Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- 5 (29.1.1926)
- Date
- 1926-01-29
- Page
- Seite 75 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Das Jüdische Echo 75 Um aber auf die Aufgaben des C.-V. zurüekzukommen! Der C.-V. beschränke sich in seiner Täligkeil nicht nur auf Deutschland, wenn es gelte jüdische Not zu lindern. Da sieh nun in der letzten Zeit ein Weg gezeigt habe, den 9 Millionen Ostjuden zu helfen — nach der uns vorliegenden neuesten Statistik leben nur je 3 Millionen in Polen und Rußland —, da die Sowjetregierung zu diesem Zweck „unermeßliche“ Ländereien zur Verfügung stellen wolle, auf denen Juden angesiedell werden können, so setze sich der C.-V. auch für die Realisierung dieses Projekts, des sogenannten Krimprojekts, ein. Den 23 000 qkm des kleinen unfruchtbaren Palästinas hielt er die 0 000 000 Desjalinen gegenüber, die in Südrußland für kolonisatorische Zwecke vorhanden seien, und der nationalen Kolonisation in Palästina die neutrale in Rußland. Mit einem hübschen Abgesang über die lediglich vorgespiegelte Neutralität des in Wahrheit zionistischen Keren Hajessod, der so viel Geld aus dem deutschen Vaterlande hinausschaffe, endete das schöne alte Lied. Kann es wundernehmen, daß den Sänger reicher Beifall lohnte? Es ist außerordentlich interessant, zu beobachten, wie d e r sei b e Mann, der in der C.-V.-Zeitung vom 8. Januar endlich einmal ein „wahrhaft umfassendes Buch über dieses unbekannte Palästina der Gegenwart, niemandem zu Liebe, niemandem zu Leide geschrieben“ fordert, mit völlig unzureichenden Informationen zufrieden ist, sobald es sich nicht um Palästina, sondern um die Krim bandelt. Das beweisen besonders seine Angaben über die jüdische Bevölkerung im Osten, deren Zahl er mit 9 Millionen angab, wobei er verschwieg, daß doch nur etwa die Hälfte davon in Rußland wohnt. Glaubt aber jemand im Ernst, die Sowjetregierung werde nichtrussische Juden ansiedeln? Ebenso beweisen es seine Angaben über die in Rußland zur Verfügung stehende Fläche und die seiner Meinung nach neutrale Kolonisation, die er der zionistischen in Palästina gegenüberstellt. Es ist wohl doch noch eine offene Frage, ob nicht die meisten Juden, auch die deutschen, die vom nationalen Gedanken getragene Kolonisation in Palästina einer bolschewistischen in Rußland vorziehen. Daß aber die Kolonisation in Rußland nicht bolschewistisch sei, darf ohne weiteres sicherlich nicht angenommen werden. All diese noch völlig unbewiesenen Behauptungen, die kein seiner Verantwortung bewußter Politiker aufstellen sollte, dienen nur dazu, die unklare Sachlage noch weiter zu verwirren. Dein Redner traten in der Diskussion von zionistischer Seite Herr Dr. Liebstädter und Herr Dr. Mayer geschickt und wirkungsvoll entgegen. J. E. Aus der jüdischen Welt Ein bekehrter Zionistenfeind. Der bekannte italienische Schriftsteller Arnoldo Cipolla publiziert gegenwärtig in italienischen Zeitungen, so u. a. in der Turiner „Stampa“, der Florentiner „La Nazione“, dem Neapolitaner „Mettino“ eine Reihe Artikel unter der Überschrift „Der sieghafte Zionismus“, in welchen er die Eindrücke seiner letzten Palästinareise wiedergibt und den Sieg der jüdischen Aufbauidee voraussagt. Cipolla hat vor zwei Jahren als Ergebnis seiner ersten Palästinareise ein Buch veröffentlicht, in welchem er scharf gegen die zionistischen Ziele in Palästina zu Felde zog. Er schreibt jetzt: „Meine letzte Palästinareise hat mich von meiner damaligen geistigen Furcht geheilt und mich zum Zionistenfreund gemacht; ein solcher müßte jeder gläubige Katholik sein, wahrscheinlich ist es der Papst auch. Die jüdischen Pioniere verwandeln das ehemals wüste Land in ein Stück Transvaal, ein starker Einwandererstrom dringt dahin. Was vor zwei Jahren noch als Traum erschien, ist heule Wirklichkeit.“ Professor Eduard Mayer über seine Eindrücke in Palästina. Der Professor und frühere Rektor der Universität Berlin, Professor Dr. Eduard Mayer, der hervorragende Historiker, der vor kurzem an der hebräischen Universität zu Jerusalem eine Vorlesung über die Früh-Legenden der jüdischen Gechichte hielt, sprach sich äußerst lohend über die immense fortschreitende Entwicklung in Palästina aus. Er hege, sagte er, betreffs der Zukunft des Landes, insbesondere im Hinblick auf die Möglichkeiten des palästinischen Seeverkehrs, große Hoffnungen. Der gebirgige Charakter Palästinas stellt für die Entwicklung des Landes ein gewisses Hindernis dar, und zwar dadurch, daß die Berge unbewaldet sind. Dem muß durch eine intensivere Aufforstungsarbeit abgeholfen werden. Für eine weitere Besiedlung bietet Transjordanien vermöge seiner beispiellosen Fruchtbarkeit beste Aussichten, über das Mandat und die Balfour-Deklaration wollte sich Professor Mayer nicht äußern. Er fühle sich, sagte er, hierzu nicht kompetent, um so weniger, als unter den Juden selbst hierüber verschiedene Ansichten bestehen. Tragödie jüdischer Palästinawanderer. Auf dem Wege über Bagdad sind heute hier vier jüdische Einwanderer aus Rußland eingetroffen. Sie bilden den Vortrupp einer großen jüdischen Wandergesellschaft, die schwere Erlebnisse hinter POBZELL4N-N1EDERL4GE MÜNCHEN THEATINERSTRASSE 23 gegenüber der Feldherrnhalle GRÖSSTE AUSWAHL, IN «EBRAlOHSIMMtZELlAN TÄGLICHE LAGEREKGÄNZUKG