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Das jüdische Echo · 1926-01-29 · 5 (29.1.1926) · p. Seite 76

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
13 (1926)
Issue
5 (29.1.1926)
Date
1926-01-29
Page
Seite 76 (sequence 8)
Language
German
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76 Das Jüdische Eche Nr. 5 sich hat. Vor Jahresfrist verließen etwa 500 Juden ihre Heimatorte in Rußland, um sich über Persien zu Fuß nach Palästina zu begeben. Bei der Überschreitung der russischen Grenze wurden viele von den Sowjetgrenzbehörden verhaftet und zum Teil nach Sibirien deportiert. Die restlichen Wanderer setzten ihren Weg unter größten Entbehrungen fort. Etwa 150 von ihnen sind auf der Wanderung in Rußland, Sibirien und Persien den Strapazen und Entbehrungen erlegen. listenführer Leon Blum. Einstein hielt einen Vortrag über den gegenwärtigen Stand, die Bedürfnisse und das Funktionieren der Jerusalemer Universität. Die genauen Angaben, die Einstein machte, waren dem Verein wertvoll, da dieser ein Komitee bestimmen will, welches Hilfsmittel für die Universität, die Bibliothek und andere Institute in Jerusalem bei den französischen Intellektuellen sammeln will. Albert Einstein wird in Paris von der Gesellschaft „Frankreich-Palästina“ empfangen, Professor Albert Einstein wurde heute von der französischen Gesellschaft „Frankreich-Palästina“, der bekanntlich der Premierminister Painleve und andere führende Staatsmänner und Politiker angehören und dessen Vorsitzender der frühere Minister Godart ist, empfangen. Anwesend waren u. a. der Rektor der Sorbonne Professor Lapie, Professor Brunshwig, Professor Charles Gide und der Sozia¬ Zwei jiddische Tageszeitungen in Paris, Die „Pariser Blätter“, die eine Zeitlang als Wochenschrift in jiddischer Sprache erschienen waren, begannen am 15. Januar als jiddische Tageszeitung unter dein gleichen Titel zu erscheinen. Ab 24. Januar wird in Paris eine zweite jüdische Tageszeitung, der „Pariser Hajnt“ zu erscheinen beginnen. Diese Gründung steht im Zusammenhang mit der Warschauer jiddischen Tageszeitung zionistischer Richtung „Najer Hajnt“. Feuilleton i. Der Sturm auf die Synagoge Das dankenswerte Entgegenkommen des Verlags Dr. A. Pfeiffer, München, ermöglicht uns, einen Abschnitt aus „K y r i e e 1 e i s o n“, einem „R o m a n von Juden und von Christen aus dem alten S p e y e r“ von Maximilian Joseph Pfeiffer, dem jetzigen Gesandten des Deutschen Reichs in Wien, zu veröffentlichen. Das Buch führt ins Jahr 1849, das Jahr des schwarzen Todes, und in die seelischen Verwüstungen, die die Seuche erregt, — in Judenverfolgung und -mord, nun einmal Brauch und Sitte der mittelalterlichen Stadt. Das Werk ist nicht nur um seiner gerechten und freundlichen Haltung, die es dem Judentum zeigt, zu empfehlen, sondern um seiner ernsten Bemühungen willen, ins Geistes-, Gefühls- und Alltagsleben des Ghettos um die Mitte des 14. Jahrhunderts einzudringen. Nikolaus schwang sich auf den Rand der Brunnenschale. „Zum Judenviertel!“ schrie er, und die Bande wälzte sich zum Tore hinaus. Die wenigen Juden, die mit Isaak auf den Friedhof gekommen waren, fanden einen raschen Tod. Deinen Brand und Mord sah dieser Abend zuerst, armes Häuflein der Kinder Israels in den Hütten von Altspire! Du bist ganz vergangen unter Todesstreichen. Nichts blieb übrig von dir, als die Kunde, daß du gewesen. . . Wehgeschrei der zu Altspire Erschlagenen und die entfachte Feuersbrunst stachelte Wut und Leidenschaft der Mordbrenner. Stürmend brachen sie aus der Vorstadt durchs Widentor in die Erdbrust, ln rasendem Laufe wuchs der Strom in der Johannisgasse. Er schwoll in der Salzgasse und auf dem Markte. Durch die Flachs- und Grasgasse erhob er sich reißend ins Ghetto. . . Die Söldlinge der Stadt trabten mit geschultertem Gewehr hinterdrein. . . Nach der Habdolah war Jehuda neben den Alinemor getreten. Er sprach als Segan Vorsteher, zu der Gemeinde: „Bleibet und betet!“ Darauf hieß er, wie es das Amt des Segan ist, den Chasan die Haphthora lesen, wo der Prophet von der Zerstörung Jerusalems spricht und des Tempels, und die Weissagung wider Edom. Glühende Andacht goß sich in den Hall der heiligen Worte. Stark wie der Schrei des Löwen im Gebirge klangen die Verheißungen der Rache an Edom: „Wie du dich freutest über das Erbland des Hauses Jischroel, weil es verwüstet war — so will ich dir vergelten. Eine Wüste sollst du, Gebirge Seir, und ganz Edom werden! Und sie sollen erfahren, daß ich Adonai bin!“ „Singet das Hallel!“ befahl der Segan, und der Chasan stimmte den einhundertdreizehnten Psalm an: „Hallelujah! Lobet, Knechte des Ewigen, lobet den Namen des Ewigen. Ein donnernder Hieb gegen die verschlossene Türe jagte Entsetzen über die betende Gemeinde. Der Riegel brach, eine wilde Rotte wahllos bewaffneter Menschen wälzte sich herein. Aus hunderten von Kehlen drang ein einziger Schrei. Unerschütterlich stand Jehuda als Segan neben der Tebe. Nur zog er den Tallith fester um Schultern und Haupt und gab dem Chasan die Weisung: „Singe die Selicha ,Elleh eskerolV, das Bußgebet von den zehn Königsmärtyrern.“ Und der Chasan begann: „Elleh eskeroh. . . . “ Rabbi Jehuda ben Rabbi Mejr Berner und Rabbi Juda ben Rabbi Schmuei, die Richter, stellten sich den Einbrechern entgegen vor die Tebe. Nikolaus stürmte mit geschwungenem Dolch voran, der Haufe hinterher. Er brüllte: „Hier! Hier sind die Angeber! Auf sie!“ Krachend fuhr ein Morgenstern mit zackiger Kugel aut den Schädel des Rabbi Jehuda ben Mejr. Rabbi Juda ben Schmuei fiel, von einem Hammerschlag getroffen. Die Dajanim des Bet Din der Khila Spire sanken als erste Opfer. Angstvolles Weinen begann zu wimmern. Jehuda ben Kalonymos wandte sich zum Volke. Sein Auge suchte seine Tochter. Hinter dem Gitter erkannte er ihr bleiches Antlitz. Nun rief er in den Aufruhr: „Schma Jischroel Höre Israel!“ Und alles Elends, aller Angst vergessend, antworteten zitternde Stimmen:

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