ein grimmes, grauenhaftes Morden hatte zu würgen begonnen. Dolch und Messer, Lanze und Schwert, Keulen und Morgensterne, Steine und Hämmer rasten um Menschenleiber. Leichen sanken auf Leichen. Gewinsel imd Gestöhn, ferstickte Schreie und Röcheln unter würgendem Griff klangen als schauerliche, gräßliche Todesmusik. Einige der Jüngeren rissen flackernde Späne aus den Holzbänken und der brennenden Galerie der Frauen und rannten durch Türe und Fenster hinaus. Sie schleuderten die verderblichen Fackeln in die Häuser der Judengasse und bis Burgermeister Bernhoch ankam, wuchs die Lohe schon himmelan in schaurigem Glanz. Die Sturmglocke bellte vom Altpörtel, die Feuerreiter sprengten durch die Gassen und brüllten „Feurio“, das Horn der Wächter auf den Hochwarten rief in langgezogenen Signalen die Bürger zu Hilfe, die Zünftler rannten zu ihren Zunfthäusern, die ledernen oder ausgepichte, hänfene Eimer zu holen, die Knechte der Münzer brachten Bütten, Kübel und Fässer herzu, die sie in den Bach senkten. Die Pecher trieben in den Straßen spitze Stangen mit Eisenkörben in den Boden und zündeten qualmende Pechkränze darin an. An allen Häusern wurden Lucernen angehängt. Wildes Getümmel erfüllte die Flachs- und Gras- und Weber- und Pfaffengasse. Weiber reihten sich und warfen die leeren Eimer von Hand zu Hand bis hinüber zum Bach an der Münze und reichten die von den Münzknechten gefüllten zurück. Zischend floß das Wasser in die glühende Esse. Eisbrocken schwammen im Bache und hinderten das leichte Schöpfen, die Kälte brannte die Hände. Lässig ging die ganze Hilfe und unlustig. Vergebens tobten die Bürgermeister, vergebens war der Brandmeister da und dort und hier und überall, vergebens schalt der Stadthauptmann; auch seine Knechte waren säumig. In der Judengasse rannten die Weiber wahnsinnig und geblendet umher, aus den Häusern, sich zu retten vor dem Feuer, in die Häuser ins Feuer. - t Damen-Schneiderei Herren - Schneiderei Auserlesene Qualitätsstoffe Erstklassige Verarbeitung Niedrigste Kalkulation Maximilianstraße 40 J