Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- 4 (22.1.1926)
- Date
- 1926-01-22
- Page
- Seite 62 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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62 Das Jüdische Echo Nr. 4 tischen Aufgaben einer solchen Gesellschaft. An der Debatte beteiligten sich u. a. Musikdirektor Aron Friedmann, Komponist Dr. Sternberg, Oberkantor Gollanin, der Dichter-Komponist Arno Nadel. Der Besprechung wohnte auch der Dichter Saul Tschernichowskv bei. Nach der Durchberatung der Statuten schritt man zur Wahl des Vorstandes und der Jury. In den Vorstand wurden gewählt: Prof. Carl Lewin, Dr. S. Hildesheimer, Frau Dr. Nothmann, Dr. Rosenstein, Dr. Ismar Freund, Arno Nadel und Musikdirektor Aron Friedmann, in die Jury: Musikdirektor Michael Taube, Dr. E. W. Sternberg und Kapellmeister David Jakobsohn. Ein Jude Vizepräsident des polnischen Sejm. Infolge der Spaltung der radikalen Bauerngruppe ist die jüdische Sejmfraktion in den Rang jener Fraktionen herauf gerückt, die Anspruch haben, im Präsidium vertreten zu sein. Der jüdische Klub kandidiert nun den Abgeordneten Dr. Rosmarin als Vizepräsidenten des Sejm. Der Prozeß Steiger im polnischen Senat. Die jüdische, sozialdemokratische und radikalbäuerliche Fraktion im polnischen Senat brachten eine umfangreiche Interpellation ein, in der die Minister für Inneres und Justiz aufgefordert werden, die im Prozeß Steiger hervorgekommenen ungeheuerlichen Mißbräuche seitens des Polizeiinspektors Lukomski, des Oberstaatsanwalts Malina, der Untersuchungsrichter Rutko und Piotrowsky nach den Gesetzen zu ahnden. Der Innenminister hat bereits das Dekret über die Entlassung des Lemberger Polizeiinspektors Lukomski unterzeichnet. Die Not der Juden in Polen. — I)r. Reich beim Premier Skrzynski. Der Präsident des Jüdischen Klubs, Abgeordneter Dr. Leon Reich, besuchte den Premierminister Grafen Skrzynski und besprach mit ihm die Modalitäten einer Verwirklichung der jüdischen Postulate im Sinne des geschlossenen polnisch-jüdischen Abkommens. Dr. Reich machte den Premier darauf aufmerksam, daß der jetzt vor sich gehende Beamtenabhau in erster Reihe die jüdischen Beamten trifft, obwohl diese schon bisher wenig an Zahl waren. Es sei nicht zu leugnen, daß bei diesem Abbau antisemitische Motive mitspielen. Ferner lenkte Dr. Reich die Aufmerksamkeit Skrzynskis auf die in Widerspruch mit der Verfassung stehende Anwendung des Numerus clausus bei Aufnahme jüdischer Studierender an polnischen Hochschulen. Wenn aber jüdische Studierende nach dem Ausland reisen wollen, so werden ihnen bei der Ausfolgung von Pässen ungeheure Schwierigkeiten gemacht. Ministerpräsident Skrzynski gab die Versicherung ab, daß gewisse jüdische Forderungen schon jetzt einer Erledigung zugeführt werden. Die übrigen Ausstellungen Dr. Reichs werde er bei der heutigen Sitzung des politischen Komitees des Ministerrates zur Sprache bringen. Es verlautet, Skrzynski hätte Dr. Reich versichert, daß die Vorschriften bezüglich der Offenhaltung der Geschäfte an den Sonnabend-Abenden trotz des Widerspruchs der Sozialdemokraten durchgehen werden. Er versicherte ferner, daß das Gesetz bezüglich der jüdischen Gemeindewahlen in den Randgebieten binnen ganz kurzer Zeit durchgefiihrl werden wird. Dem jüdischen Gemeinderat Warschaus soll die Möglichkeit gegeben werden, die Funktionen in den nächsten Tagen zu beginnen. Graf Bethlen nimmt Antisemiten gegen den Vorwurf des Rassenschützlertums in Schutz. Dr. Alexander Redlich, der Budapester Berichterstatter der „Vossischen Zeitung“, berichtet seinem Blatte über eine Unterredung mit dem ungarischen. Ministerpräsidenten Grafen Bethlen. Auf eine Bemerkung des Korrespondenten über „Rassenschiitzler“ in hohen Staatsstellungen, wie z. B. der Landespolizeichef Nadossy, sagte Graf Bethlen: Na-, dossy ist kein Rassensehützler, sondern Konservativer. Diese Unterscheidung muß überhaupt festgehalten werden. Es gibt in Ungarn eine große Menge sehr konservativ denkender Leute und ausgesprochene Antisemiten, die nichts destoweniger keine „Rassensehützler“ sind. Die Linke tut unrecht daran, diese Leute als Rassensehützler zu bezeichnen, weil sie sie dadurch schließlich selbst, in das Lager der Rassensehützler treibt. Verschiedene verstehen unter „Rassenschützlern“ vor allem Leute von nationalistischer Gesinnung sowohl in innenwie außenpolitischer Beziehung, denen der Gedanke einer Diktatur auch nicht fernliegt. Daneben haben sie das bekannte antisemitische Programm.. Nach dieser Definition schon kann ich sagen, daß meines Wissens keine „Rassensehützler“ in hervorragenden staatlichen Ämtern sind, dagegen ist es richtig, daß sich extrem-konservative und antisemitische Männer in solchen Ämtern befinden. Scharfe Proteste der rumänischen Juden in Amerika gegen die Judenverfolgungen in Rumänien. Die Union der rumänisch-jüdischen Vereine in Amerika, die in ihre Satzungen die Bestimmung auf genommen hat, daß die Interessen der Juden in Rumänien zu schützen seien, hat, wie schon kurz berichtet, in ihrer zu New York stattgefundenen 17. Jahrestagung in scharfer Form Protest erhoben gegen die Verfolgung der Juden in Rumänien und gegen die Nichterfüllung der Bestimmungen des. Friedens- und des Minderheitsvertrages betreffend den Schutz von Leben und Eigentum der jüdischen. Bevölkerung seitens der rumänischen Regierung. Mr. Solomon Sufrin, der Präsident der Union. Referierte über die Schritte, die von der Alliance Israelite Universelle und dem Londoner Joint Foreign Commitee auf politischem Wege unternommen wurden, um die rumänischen Instanzen zu veranlassen, ihren Verpflichtungen gegenüber den Juden Genüge zu tun. Er führte dann aus: „Mit tiefem Bedauern muß ich öffentlich erklären, daß die- Lage der Juden in Rumänien heute schlimmer ist als je. Unsere Organisation muß jetzt mit mehr Entschlossenheit und Eifer ihr Ziel verfolgen. Es ist unsere Pflicht, stets auf der Wacht zu sein, und gegen jedes Unrecht, das den Juden in Rumänien getan wird, unsere Stimme zu erheben. Wir wollen hoffen, daß die jetzt in Rumänien herrschenden unglaublichen Zustände nicht lange andauern werden, soll nicht Rumänien seinen Ruf als eine der zivilisierten Nationen Europas in Gefahr bringen.“ Herr Sufrin berichtete über den zu Ehren der rumänischen Delegation gegebenen Empfang, bei welcher Gelegenheit der Delegationsführer Titulescu gesagt hat, Rumänien besitze in Amerika keine treueren Freunde als die aus Rumänien stammenden Juden, da alles, was die rumänischen Juden in Amerika von der Regierung in der alten Heimat erwarten, sich einzig und allein auf eine bessere