Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- 4 (22.1.1926)
- Date
- 1926-01-22
- Page
- Seite 57 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Minsk 1× ep/1000754
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Nr. 4 Das Jüdische Echo 57 Dieser Vorgang ist außerordentlich bezeichnend 'Dir den Geist, der noch in manchen Gemcindestuhen herrscht. Kein Gefühl für die kulturellen Aufgaben einer jüdischen Gemeinschaft; kein Gefühl für das neue Leben, das sich entwickeln will; kein Gefühl dafür, daß der jüdische Religionsunterricht mit seinen zwei Wochenslunden unbedingt einer Ergänzung bedarf. Während die Nürnberger Kullus- . gemeinde, die wohl nicht so viele vermögende Steuerzahler besitzt, die finanziell mindestens ebenso angestrengt ist wie die Kullusgemeinde Fürth, in außerordentlich verdienstvoller Weise den Verein Chowewe-lwrith unterstützt, in der Erkenntnis, daß er den Versuch unternommen hat, Aufgaben zu lösen, die eigentlich Aufgaben der Gemeinde sind — oder sollte es nicht Aufgabe der Gemeinden sein, dem heranwaehsenden Geschlecht die Kenntnis der hebräischen Sprache, der Sprache des Gebets, der Sprache der Thora und der Propheten, aber auch die des neuen Palästinas, zu vermitteln? — beruft man sich in Fürth darauf, daß mein kein Geld habe. Man hat wohl in Fürth überhaupt kein Geld für positive, aufbauende Arbeit, man ist ja froh, wenn sich nur nichts Neues regt und man in seiner Ruhe und Zufriedenheit nicht aufgerüttelt wird, wie überhaupt der Fürther Gemeindevorstand seine Tätigkeit im Sinne eines Konkursverwalters auszuüben scheint, der die vorhandene Masse zu liquidieren hat und neue Geschäfte nicht mehr machen darf. Und wenn die Störung gar noch mit der Palästinaidee zusammenhängt, dann darf man eine solche neue Sache erst recht nicht unterstützen, sonst könnte es — entsetzlicher Gedanke! — ja noch dazu kommen, daß es außer den Rabbinern Leute in der Gemeinde gibt, die Hebräisch können, die wohl gar eine hebräische Zeitung lesen. Und dann, man weiß ja, gibt man erst, den kleinen Finger, so wird gleich die ganze Hand verlangt. Und man hat sich in keiner Beziehung etwas vorzuwerfen, man hat wie ein sorgsamer Konkursverwalter nichts für überflüssige Dinge ausgegeben und sein Geld hübsch beisammengehalten, wozu soll ein vernünftiger Mensch auch Hebräisch lernen? Im Februar 1925 war in diesen Blättern schon einmal die Rede von der rückständigsten Gemeindeverwaltung in Bayern; — die Fürther Kultusgemeinde legt anscheinend Wert darauf, sich diesen Ruf neuerdings zu erwerben; sie tut in der Tal alles, daß ihr dieser ,,Ehrenname“ nicht geraubt werden kann, der der rückständigsten Gemeindeverwaltung in Bayern. J. E. „Gottesstürmer“ 1) e r K a m p f d er Bois c h e w i s t e n g e g e n die jüdische Religio n. (Schluß.) Viel einfacher ist es mit den Feiertagen. Hier ist ‘die Sache sonnenklar: die Feiertage sind von der jüdischen Bourgeoisie in ihrem Klasseninteresse ersonnen worden. Und gegen die Feiertage wird ein unerbittlicher' Feldzug geführt. Am Versöhnungstage („Jom-Kipur“) werden Festmahle und Tanzabende veranstaltet, am Pessach — „chomezdige“ — Abendessen. Die kommunistische Jugend wird für jede Beteiligung an den Festgebräuchen auf das strengste verfoll. In Winnitza ist gegen einige junge Arbeiter ein spezielles Gericht abgehalten worden, weil sie an einem „Seder“ icilgenommen haben. In derselben Stadt hat man öffentlich, in Anwesenheit eines zahlreichen christlichen Publikums, einige jüdische Kommunisten „gerichtet“, die schon ein ganz großes Verbrechen begangen hatten: Sie haben am Pessach neue Kleider angezogen . . . Und in Witobsk wurden 20 Kommunisten wegen eines noch eigenartigeren Vergehens vor ein Parteigerient gestellt: sie haben bei sich zu Hause Mazzolh backen helfen. . . . Sehr wenig Umstände machen die jewrsektischen „Gollesstürmer“ mit den Synagogen. Ihr Schicksal ist besiegelt. In Charkow' hat eine Versammlung von 1500 Studenten der Arbeiteruniversität ohne weiteres beschlossen, alle jüdischen Bethäuser zu requirieren. In Moskau hat eine Versammlung von Arbeitern der 26. Fabrik in heller Empörung konstatiert, daß „der jüdische Klerikalismus, der aus Minsk vertrieben wurde, nach Moskau übersiedelt ist“, so daß man in den letzten „jomim noraim“ (Hohe Feiertage) für einen „Maftir“ bis zu 10 Milliarden gezahlt hat; man müsse darum die Chorsynagoge, „den Herd des Klerikalismus“, der jüdischen Gemeinde fortnehmen. Dieses Attentat auf die älteste Synagoge Moskaus ist zwar mißlungen. In Tsbhernigow' und Winnitz haben die lokalen Sowjets den „Arbeitern“ die Hauptsynagogen bereits übergeben. In Hornel hat der Sowjet beschlossen, „infolge herrschender Wohnungsnot“ ein Drittel aller Kirchen und Synagogen zu schließen und die Gebäude „allgemein - nützlichen Zw ecken“ zu übergeben. Auf Grund dieses Beschlusses sind 31 Synagogen und Kirchen geschlossen worden. In Odessa ist die schöne historische „Broder“-Synagoge in einen Arbeiterklub verwandelt worden. In allen Städten des Kaukasus ist je eine Synagoge beschlagnahmt worden. Der jüdische Gott wird aus allen seinen Festungen verdrängt. Von den Synagogen bis zu den Rabbinern ist ein Schritt. Die Synagogen werden geschlossen und die Rabbiner, diese „Statthalter Gottes auf Erden“ — nach der Terminologie der „Jewrsektia“ — werden eingesperrl; da man doch den Herrgott selbst nicht einsperren kann. . . Verhaftungen werden unter verschiedensten Vorwänden vorgenommen. Der Rabbiner Barischansky brachte 7 Monate im Gefängnis zu, weil er auf einer sogenannten „unparteiischen Arheiterkonferenz“ gegen den antireligiösen Feldzug der „Jewsektia“ auftrat. Der Rabbiner Schneersohn in Hornel wurde verhaftet wegen einer „ungesetzlichen Ausübung von Gerichtsfunklionen“: er hat an einem religiösen Gericht („Din- Thora“) leilgenommen. Der Rabbiner von Petrograd, Dr. Eisenstadt, wurde seinerzeit wegen einer „Verletzung des Gesetzes über Trennung von Staat und Kirche“ verhaftet usw\ Daß die Bibel, die hebräische Sprache, der Cheder verfolgt werden, — weiß jeder. Das alles hat ja mit Gott zu tun. Gott aber ist der Feind. Man S. LEVINGER MÖNCHEN Bayerstraße 25 Pfisterstraße 6 am Hauptbahnhof am Platzt Zigarren / Zigaretten Rauchtabake Das Haus für feine Tabakerzeugnisse