Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- 4 (22.1.1926)
- Date
- 1926-01-22
- Page
- Seite 61 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Das Jüdische Echo 61 14. Januar abens in der Stadthalle eine Versammlung, in der fünf Berliner Chefredakteure, die zu den markantesten Erscheinungen der deutschen Journalistik gehören, das Wort ergriffen. Der Riesensaal, seine Galerien und Gänge, waren iiberliilJt. Der Vorsitzende des Bezirkes Nord des Reichsbundes, Herr Dr. London, eröffnete die Versammlung. Als erster Redner sprach der Chefredakteur des „Vorwärts“ Dr. Stampfer, der ausführte: Mit Millionen Kameraden meiner Partei stehe ich zusammen im Kampfe gegen alle Unterdrückung und somit in gemeinsamer Abwehrfront gegen den Antisemitismus. Im Schützengraben war von Antisemitismus nichts zu spüren. Dort durften die Juden ihre Pflicht tun. Lag das vielleicht daran, daß die Herren Antisemiten nicht dort waren? Die Politik der Antisemiten hat mit nationaler Vernunft nichts zu tun. Auch diese Welle wird verebben wie die anderen vor ihr. Wir bekämpfen in dem Antisemitismus auch die monarchistische und kapitalistische Reaktion. Diesen Kampf führen wir nicht allein um der Juden willen, sondern um des deutschen Vaterlandes willen. Der nächste Redner, der bekannte demokratische und pazifistische Vorkämpfer Helmut h v. Gerlach, Chefredakteur der „Welt am Montag“, warnte vor Optimismus und sagte, fast zwei Drittel der deutschen Presse vergiften das öffentliche Leben in Deutschland durch antisemitische Lügen und Verleumdungen. Einer der Rathenau-Mörder, über die Beweggründe seiner Tat befragt, erwiderte, er habe in seiner Zeitung gelesen, daß Rathenau seine Schwester dem Bolschewisten Radek zur Frau gegeben hat. Deshalb mußte er fallen. Wer die Verhältnisse auf dem flachen Lande kennt, der weiß es, daß die sonst rechtschaffene Bevölkerung antisemitisch verseucht ist, indem die antisemitische Presse, zu welcher auch die zahlreichen und den größten Einfluß ausübenden Kreisblätter gehören, fortwährend solche Märchen über Juden und Judentum auftischt. Es sei zu beklagen, daß sich nicht reiche Juden finden, die die gutgesinnte Presse ebenso stützen, wie die reichen Industriellen und Grundbesitzer die antisemitische Presse stützen, um den Volkszorn von den wahrhaft Schuldigen an der gegenwärtigen Wirtschaftnot abzulenken. Zu bedauern ist auch, daß gerade die jüdischen Journalisten im Kampfe gegen die Volksseuche des Antisemitismus sich aus einem falschen Schamgefühl heraus weniger rührig zeigen als ihre demokratischen christlichen Kollegen. Die Behauptung von der Beherrschung der Presse durch Juden ist ein Märchen, die Presse wird von den Führern der Industrie und der Landwirtschaft, unter denen kaum noch Juden sind, beherrscht. Man darf im Kampfe nicht erlahmen, damit die Seuche schnell und radikal überwunden wird. Dr. Alfons Steiger vom Zentrumsorgan „Germania“ charakterisierte den Antisemitismus Wilhelms II. und der „Neudeutschen Heiden“ und sagte, der Antisemitismus wendet sich gegen den Katholizismus, sowie gegen jede christliche Religion wie gegen das Judentum. Mit vereinten Kräften muß er bekämpft werden. Abgeordneter Dr. Otto Nuschke, Chefredakteur der „Berliner Volkszeitung“, bedauert es ebenfalls, daß die jüdischen Kollegen nicht genug scharf die antisemitische Seuche bekämpfen. — Herr Dr. Goetz von der „Vossischen Zeitung“ sagte, die antisemitische Presse lebe zu einem großen Teil von jüdischen Inseraten. Die Redner, sämtlich Nichtjuden, zollten dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten viel Lob für sein mannhaftes Eintreten gegen den Antisemitismus. Sie ernteten stürmischen und begeisterten Beifall. Ein Jüdisches Opfer der Fememörder. In den Tagen des Kapp-Putsches wurde in Breslau der sozialdemokratische Redakteur Bernhard Schottlaender ein Opfer der Freikorps-zeitfreiwilligen-Banden. Schottlaender, ein ruhiger und von seinen Idealen durchdrungener, geistig sehr hochstehender junger Mensch, war am Abend des 14. März 1920 zusammen mit Paul Loebe, dem jetzigen Reichslagspräsidenten, zu einer Besprechung ins Generalkommando geladen, kehrte aber von dieser Besprechung nicht mehr zurück und war seitdem spurlos verschwunden. Erst nach Monaten wurde außerhalb Breslaus seine furchtbar zugerichlele Leiche entdeckt. Sein Mörder konnte noch nicht ermittelt werden. Nunmehr teilt das sozialdemokratische Organ Schlesiens „Die Volkswacht“ mit, daß es gelungen ist, den Mörder Bernhard Schottlaenders festzustellen. Es ist der ehemalige Ulanen- Offizier von Pannwitz aus Bodzanowitz. Pannwitz lebt unter den Namen v. Largen. Pannwitz ist auch in andere Fememorde verwickelt. Bisher gelang es nicht, diesen äußerst gefährlichen Femeverschwörer dingfest zu machen. Bildung einer Gesellschaft der Freunde jüdischer Musik in Berlin. Am Sonntag, dem 17. Januar, versammelten sich im Logenhaus „Bnei Brith“ jüdische Musiker, Schriftsteller und Künstler und beschlossen, eine Gesellschaft der Freunde jüdischer Musik in Berlin zu bilden, die die Förderung jüdischer Musik und jüdischer Musiker zum Ziele haben soll. Den Vorsitz führte Prof. Carl Lewin. Herr Dr. Salomon Hildesheimer hielt ein mit viel Beifall aufgenommenes Referat über die künstlerischen und prak- Die echt OsfschuR Vor minderwertigen Nachahmungen wird gewarnt. enthalten nur feinste Mischungen der edelsten bulgarischen QualitS tstabake 858